Duisenbergs Zögern treibt den Euro

- Frankfurt - Die Europäische Zentralbank (EZB) verharrt trotz der trüben Wirtschaftslage im Euroraum in Wartestellung. Die Notenbank hat die Leitzinsen in der Eurozone unverändert gelassen. Der Euro setzte daraufhin zu einem Höhenflug an. Obwohl der Irak-Krieg beendet sei, gebe es weiterhin Risiken für die konjunkturelle Erholung, betonte EZB-Präsident Wim Duisenberg. "Wir brauchen mehr Informationen, ob die jüngsten Entwicklungen andauern oder sich umkehren."

<P>Der wichtigste Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld bleibt bei 2,50 Prozent. Auch die englische Notenbank verzichtete auf eine Zinsänderung. Dabei hätten die europäischen Währungshüter nach Ansicht vieler Volkswirte genügend Freiraum für eine Lockerung der geldpolitischen Zügel. Die Inflation in Euroland sank im April nach vorläufigen Daten auf 2,1 Prozent. Deutliche Anzeichen für einen Wirtschaftsaufschwung bleiben bislang aus. Der Euro ist so stark wie seit vier Jahren nicht mehr.<BR><BR>Gerade darin sehen einige Ökonomen eine mögliche Bremse für die Konjunktur. Diese Sorge teilt der EZB-Chef nicht. "Das aktuelle Niveau entspricht historischen Durchschnittswerten", betonte er. An der Entwicklung gebe es nichts Übertriebenes. "Der Kurs ist mit der gleichen Schnelligkeit hoch gegangen wie er vor zwei Jahren runter gegangen ist." Der Eurokurs erreichte im Tagesverlauf den Wert von 1,1486 US-Dollar. Der Deutsche Aktienindex Dax tauchte dagegen noch tiefer ab. Der Chefvolkswirt der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer rechnet in den kommenden zwei Wochen mit einem Eurokurs von bis zu 1,1650. Der historische Höchststand liegt bei 1,1888 Dollar im Januar 1999.<BR><BR>Die EZB hält an ihrer Prognose fest, die von etwa einem Prozent Wachstum ausgeht. Allerdings werden im Moment routinemäßig neue Daten ausgewertet. Im Juni wollen die Währungshüter ihre aktuelle Konjunkturerwartung vorstellen.<BR><BR>Die Preisstabilität ist nach Meinung der Notenbank mittelfristig ungefährdet. Allerdings werde die Inflation erst Ende 2003 unter zwei Prozent fallen. Diesen Wert setzt die EZB mit stabilen Preisen gleich. Künftig wollen die Zentralbanker aber nicht mehr so streng umgehen. Der EZB-Rat orientiert sich nunmehr an einer Teuerungsrate von "nahe zwei Prozent".<BR></P>

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