Duell der Standorte: Opel gegen Saab

- Rüsselsheim - Die große Aufräumaktion bei General Motors (GM) in Europa schürt in Rüsselsheim Ängste um die Zukunft des Opel-Stammwerkes. GM stellt derzeit den traditionsreichen Standort in Hessen sowie das schwedische Saab-Werk in Trollhättan auf den Prüfstand. "Wir wollen die Mittelklasse von Saab und Opel künftig nur noch an einem Standort bauen", sagte ein GM-Sprecher.

Das bedeute nicht automatisch eine Werksschließung. Doch bei Opel wird befürchtet, dass die Marke im künftigen Konzernverbund unter die Räder kommt. Aber: Rüsselsheim kann innerhalb der neuen GM-Organisation keine Sonderrolle mehr beanspruchen. Eine Beschäftigungsgarantie will der neue GM-Europa-Präsident Carl-Peter Forster den Opelanern nicht geben. "Wir müssen uns davon verabschieden, dass einem das Leben garantiert wird", sagte der Ex-Opel-Chef.<BR><BR>Nach vier Jahren Verlusten will GM Opel wieder profitabel machen - und schreckt dabei vor keinem Tabu zurück. Entlassungen und 40-Stunden-Woche sind plötzlich greifbar nahe. Nun kommen die Spekulationen um Standortschließungen noch hinzu.<BR><BR>"GM steht unter enormem Druck", sagt der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen. Überkapazitäten bei gehobenen Mittelklassewagen seien das größte Problem. "Der Autobauer ist mit einem Werk zu viel in Europa unterwegs. Jetzt geht es nur noch darum, welches Werk dies ist", sagt der Auto-Professor. Die Produktion in Rüsselsheim ist zu 70 Prozent ausgelastet. Nach Berechnungen Dudenhöffers sind die Arbeitskosten 45 Prozent höher als in Schweden.<BR><BR>Und die Schweden wollen noch nachlegen: Sie planen, unter anderem mit längeren Arbeitszeiten und der Umstellung des Schichtsystems für den Standort zu werben. "Wir müssen jetzt sehr aufmerksam zuhören, was die GM-Konzernleitung an Wünschen vorbringt", sagte der sozialdemokratische Wirtschaftsminister Leif Pagrotsky.<BR><BR>Der Wettbewerb unter den Werken wird damit härter, die Arbeitnehmer sind empört. "Das ist der Versuch der Nötigung auf internationaler Ebene", hieß es im IG-Metall-Bezirk Frankfurt.<BR><BR>Die Standortdiskussion gibt dem Vorstand in den Verhandlungen über einen "Zukunftsvertrag" Rückenwind. Die Arbeitnehmer müssen sich bei den Gesprächen über weitere Einsparungen in Rüsselsheim wohl kompromissbereiter zeigen. Opel fordert unbezahlte Mehrarbeit, die 40-Stunden-Woche und das Einfrieren der Löhne bis 2009. Wegen der schwachen Nachfrage nach dem Kleinwagen Corsa kündigte Opel vor wenigen Tagen an, in seinem Werk Eisenach im Oktober elf Tage Produktionspause einzulegen.<BR><BR>Experten halten es aber für unwahrscheinlich, dass Rüsselsheim das Nachsehen haben wird. In das Opel-Werk wurden vor zwei Jahren 750 Millionen Euro investiert, es gilt als das modernste GM-Werk. Forster hat Rüsselsheim erst vor wenigen Monaten die weltweite Entwicklung für die Mittelklasse übertragen - eine Trennung von der Produktion ist kaum denkbar. Eine Schließung "wäre ein Dolchstoß in das Herz der Marke", sagt der Betriebsratsvorsitzende Klaus Franz. Eine Entscheidung für die Produktion der Nachfolger des Opel Vectra und des Saab 9-3 in Rüsselsheim würde dem schwach ausgelasteten Standort nach Einschätzung von Branchenkennern einen Schub bringen.<BR>

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