Dunkle Wolken am Reisehimmel

- München - Unten in den Hallen der CBR drängen sich die Reiselustigen, während oben in der Konferenzräumen der Messe eine düstere Stimmung verbreitet wird: Die Zahl der Deutschen, die im kommenden Sommer verreisen wollen, ist so niedrig wie seit Jahren nicht mehr.

<P>Nur noch 41,8 Prozent der Bundesbürger planen nach der soeben abgeschlossenen Tourismus-Analyse 2004 einen Urlaub. 2001 waren es noch 49 Prozent. Das Urlaubsgeld wird knapp, 40 Prozent der Deutschen können sich keine Reise leisten.</P><P>"Die schönsten Wochen des Jahres werden zu den schönsten Tagen des Jahres", prophezeit Ulrich Reinhardt vom BAT Freizeit-Forschungsinstitut und Autor der Reiseanalyse. 1980 blieb man noch 18,2 Tage, heute im Durchschnitt gerade noch 13,4 Tage im Urlaub. Dafür muss es an den wenigen Tagen krachen, die Ansprüche wachsen, aber es darf nicht viel kosten. "Qualitätsreisen zu günstigen Preisen", das ist die Forderung an die Tourismuswirtschaft.</P><P>Wer sparen muss, der bleibt im eigenen Land (38 Prozent). Die beiden großen Gewinner des Jahres 2003 waren deshalb die Ostsee und Bayern. 8,8 Prozent statt 7,6 Prozent lenkten ihr Auto an diese Gestade. Bayern hat relativ gesehen hinzugewonnen: 7,9 Prozent statt 6,5 Prozent im Vorjahr zog es in den Freistaat. "Der Alpentourismus hat seine Krise überwunden", sagt Reinhardt und sieht Bayerns Zukunft als Ferienland gesichert. Dabei sind die Bayern selbst ihre besten Kunden: Sie machen zu 11,8 Prozent im eigenen Land (Durchschnitt 7,9 Prozent) Ferien, obwohl sie insgesamt weniger und kürzer reisen. Ihr bevorzugtes fremdes Urlaubsland bleibt Italien. 19,9 Prozent suchen bei einem Auslandsaufenthalt Pasta und Pizza.</P><P>Ein durchschnittlicher Urlaub hat 2003 pro Person 1030 Euro gekostet. Singles gaben 1015 Euro aus, kinderlose Paare konnten sich 1177 Euro pro Person leisten. Am großzügigsten waren die 50 bis 65-Jährigen mit 1204 Euro. Groß sind auch die Unterschiede im Budget bei Ostdeutschen (877 Euro) und Westdeutschen (1069 Euro). Und geradezu Welten liegen zwischen Deutschlandreisen (743 Euro), Europareisen (1116 Euro) und Überseetrips (1921 Euro).</P><P>Die Tourismusindustrie setzt für dieses Jahr auf das Prinzip Hoffnung und die so genannten Unentschlossenen. Ihre Zahl war mit 25 Prozent noch nie so hoch wie heute. Nur wenn es gelingt, sie durch ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis zu einer Buchung zu bewegen, kann es entgegen der düsteren Prognosen einen guten Reisesommer 2004 geben.</P>

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