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DVB-T2-HD: Was Sie jetzt wissen müssen

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Für Fernsehzuschauer ohne Satellitenschüssel oder Kabelanschluss wird es ernst: In einem Monat beginnt der Wechsel des Übertragungsstandards von DVB-T auf DVB-T2-HD. Die Umstellung ist mit Kosten verbunden – wer aber nicht handelt, dem droht ein schwarzer Bildschirm.

Für Fernsehzuschauer, die ihr Programm über das erdgebundene Antennenfernsehen DVB-T empfangen, wird die Zeit allmählich knapp: Ende März senden viele Antennenmasten nur noch das neue HD-Signal aus.

Wer ist von der Umstellung betroffen?

Bundesweit sind etwa vier Millionen Haushalte von der Umstellung betroffen. In Ballungszentrum ist die Zahl besonders hoch: „In München wird mehr als jeder zehnte Haushalt von der Umstellung betroffen sein“, sagt Veit Olischläger vom DVB-T2-HD-Projektbüro. Betroffen sind Haushalte, die das bisherige DVB-T-Signal per Haus-, Zimmer- oder Dachantenne empfangen. Die Sender sprechen in Abgrenzung zu Satelliten- und Kabelübertragung von der „terrestrischen“, also der erdgebundenen oder landgestützten Übertragung (Digital Video Broadcasting – Terrestrial).

Wann erfolgt die Umstellung?

Ab 29. März werden beginnend in den Ballungszentren die Sendesignale in einem regional gestaffelten Verfahren auf den neuen Standard umgestellt. Bislang wird das alte DVB-T-Signal in der Region von drei Sendeanlagen ausgestrahlt: Ein Sender befindet sich auf dem fast 300 Meter hohen Olympiaturm in München, eine zweite Antenne auf dem über 1800 Meter hohen Wendelstein, ein dritter Sendemast steht im Alpenvorland auf dem Hohen Peißenberg.

Die Umstellung erfolgt zeitversetzt: Auf dem Olympiaturm und dem Wendelstein wird die alte DVB-T-Übertragung nach Angaben des Projektbüros pünktlich zum Stichtag am 29. März eingestellt. „Wer nicht reagiert, muss am Stichtag mit einem schwarzen Bildschirm rechnen“, sagt Olischläger. Ist das Signal erst einmal abgeschaltet, helfe auch ein Senderdurchlauf nichts. Das heißt: Die alten Empfangsgeräte werden über Nacht nutzlos.

Das gilt aber nicht für alle Haushalte: Noch über ein Jahr Zeit haben Fernsehzuschauer rund um den Hohen Peißenberg. Hier erfolge die Umstellung erst im Herbst 2018 oder im Frühjahr 2019, sagt Oli-schläger. Bis dahin wird das alte Signal ausgestrahlt.

Lässt sich das neue Signal bereits empfangen?

Ja – zumindest eine begrenzte Anzahl von Programmen. Der Olympiaturm und der Sender Wendelstein strahlen das neue Signal bereits seit Mai 2016 aus. Wer das Signal empfangen möchte, hat zwei Möglichkeiten. Erstens: In vielen neuen Fernsehern ist die Empfangstechnik für das HD-Signal bereits eingebaut, für diese Haushalte hält sich der Aufwand in Grenzen. Wer einen Fernseher ohne entsprechende Empfangstechnik nutzt, muss die zweite Möglichkeit nutzen – und Geräte kaufen: Das ist zum einen ein Empfangsgerät (Receiver). Unterschiede gibt es in Qualität und Preis (siehe Kasten). Ob eine Außenantenne, eine Zimmerantenne oder gar eine Dach-antenne nötig ist, hängt meist von der Distanz zum Sender ab (siehe Grafik). Die Stiftung Warentest weist darauf hin: „Wer bereits DVB-T empfängt, wird seine bisherige Antenne in aller Regel auch für DVB-T2 HD weiternutzen können.“

Ändert sich auch das Fernsehprogramm?

Wer das Signal Olympiaturm oder Wendelstein empfängt, hat künftig die Wahl zwischen 40 Programmen. Zu den bisher mit alter Technik empfangbaren Kanälen kommen Programme der RTL-Gruppe hinzu. Aber: Der Sender Hohenpeißenberg wird auch nach der Umstellung 2018 oder 2019 nur das öffentlich-rechtliche Angebot ausstrahlen.

Das öffentlich-rechtliche Angebot wird weiterhin ohne Zusatzkosten gesendet, weil die Fernsehanstalten ihre Ausgaben aus dem Rundfunkbeitrag decken. Die Mehrzahl der privaten Programmanbieter hat sich entschieden, die Zusatzkosten über eine Jahresgebühr zu finanzieren.

Für Zuschauer, die private Fernsehsender über die neue Technik empfangen, gibt es daher eine wichtige Umstellung: Sie müssen entscheiden, ob sie nur das öffentlich-rechtliche Programm empfangen wollen oder zusätzlich auch private Sender wie RTL oder ProSieben verfolgen wollen – denn die kosten künftig extra.

Welche Zusatzkosten entstehen dadurch?

Wer die künftig kostenpflichtigen Privatsender weiterhin sehen will, muss zusätzlich zum Kauf eines DVB-T2-HD-tauglichen Geräts zunächst in ein Freischaltmodul investieren, das er in sein neues Empfangsgerät oder seinen Fernseher einsteckt. Nach einer dreimonatigen kostenlosen Probezeit werden jährlich 69 Euro fällig – nach Angaben der Stiftung Warentest ist das weniger, als ein Kabelanschluss kostet, aber werbefinanziertes Fernsehen wird plötzlich kostenpflichtig. Auf dem Markt gibt es alternativ Empfangsboxen mit integrierter Entschlüsselungsfunktion – diese sind aber etwas teurer als andere Modelle, die nur öffentlich-rechtliche Programme empfangen. Dieses Freischaltmodul kostet rund 80 Euro, darin enthalten ist allerdings auch ein Nutzungsgutschein für drei Monate ab Aktivierung. Erst danach wird bei dem zuständigen Dienstleister Freenet TV die Jahresgebühr von 69 Euro für den weiteren Empfang fällig – ebenso in den Empfangsboxen.

Warum erfolgt der Systemwechsel?

Beim Wechsel von DVB-T zu DVB-T2-HD handelt es sich um eine Veränderung der technischen Standards. Dies führt dazu, dass mehr Programme in besserer Qualität über ein begrenztes Frequenzspektrum übertragen werden können. Nach Branchenangaben ist die Umstellung zum einen eine Reaktion auf eine Frequenzreduzierung durch den Staat, zum anderen entspricht sie den Zuschauerwünschen nach Übertragungen in höherer Qualität – das Bild erscheint künftig im hochauflösenden HD-Format.

Was ändert sich für Zuschauer, die ihr Programm über Kabel, Satellit oder Internet empfangen?

Nichts. Diese Haushalte werden die Umstellung gar nicht mitbekommen.

mit afp

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