EADS-Einstieg Bayerns: Kaum Hoffnung für Standort Ottobrunn

- München -­ Bayern steigt offenbar erneut in die Luft- und Raumfahrt-Industrie ein. Zu entsprechenden Berichten wird zwar im Münchner Finanzministerium eisern geschwiegen, doch rechnerisch geht die Sache anders nicht auf: Der Freistaat investiert rund 7,5 Millionen Euro und bekommt indirekt fünf Prozent von dem 7,5-Prozent-Aktienpaket an EADS, das Daimler-Chrysler versilbern möchte.

Das sind unter dem Strich 0,375 Prozent an EADS -­ ein schwacher Abglanz der einstigen Rolle Bayerns.

Damals, in den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunders, hieß der bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß und dieser hielt schützend seine Hand über die Beteiligungen des Freistaats. Dazu gehörte knapp ein Viertel der damaligen Messerschmitt-Bölkow-Blohm AG (MBB), dem führenden deutschen Luft- und Raumfahrtkonzern. Die Firmenjets in Neubiberg waren auch so etwas wie die inoffizielle Regierungsflotte des Freistaats.

Im Zug diverser Fusionen und Kapitalmaßnahmen schrumpfte die Bedeutung des Freistaats. Doch hielt er 1993 noch 8,58 Prozent an der damaligen Deutschen Aerospace AG (Dasa). Daraus wären bis heute immerhin gut 2,5 Prozent an der EADS geworden und 8,58 Prozent am Turbinenhersteller MTU, der vor der letzten Fusion aus der Dasa ausgegliedert wurde. Immerhin wäre das insgesamt ein Aktienpaket im Wert von rund 700 Millionen Euro.

Hamburg behielt das Engagement bei, vor allem um beim dortigen Airbus-Werk industriepolitisch ein Eisen der Hansestadt im Feuer zu halten: Diese taucht zwar nicht auf der Liste der EADS-Anteilseigner auf, doch ihr gehören knapp sechs Prozent der Daimler-Chrysler Luft- und Raumfahrt-Holding, die über die nach wie vor existierende Dasa die EADS-Aktien des Autokonzerns hält.

Auch die Bayerische Beteiligungsgesellschaft für Luft- und Raumfahrtwerte mbH gibt es - nach wie vor als Miteigentümer der Daimler-Holding. Doch sie befindet sich mittlerweile vollständig im Eigentum des Konzerns.

Immerhin 400 Millionen Mark bekam der Freistaat für seine alten MBB/Dasa-Anteile. Das galt damals als nicht schlecht. Außerdem ging es, nachdem Ministerpräsident Max Streibl über seine nicht immer durchsichtigen Beziehungen zur Privatwirtschaft gestolpert war, darum, klare Trennstriche zu ziehen.

Mit dem Verkauf der Dasa-Beteiligung Ende 1993 konnte sich Nachfolger Edmund Stoiber auch aus dem Schatten des CSU-Übervaters Strauß befreien. Allerdings zählt die weitere Entwicklung zu den düsteren Kapiteln bayerischer Wirtschaftspolitik. Die Dasa-Anteile wurden aus steuerlichen Gründen aus der staatlichen Förderbank LfA gelöst und verkauft. Die widerstrebende Staatsbank bekam dafür Anteile des Freistaats an der Landes-Wohnungs- und Städtebaugesellschaft Bayern (LWS). Das Ergebnis war bereits Gegenstand eines Untersuchungsausschusses: Die LWS hatte sich lange vor diesem Tausch auf Drängen der Staatsregierung bereits im riskanten Bauträgergeschäft verzettelt und rutschte dadurch später in die Pleite.

Die Dasa-Anteile konnten ihren Wert mehr als verdreifachen. Doch mit den Anteilen ist das einstige Gewicht Bayerns dahin. Jobs wanderten ab. Zwar landeten einige Aktivitäten, die aus der ehemaligen MBB-Zentrale in Ottobrunn verlagert wurden in Donauwörth oder Manching. Andere, wie der in Deutschland einmalige High-Tech-Antennenmessplatz, verschwanden zugunsten französischer Paralleleinrichtungen. Ob 0,375 Prozent das industriepolitische Blatt zu Gunsten Bayerns wenden können, ist höchst fraglich.

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