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Experten: Brennende E-Autos schwerer zu löschen - Parkgaragen besonders heikel

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Von: Patrick Freiwah

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Hersteller Rosenbauer präsentiert ein neues Löschsystem - speziell konzipiert für Elektroautos
Hersteller Rosenbauer präsentiert ein neues Löschsystem - speziell konzipiert für Elektroautos. © Rosenbauer International

Brennende E-Autos zu löschen, stellt die Feuerwehr vor besondere Herausforderungen. Vor allem in Parkgaragen ist die Lage bei brennenden Stromer schnell kritisch.

München - Um die Gefahr durch Elektroautos kursiert ein Irrtum: Dass sie häufiger in Brand geraten, als Modelle mit herkömmlichen Verbrennern. Feuerwehrverbände widersprechen dieser These, sind aus einem anderen Grund in Sorge und appellierten diesbezüglich auch an die Verantwortung der Autohersteller.

Beim Thema Feuer und Elektroautos gibt es demnach einen anderen Aspekt, den es zu bewältigen gilt: Batteriebetriebene Fahrzeuge sind im Falle eines Brandes schwerer zu löschen und stellen Rettungskräfte deswegen vor eine riesige Herausforderung*. Löschsystem-Spezialist Rosenbauer hat nun ein neues Verfahren vorgestellt, das speziell für den Einsatz bei brennenden Elektroautos entwickelt wurde.

Elektroautos gefährlich? Rosenbauer-Löschsystem verspricht mehr Sicherheit

Die neue Technik ermöglicht eine direkte Kühlung der Batteriezellen, schildert das Unternehmen aus Österreich. Tests seien an Elektroautos großer Hersteller durchgeführt worden, die Handhabung für die Feuerwehren beschreibt Spezialist Rosenbauer so: „Die Bediener halten sich für sehr kurze Zeit in der Nähe des brennenden Fahrzeuges auf und aktivieren das System aus sicherer Entfernung. Das innovative Löschsystem führt das Wasser direkt zur Kühlung der Zellen und Module in das Akkugehäuse.“ Das Prozedere ermögliche eine ressourcenschonende Löschung und minimiere die Ausbreitung der Rauchgase: zwei Punkte, die Erkenntnissen zufolge ein großes Problem bei der Brandbekämpfung bei E-Autos darstellen.

Denn für das Löschen eines Elektroautos sei wesentlich mehr Wasser nötig, als bei konventionellen Antrieben. Das Problem habe Rosenbauer gelöst: „Das Wasser füllt das Akkugehäuse vollständig und führt damit zu einer effizienten Kühlung“, lautet das Versprechen. Es würde lediglich die Wassermenge eines konventionellen Löschfahrzeuges benötigt.

Neues System zur Brandbekämpfung bei Elektroautos - Porsche mit an Bord

Das neue Löschsystem wurde mit unterschiedlichen Akkubauweisen und Fahrzeugplattformen getestet, von Werk-, Berufs- und freiwilligen Feuerwehren in Europa. „Wir haben uns sehr gefreut, mit Rosenbauer zusammen das Löschsystem mitzuentwickeln sowie an der Verbesserung und Weiterentwicklung mitwirken zu können. Es zählt zu einem der besten und innovativsten seiner Art, um die Ausbreitung eines Batteriebrandes einzudämmen“, erklärt Patrick Looß, Leiter der Werksfeuerwehr von Porsche* in Leipzig. Dem Vernehmen nach haben auch Volkswagen, BMW, Tesla, Volvo und Opel „Akkupakete der neuesten Generation“ sowie Fahrzeuge zur Verfügung gestellt, um Brand- und Feuertests durchführen zu lassen.

Brandgefahr bei E-Autos in Parkgaragen: „Deutlich erhöhtes Gefahrenpotenzial“

Eine Studie der TU Graz klärt derweil über die Auswirkungen von Elektroauto-Bränden in Straßentunneln sowie Park- und Tiefgaragen auf - und warnt vor einer erhöhten Gefahrenlage bei bestimmten Voraussetzungen. Zwar lautet auch hier die Schlussfolgerung, dass das Feuerpotenzial von E-Autos nicht größer sei als bei Pkw mit Benziner oder Diesel. „Unsere Ergebnisse deuten aber auf ein deutlich erhöhtes Gefahrenpotential von E-Fahrzeugbränden in Parkgaragen hin“, erklärte Peter Sturm von der Technischen Universität. 

Warum das so ist, darüber klärt die veröffentlichte Mitteilung auf: „Einen großen Anteil am vergleichsweise geringen Risiko in Straßentunnelanlagen haben die Belüftungssysteme. Die gibt es zum Beispiel in Parkgaragen nicht oder zumindest nicht im vergleichbaren Ausmaß.“ Ein weiterer Punkt könnte sein, dass größere Rettungsfahrzeuge der Feuerwehr in Parkgaragen nicht reinfahren können.

Demnach seien untersuchte Tunnelanlagen zwar „fit genug“ für die Herausforderung mit Akku-betriebenen Fahrzeugen. Für die Feuertests wurden drei elektrische und zwei dieselbetriebene Autos in einem neuen Forschungszentrum gezielt in Brand gesetzt. Die Modelle - von der Kompaktklasse bis zum Transporter seien teils Neuwagen gewesen, mit modernster Lithium-Ionen-Batterietechnologie. Bei brennenden Elektroautos* hätte die Feuerwehr erst nach zehn Minuten eingegriffen, was zu „wertvollen Daten“ über die Brandentwicklung geführt habe.

Brandschutz-Experten: Brauchen weitere Tests für mehr Sicherheit

Der schlimmste anzunehmende Fall, dass bei einer Spontanreaktion die Batterie in Vollbrand gerät, musste künstlich herbeigeführt werden. „Es wird beim Brand der E-Fahrzeuge zwar etwas wärmer, aber dadurch nicht grundlegend gefährlicher im Tunnel“, lautet die Feststellung. Aufgrund des niedrigen Projekt-Budgets (250.000 Euro) seien lediglich Tunnel-Brände simuliert worden, keine Fälle in Parkgaragen.

Hierfür fordern die Forscher mehr finanzielle Mittel für ihre staatlich geförderte Auswertung: Sturm mahnt an, dass es weitere Tests benötige - um „sicherheitsrelevante Hausaufgaben nicht zu vernachlässigen“. Umfassende Brandexperimente würden die Aussagegüte deutlich verbessern: „Auch bei Tunnelbränden mit elektrischen Nutzfahrzeugen, also mit E-Bussen und E-Lkws.“

Derweil hatte ein denkmalgeschütztes Haus in Augsburg etliche Katastrophen überstanden, sogar Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg. Bis ein E-Scooter hingestellt wurde. (PF) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA 

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