EADS bangt um Milliardenauftrag

München - Beim Milliardenauftrag für Tankflugzeuge der US-Luftwaffe werden die Karten neu gemischt. Der sich siegreich wähnende Flugzeugbauer Airbus muss nun fürchten, in den US-Wahlkampf gezogen zu werden.

Aller guten Dinge sind drei. Beim sowohl in seiner finanziellen wie strategischen Bedeutung gewaltigen Milliardenauftrag für 179 Tankflugzeuge der US-Luftwaffe wird die Uhr aller Voraussicht nach erneut zurückgedreht. Der vermeintliche Gewinner Airbus muss zittern. Die Zeichen stehen auf Neuausschreibung, schätzen Luftfahrtexperten, nachdem der US-Rechnungshof GAO das soeben überraschend angemahnt hatte. Bindend wäre dessen Votum zwar nicht. Wegen der aufgeheizten Stimmung in den USA sei aber ein dritter Anlauf wahrscheinlich.

Zum ersten Mal wurde der Megadeal 2003 entschieden - zu Gunsten des US-Konzerns Boeing. Dann wurde enthüllt, dass eine Pentagon-Bedienstete Angebotsdaten der EADS-Tochter Airbus illegal Boeing in die Hände gespielt hatte. Boeing-Topmanager mussten gehen. Der Auftrag wurde neu ausgeschrieben. Im zweiten Anlauf durfte dann diesen Februar überraschend Airbus jubeln. Die Europäer hatten sich mit dem US-Konzern Northrop Grumman verbündet und mit einem neuen Airbus-Werk in den USA sowie dem Aufbau tausender Stellen geworben. Der Zuschlag für Airbus war auch deshalb ein Meilenstein, weil er die Tür zum für Europäer bislang verschlossenen US-Rüstungsmarkt geöffnet hat, dem lukrativsten seiner Art weltweit. In den USA folgte dagegen ein öffentlicher Aufschei, der die Auftragsvergabe zum Verrat an der nationalen Sache hochstilisierte.

Die US-Luftwaffe hat nun 60 Tage Zeit, um auf die GAO-Vorwürfe zu reagieren. Demnach haben die Air Force-Generäle "signifikante" Fehler bei der Ausschreibung gemacht. "Die Luftwaffe wird die Empfehlung der GAO nicht ignorieren", sagt ein Branchenkenner. Der Disput werde unweigerlich auch beim US-Präsidentschaftswahlkampf eine Rolle spielen. Wer sich dabei falsch positioniert, riskiere seinen Einzug ins Weiße Haus. Das klingt für Airbus bedrohlich.

Bislang haben sich die beiden Kandidaten Barack Obama und John McCain zwar noch sehr allgemein und zurückhaltend zum Thema geäußert. In den USA sei der Tankerauftrag aber mittlerweile zum Aufhänger für die noch entscheidendere Frage geworden, inwiefern die USA im Zuge der Globalisierung auch bislang für die heimische Wirtschaft reservierte Märkte öffnen, sagt ein US- Kenner.

Airbus und Muttergesellschaft EADS wurden von der GAO-Entscheidung überrascht. Man wähnte sich als Sieger im Ziel. "Wir sind überzeugt, am Ende eines fairen und transparenten Verfahrens den Zuschlag erhalten zu haben", betont ein EADS-Sprecher. "Wenn es eine Neuausschreibung gibt, werden wir uns daran beteiligen", versichert EADS-Chef Louis Gallois. Darüber hinaus bleiben die Lippen verschlossen. Die Angelegenheit ist heikel.

Allein die 179 Tankflugzeuge haben einen Auftragswert von 26 Milliarden Euro. Rechnet man den Service über die gesamte Betriebsdauer dazu, werden 65 Milliarden Euro daraus. Ob am Ende rational entschieden wird - Airbus hat in vier von fünf Hauptkriterien der US-Luftwaffe die Nase vorn - oder aber politisch, ist auch eine Frage des europäischen Auftretens. Kommt es zur befürchteten Neuausschreibung, werde ein Votum wohl weitere ein bis zwei Jahre auf sich warten lassen, schätzt ein Experte. Das könne eigentlich auch der US-Luftwaffe nicht recht sein, die nun schon fünf Jahre auf die neuen Flugzeuge wartet.

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