EADS hat eine Sorge weniger

Einstieg von Bundesländern und Banken: - München/Stuttgart - Vor den Wochen der Wahrheit hat der angeschlagene Rüstungs- und Flugzeugbaukonzern EADS zumindest ein großes Thema erst einmal vom Tisch. Durch den Einstieg von Bundesländern sowie öffentlichen und privaten Banken bei der EADS kann der Daimler-Chrysler-Konzern seinen Anteil reduzieren, ohne das fragile deutsch-französische Gleichgewicht ins Wanken zu bringen.

Die Umsetzung des Sparprogramms "Power8", dessen Details in den nächsten Wochen verkündet werden sollen, dürfte nach dem Einstieg der öffentlichen Hand aber nicht einfacher werden.

Die EADS steckt derzeit in der schwersten Krise seit ihrer Gründung. Die Flugzeugbau-Tochter Airbus, die jahrelang im Alleingang für den Großteil der Gewinne sorgte, ist wegen Verzögerungen beim neuen Riesen-Flieger A380 und beim neuen A350 in schwere Turbulenzen geraten. Nach hohen Airbus-Verlusten im vergangenen Jahr sollen nun mit Hilfe von "Power8" Milliarden eingespart werden. Betriebsräte sehen bis zu 8000 Arbeitsplätze bei Airbus in Gefahr, Zulieferwerke stehen zur Disposition.

Um zu verhindern, dass die Einschnitte vor allem die deutschen Werke treffen, schaltete sich vielerorts die Politik ein. "Schon in der Vergangenheit ist eine Schieflage entstanden. Die Bundesregierung muss darauf achten, dass das Gleichgewicht gewahrt wird", klagte zum Beispiel Bremens Regierungschef Jens Böhrnsen (SPD).

Die Machtverteilung zwischen Deutschen und Franzosen war von Anbeginn an ein zentrales Thema nach der Gründung der EADS. Das Unternehmen wird von einer Doppelspitze geführt ­ einen Co-Chef stellen die Franzosen, den anderen die Deutschen. In einem EADS-Aktionärspakt sind die Anteile der Konzerngründer Daimler-Chrysler, Lagardère und des französischen Staates gebündelt. Der Aktionärspakt gibt den Gründern eine stabile Mehrheit an der EADS. Nach der Reduzierung der Daimler-Chrysler-Anteile betonte die EADS denn auch als erstes, an diesen Regelungen ändere sich nichts.

Anteilsveränderungen sind bei dem Konzern, der im hochpolitischen Rüstungsgeschäft aktiv ist, ein heikles Thema. In Frankreich drängen vor allem die Gewerkschaften auf ein stärkeres Engagement des Staates. Daimler-Chrysler wollte ­ wie auch Lagardère ­ schon seit längerem weiter reduzieren. Der Stuttgarter Konzern-Chef Dieter Zetsche kündigte die volle Konzentration auf das automobile Kerngeschäft an.

In einer konzertierten Aktion übernehmen nun die großen Privatbanken, öffentliche Kreditinstitute und die betroffenen Bundesländer ­ darunter Bayern ­ ein Drittel der Daimler-Chrysler-Anteile. Für das operative Geschäft habe das keine Konsequenzen, wird in Branchenkreisen betont. Die wesentlichen Entscheidungen bei der EADS\x0ftreffe das Board of Directors, an dessen Zusammensetzung sich nichts ändere. Zudem behalte Daimler die vollen Stimmrechte.

Dennoch dürften die Bundesländer versuchen, bei der EADS ihren Einfluss geltend zu machen. Im Umfeld der EADS wird dies aber gelassen gesehen. "Jeder Ministerpräsident achtet immer auf regionale Interessen, unabhängig davon, ob er am Unternehmen beteiligt ist oder nicht."

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