Nach dreieinhalb Jahren

Durchbruch bei Karstadt-Tarifverhandlungen

Frankfurt/Essen - Bei den Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der Warenhauskette Karstadt ist nach dreieinhalb Jahren der Durchbruch geschafft. Davon profitieren nun auch die Beschäftigten.

Mitten im wichtigen Weihnachtsgeschäft ist für die Beschäftigten der Warenhauskette Karstadt nach schwierigen Tarifverhandlungen ein Durchbruch erzielt worden. Karstadt und die Gewerkschaft Verdi einigten sich am Freitag in Frankfurt am Main unter anderem auf eine langjährige Standort- und Beschäftigungssicherung, Modalitäten für die Zahlung von Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie Regelungen zu künftigen Entgeltsteigerungen.

Karstadt war in einer schweren Krise und hatte im Mai 2013 im Zuge dessen die Tarifbindung verlassen. Das Unternehmen ist aber seit einigen Monaten wieder auf Erholungskurs. Das Unternehmen selbst bezog sich in einer Mitteilung zu den Tarif-Eckpunkten auf den „Erfolg der intensiven Modernisierung der letzten zwei Geschäftsjahre“. Der endgültige Text des neuen Tarifvertrages solle in den nächsten Wochen ausformuliert werden, teilte Verdi mit.

Die Standort- und Beschäftigungsgarantie soll der Gewerkschaft zufolge für alle 78 Filialen und damit für mehr als 15 000 Beschäftigte gelten. Ziel der Vereinbarung sei die vollständige Rückkehr in die Tarifbindung spätestens im Jahr 2021, erklärte Karstadt.

„Wichtig ist, dass nun sowohl Klarheit für unsere Mitarbeiter über unseren Tarifweg besteht, als auch diese Vereinbarung auf tariflicher Ebene die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von Karstadt berücksichtigt“, teilte Karstadt-Arbeitsdirektor Miguel Müllenbach mit.

„Es ist gut, dass die Tarifbindung wieder hergestellt wird. Es ist wichtig, dass Karstadt jetzt aktiv die Zukunft des Warenhauses gestaltet“, sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Dafür brauche es die notwendigen Investitionen und ausreichend Personal. Verdi-Verhandlungsführer Bernhard Schiederig sprach von einem „großen Erfolg“ nach Jahren der Ungewissheit.

Karstadt war auch wegen der Pleite des Mutterkonzerns Arcandor 2010 in eine Krise gestürzt und schrieb rote Zahlen. Die Folgen waren Personalabbau und Filialschließungen. Im Jahre 2014 wurde die Warenhauskette vom österreichischen Unternehmen Signa übernommen. Im Zuge seiner Sanierung hatte Karstadt-Chef Fanderl das Unternehmen umgekrempelt. So wurde der Lagerbestand reduziert, die Margen wurden höher.

Bereits Ende Oktober hatte Karstadt mitgeteilt, angesichts einer positiven Geschäftsentwicklung den bundesweit rund 14 000 Mitarbeitern nun doch ein Weihnachtsgeld zu zahlen. Dies war im Sanierungsplan ursprünglich nicht vorgesehen. Das Ende September abgeschlossene Geschäftsjahr 2015/2016 sei ein „weiteres anspruchsvolles Jahr im Zeichen des Veränderungsprogramms“ gewesen, hieß es in einem Schreiben von Fanderl. Karstadt habe aber die Erträge weiter stabilisiert, die Kosten reduziert und so insgesamt eine gute Entwicklung hingelegt.

Auch andere Warenhausketten stehen unter Druck. Als Gründe gelten Billigketten und Textildiscounter, aber auch Shopping-Center und herstellereigene Läden sowie der zunehmende Online-Handel.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Brüssel prüft Monsanto-Übernahme durch Bayer genauer
Die EU-Kommission will die Risiken des Zusammenschlusses für den Wettbewerb in der Agrarchemie genauer unter die Lupe nehmen. Bayer reagiert darauf gelassen. Der Konzern …
Brüssel prüft Monsanto-Übernahme durch Bayer genauer
Rheintalbahn soll am 7. Oktober wieder freigegeben werden
Alles dauert viel länger als zunächst gedacht. Erst am 7. Oktober sollen wieder Züge auf der europäischen Hauptachse Rheintalbahn fahren. Bis dahin muss das Notkonzept …
Rheintalbahn soll am 7. Oktober wieder freigegeben werden
Merkel will Spiele-Entwickler mit mehr Geld fördern
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bei der Eröffnung der Computerspielemesse Gamescom der Branche eine stärkere staatliche Förderung in Aussicht gestellt.
Merkel will Spiele-Entwickler mit mehr Geld fördern
Bei mehr als 60 Euro Gebühren fürs Konto die Notbremse ziehen
Die Experten von Finanztest nahmen 231 Gehalts- und Girokonten von 104 Banken unter die Lupe. Einige Geldinstitute zocken bei den Gebühren so richtig ab. Dann ist die …
Bei mehr als 60 Euro Gebühren fürs Konto die Notbremse ziehen

Kommentare