Durchbruch bei Druck-Tarifen

- Wiesbaden - Der Tarifkonflikt in der Druckindustrie ist nach mehr als einem Jahr beendet und ein drohender Streik damit abgewendet. In einem Verhandlungsmarathon in Wiesbaden einigten sich der Bundesverband Druck und Medien (bvdm) und die Gewerkschaft ver.di am Donnerstagmorgen auf einen neuen Tarifvertrag für die rund 200 000 Beschäftigten der Branche. Er sieht unter anderem die Einführung von Arbeitszeitkonten und die Ausweitung der Samstagsarbeit vor. Die 35Stunden-Woche bleibt nach Angaben von ver.di erhalten.

<P>Dafür musste die Gewerkschaft Zugeständnisse beim Lohn machen: Von April 2005 bis März 2006 gibt es nur eine Einmalzahlung von 340 Euro, von April 2006 bis März 2007 eine prozentuale Erhöhung um 1,0 Prozent.<BR><BR>Die Druck-Arbeitgeber bedauerten, dass sie nicht alles erreicht haben, was sie sich zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der Branche vorgenommen hätten. Ursprünglich hatte der bvdm Öffnungsklauseln im Flächentarif verlangt, damit Betriebe die Arbeitszeit auch ohne Lohnausgleich auf bis zu 40 Wochenstunden oder Sonderzahlungen kürzen können. "Mit dem Tarifvertrag haben wir für unsere Betriebe wesentliche Erleichterungen erreicht", erklärte bvdmVerhandlungsführer Wolfgang Pütz. So könne die Produktion mit der künftig flexibler gestaltet werden. Außerdem seien Zuschläge und Freischichten reduziert worden.<BR><BR>"Bei den Arbeitszeitkonten sind wir an die Grenze dessen gegangen, was für uns machbar ist", sagte ver.di-Verhandlungsführer Frank Werneke. Dafür bleibe die 35-Stunden-Woche "ohne Wenn und Aber" erhalten. Auch der Flächentarif, in dem unter anderem Urlaubs- und Weihnachtsgeld geregelt sind, bleibe intakt. Für den Manteltarifvertrag wurde eine Laufzeit bis Ende 2009 vereinbart. Dem Verhandlungsergebnis musste am Donnerstag noch die Tarifkommission zustimmen. Werneke zeigte sich optimistisch, dass das Gremium dem Tarifergebnis zustimmt. Ursprünglich war ver.di mit der Forderung nach 3,7 Prozent mehr Geld in die Verhandlungen gegangen.<BR><BR>Über eine Reform des Manteltarifvertrages wurde schon seit Ende 2003 verhandelt. Im März waren Lohntarifverhandlungen dazugekommen. Die Friedenspflicht war am 1. Mai ausgelaufen. Seitdem war es wiederholt zu Warnstreiks gekommen, an denen sich nach Gewerkschaftsangaben mehr als 15 000 Beschäftigte aus rund 190 Betrieben beteiligten. Viele Zeitungen erschienen in den vergangenen Wochen nur noch in reduziertem Umfang. Ver.di hatte bei einem Scheitern der Verhandlungen mit einer Urabstimmung gedroht.<BR><BR>Die Gespräche in der 15. Runde, die am Dienstagvormittag begonnen hatten, standen am Mittwochabend knapp vor dem Scheitern. Im Arbeitgeberlager hatte sich die Lage so zugespitzt, dass einige Landesverbände kurz davor waren, dem bvdm das Mandat für Verhandlungen zu entziehen. Erst am frühen Morgen zeichneten sich Chancen für eine Einigung ab. Die Arbeitgeber hätten erst "im Morgengrauen" ein Lohnangebot unterbreitet, sagte Werneke.</P>

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