EADS: Durch Airbus rote Zahlen?

- München/Paris -­ Der krisengeschüttelte Rüstungs- und Flugzeugbaukonzern EADS stellt sich für das Jahr 2006 auf hohe Verluste bei seiner Tochter Airbus ein und schließt offenbar auch rote Zahlen im Gesamtkonzern nicht aus. Das Management erwarte, dass Airbus negativ zum operativen Konzernergebnis (Ebit) beitragen werde, teilte die EADS mit. Die anderen Geschäftsbereiche könnten das Minus des Flugzeugbauers mit ihren Gewinnen voraussichtlich "in etwa ausgleichen".

Das heißt: Der Konzern strebt eine schwarze Null an, die nur dadurch erreichbar ist, dass Eurocopter, die Verteidigungssparte und die einst als größtes Sorgenkind geltende Raumfahrtsparte Gewinne einfahren. Der Bereich Airbus, der früher mit seinen gigantischen Gewinnen die Defizite der anderen finanziert hat, wird deren Gewinne nun weitgehend aufzehren.

Der EADS-Konzern war wegen der Lieferverzögerungen beim neuen Riesenflugzeug Airbus A380 und wegen drastisch gestiegener Entwicklungskosten beim A350 ins Trudeln geraten. Im dritten Quartal schrieb der Gesamtkonzern bereits Verluste, in den ersten neun Monaten verbuchte die EADS vor Zinsen, Steuern, Wertminderungen, Abschreibungen und außerordentlichen Posten noch einen Gewinn von 1,4 Milliarden Euro. Das bedeutet umgekehrt, die Gewinne, die anfang des Jahres 2006 noch eingefahren werden konnten, wurden im zweiten Halbjahr aufgezehrt. Dabei ist es wahrscheinlich, dass der Konzern von den bereits bekannten Belastungen so viel wie möglich bereits in die Bilanz des ohnehin verkorksten Jahres 2006 packt, um für die Zukunft besser dazustehen.

So hieß es, bestimmte Einmalaufwendungen für die Lieferverzögerungen und das Sparprogramm Power 8 würden früher als geplant voraussichtlich bereits im Geschäftsjahr 2006 verbucht. "Zudem könnten weitere, bislang nicht erwartete A380-Kosten anfallen." Zu Zahlen wollte sich der Konzern nicht äußern. "Die Arbeiten am Konzernabschluss laufen", sagte ein Sprecher. Allerdings gehen Analysten davon aus, dass die übrigen Geschäftsbereiche wie die Rüstungs- und die Raumfahrtsparte 2006 auf ein Ebit von schätzungsweise einer Milliarde Euro kommen könnten. Nach Einschätzung in Branchenkreisen könnte der Ebit-Verlust bei Airbus leicht niedriger ausfallen, sodass der Gesamtkonzern noch auf eine schwarze Null kommen könnte. Die EADS wird ihre Zahlen voraussichtlich am 9. März vorlegen.

Dabei kann Airbus fürs abgelaufene Jahr noch einmal einen Rekord verbuchen: Noch nie wurden mehr Flugzeuge montiert als 2006: 434. Im Vorjahr waren es 378. Damit lag Airbus noch vor Boeing. Dort steigerte man die Fertigung von 290 auf 398 Flugzeuge. Auch im laufenden Jahr soll die Produktion noch einmal steigen: Auf 440 bis 450 Maschinen, sagte Airbus-Chef Louis Gallois.

Bei den Aufträgen ist das Verhältnis erstmals seit 2000 umgekehrt. Boeing bekam 1050 Bestellungen in die Bücher, Airbus 824. Dennoch hat Airbus insgesamt Aufträge für 2533 Flugzeuge, das sind 17 Prozent mehr als vor Jahresfrist. "Der Auftragsbestand entspricht fünf Jahren Produktion und ist der höchste in der Luftfahrtgeschichte", sagte Gallois.

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