EADS bleibt beim Duo: Daimler bremst französische Wünsche aus

- München - "Nächste Frage." Rainer Hertrich reagiert neuerdings zugeknöpft, wenn es um die künftige Führung der EADS geht. Nach der Ankündigung, sich aus der Spitze des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns zurückzuziehen, bemühte sich der Deutsche im EADS-Führungsduo nun darum, die Wogen zu glätten.

Ende November klang das weniger zurückhaltend: "Hier will einer ins Cockpit - aus rein persönlicher Ambition", hatte Hertrich in der "Wirtschaftswoche" den Wunsch von Airbus-Chef Noël Forgeard kritisiert, allein die Führung zu übernehmen, die Hertrich sich bislang mit dem Franzosen Philippe Camus teilt.<BR><BR>Der viel beachtete Ausbruch war wohl mit der Daimler-Chrysler-Spitze um Jürgen Schrempp abgestimmt, die flugs ihren Mann Thomas "Tom" Enders als künftigen deutschen Teil des EADS-Führungsduos nominierte. Die französische Seite habe "verstanden", sagt Hertrich nun. "Nur als europäisches Unternehmen sind wir in der Lage, neue Märkte zu erschließen." Gemeint ist Amerika. Erstmals hat die EADS mit einem Tankflugzeug-Angebot die Chance, am bislang abgeschotteten US-Verteidigungsmarkt zum Zug zu kommen. Auch bei mehreren Hubschrauberaufträgen machen sich die Europäer Hoffnungen. Von einem Lakmustest, spricht Hertrich. Denn ganz will man in Europa der ungewohnten Offenheit des Pentagon nicht trauen.<BR><BR>Mit Noël Forgeard allein an der Spitze als französisch-dominiertes Unternehmen hätte die EADS in den USA kaum Chancen, so die Einschätzung der Deutschen. Forgeard als französischen Teil einer Doppelspitze neben dem deutschen Enders, dem gute Kontakte in die USA nachgesagt werden, kann sich Hertrich nun aber doch vorstellen.<BR>So lobt er den ehrgeizigen Franzosen sogar: "Dass Noël bei Airbus einen hervorragenden Job gemacht hat, ist unbestritten." Dem Airbus-Chef sieht Hertrich sogar die "heftigen" Kostensteigerungen beim Projekt A380 nach (siehe Kasten). Die Frage nach personellen Konsequenzen stellt sich für ihn jedenfalls nicht. "Natürlich habe ich mich mit Philippe Camus besser verstanden", sagt er aber auch. Doch mit einem deutsch-französischen Klimawandel habe sein Rückzug nichts zu tun. Hertrich betont, soweit er noch darüber spricht, dass es sich um einen innerfranzösischen Konflikt handle, der möglichst schnell gelöst werden solle. Camus, Forgeard oder ein möglicher Dritter - dazu sagt Hertrich nichts mehr. Nur dass offene Führungsfragen auch dem Aktienkurs schaden.<BR><BR>Die deutsche Seite bestimmt über die eine Hälfte der Führung, die französische über die andere. Sorgfältig wird seit Gründung der EADS auf ein deutsch-französisches Gleichgewicht geachtet: Die Konzernsprache Englisch gehört ebenso zu dieser Balance wie die Konzernzentrale Amsterdam, die Doppelspitze und die Aktionärsstruktur: Daimler-Chrysler hält 30,28 Prozent, ebenso viel teilen sich der französische Staat und der Mischkonzern Lagardère.<BR><BR>Trotz dieser Ausgewogenheit sei die europäische Intergration innerhalb der EADS der Politik weit voraus. "Wir müssen möglicherweise sogar den einen oder anderen Schritt zurück tun", sagt Hertrich. Vor allem dann, wenn politische Empfindlichkeiten bedient werden müssen. So würden zu Verhandlungen mit französischen Auftraggebern Franzosen geschickt. In Berlin vertreten deutsche Mitarbeiter die EADS. Proporz und selbst die Doppelspitze hält Hertrich erst längerfristig für verzichtbar. "Die Notwendigkeit wird irgendwann nicht mehr da sein." 

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Opel: Staatssekretär will Klarheit für Beschäftigte
Berlin (dpa) - Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig hat nach Gesprächen mit dem französischen Autobauer PSA Peugeot-Citroën, dem Opel-Mutterkonzern General Motors …
Opel: Staatssekretär will Klarheit für Beschäftigte
Amazon kündigt über 2000 neue Jobs in Deutschland an
Seattle (dpa) - Der weltgrößte Online-Händler Amazon will in diesem Jahr über 15 000 neue Arbeitsplätze in Europa schaffen und davon sollen mehr als 2000 auf Deutschland …
Amazon kündigt über 2000 neue Jobs in Deutschland an
Uber-Chef verspricht Aufklärung nach Sexismus-Vorwürfen
San Francisco - Uber kommt aus der Diskussion um politische und gesellschaftliche Themen nicht heraus. Zuletzt sorgte der Posten des Uber-Chefs im Wirtschaftsrat von …
Uber-Chef verspricht Aufklärung nach Sexismus-Vorwürfen
Immobilienmarkt brummt: Mehrfamilienhäuser zunehmend begehrt
Nicht nur in den gefragten Metropolen, sogar auf dem Land zieht der Immobilienmarkt an. Die niedrigen Zinsen sorgen weiter für eine rasante Nachfrage. Doch was passiert, …
Immobilienmarkt brummt: Mehrfamilienhäuser zunehmend begehrt

Kommentare