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Die Kfw-Bankengruppe steht unter dem Verdacht der Untreue.

Durchsuchung bei KfW - Untreue-Verdacht

Frankfurt am Main - Gut einen Monat nach der millionenschweren Überweisung der staatlichen KfW an die US-Pleitebank Lehman Brothers wird gegen KfW-Vorstände wegen des Verdachts der Untreue ermittelt.

Staatsanwaltschaft und Bundeskriminalamt (BKA) durchsuchten am Mittwoch die Geschäftsräume der KfW-Bankengruppe in Frankfurt. Unter den Beschuldigten sind nach Justizangaben KfW-Chef Ulrich Schröder sowie die bereits entlassenen Vorstände Detlef Leinberger und Peter Fleischer.

Die Ermittler suchen laut einer gemeinsamen Mitteilung Belege dafür, ob die Vorstände die Überweisung vom 15. September dieses Jahres nicht hätten verhindern müssen. Die KfW, die dem Bund (80 Prozent) und den Ländern (20 Prozent) gehört, hatte unmittelbar vor Bekanntgabe der Lehman-Insolvenz rund 320 Millionen Euro an die US-Bank überwiesen.

Möglicherweise hätten die KfW-Verantwortlichen ihre Vermögensbetreuungspflichten "in strafrechtlich relevanter Weise verletzt", indem sie "trotz Kenntnis der sich abzeichnenden Liquiditätsprobleme bei Lehman Brothers und vor dem Hintergrund der aufkommenden internationalen Bankenkrise, die Überweisung vom 15. September 2008 nicht verhindert haben", heißt es in der Erklärung der Ermittler.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach eigenen Angaben gegen fünf Vorstände und den früheren Abteilungsleiter des Risiko-Managements. Die Ermittlungen fußen auf mehr als einem Dutzend Strafanzeigen, die zunächst anhand von KfW-Revisionsberichten strafrechtlich überprüft worden seien, sagte Oberstaatsanwältin Doris Möller-Scheu. "Es gibt einen Anfangsverdacht der Untreue."

Nach der Panne hatte der von der Politik dominierte Verwaltungsrat der KfW die fristlose Kündigung der Vorstände Leinberger und Fleischer beschlossen. Der Bereichsleiter wurde zum 30. September in den Vorruhestand versetzt. Eine Sprecherin der Bank sagte am Mittwoch, das Institut unterstütze die Behörden in vollem Umfang und stelle den Ermittlern alle Daten zur Verfügung.

Die Privatwohnungen der Beschuldigten wurden laut Justiz nicht durchsucht. "Es geht nicht um den Verdacht der persönlichen Bereicherung, sondern um reine Geschäftsvorgänge", sagte Möller-Scheu zur Erklärung. Die KfW habe bislang gut kooperiert, so dass es sich bei den Durchsuchungen um eine Vorsichtsmaßnahme handele. Es seien zwei Staatsanwälte und eine kleine Zahl von BKA-Beamten vor Ort gewesen.

Die Förderbank KfW war über ihre Beteiligung an der Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB in Turbulenzen geraten. Der Bundesrechnungshof hatte der KfW für ihr Engagement bei der IKB Regelverstöße vorgeworfen, aber auch Mängel in den für die Förderbank zuständigen Finanz- und Wirtschaftsministerien kritisiert. Vorstandschefin Ingrid Matthäus-Maier kostete die Krise um das Milliardengrab IKB den Posten, ihr Nachfolger wurde Anfang September der Banker Ulrich Schröder.

Schröder hatte nach der Überweisungspanne Fehler seiner Bank eingeräumt. Die verantwortlichen Abteilungen hätten das Risiko einer Insolvenz bei Lehman falsch eingeschätzt und das Geschehen über das Wochenende aus den Augen gelassen. "Die Ausführung der Zahlung hätte am Wochenende oder am frühen Montag gestoppt werden müssen. Und da setzen zu Recht die Vorwürfe ein", sagte Schröder Mitte September.

dpa

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