EADS hält trotz Luftfahrtkrise an Gewinnziel fest

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Amsterdam/München (dpa) - Der Airbus-Mutterkonzern EADS kämpft weiterhin mit dem schwachen US-Dollar und Anlaufkosten beim Großraumflieger A380. Weitere Einsparungen seien daher unvermeidlich, kündigte Vorstandschef Louis Gallois am Mittwoch an.

Das laufende Sparprogramm Power8 zeige zwar Wirkung, es werde aber wie angekündigt verlängert. "Ziel sind zusätzliche Einsparungen und Effizienzsteigerungen in Höhe von einer Milliarde Euro in den Jahren nach 2010." Das erste Halbjahr fiel deutlich besser aus als 2007. Außerdem bestätigte Gallois den Ausblick aufs Gesamtjahr. An der Börse fiel die Reaktion auf die Zahlen enttäuscht aus, da sich einige Marktteilnehmer größere Fortschritte erhofft hatten. Die EADS-Aktie verlor fast fünf Prozent auf 12,04 Euro.

Allein im ersten Halbjahr fielen laut einer Mitteilung von EADS in Amsterdam Währungsbelastungen in Höhe von rund 700 Millionen Euro an. Hinzu kamen Einmalaufwendungen von nochmals 715 Millionen Euro für das A380-Programm. Der Großraumflieger hatte den europäischen Konzern und seine Mutter EADS in eine Krise gestürzt. Hier sorgten unter anderem Probleme bei der Verkabelung und bei der Kabinenelektronik für eine Verzögerung von fast zwei Jahren. Die Folge waren massive Verluste, auf die EADS vor einem Jahr mit dem Sanierungsprogramm "Power8" reagierte. Zuletzt gab es Probleme beim Start der Serienproduktion.

Das Unternehmen kündigte angesichts der Belastungen an, seine Geschäfte zur Absicherung gegen den schwachen Dollar ausbauen zu wollen. Außerdem wird das laufende Sparprogramm Power8 über das Jahr 2010 hinaus fortgesetzt. "Power8 plus" soll konzernweit von 2011 bis 2012 Einsparungen von einer Milliarde Euro bringen. Dank des aktuellen Programms hatten die Kosten im ersten Halbjahr bereits um rund 400 Millionen Euro niedriger gelegen.

In den ersten sechs Monaten kletterte das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Firmenwertabschreibungen und außerordentlichen Posten, das EADS als EBIT bezeichnet, im Jahresvergleich von 358 Millionen auf 1,16 Milliarden Euro. Am Markt waren indes 1,36 Milliarden Euro erwartet worden. Der Umsatz stieg um acht Prozent auf 19,7 Milliarden Euro. Zum Umsatzplus trugen unter anderem die Auslieferungen bei der Tochter Airbus bei. Nach 231 Flugzeugen im Vorjahreszeitraum verließen im ersten Halbjahr nun 245 Maschinen die Werkshallen. Auch in anderen Sparten wie dem Hubschrauber-, Satelliten- und Rüstungsgeschäft zogen Umsatz und operatives Ergebnis an.

Der Auftragseingang ging unterdessen von 70,1 auf 51,2 Milliarden Euro zurück. Im Vorjahr hatte das Unternehmen von der Vielzahl der Bestellungen auf der Luftfahrtmesse in Paris profitiert, die nur alle zwei Jahre stattfindet. Der Auftragsbestand wuchs zwischen Ende 2007 und Mitte 2008 von 339,5 Milliarden auf 354,2 Milliarden Euro und erreichte einen neuen Rekordwert. In diesem Jahr hatte Airbus zuletzt auf der Luftfahrtmesse im britischen Farnborough Milliardengeschäfte gemacht. Insgesamt waren 247 Verträge über Flugzeuglieferungen sowie neun Kaufabsichtserklärungen im Umfang von 40,5 Milliarden Dollar (25,5 Milliarden Euro) unterzeichnet worden. Diese Aufträge sind im Auftragsbestand noch nicht enthalten.

Für das Gesamtjahr erwartet EADS weiterhin einen Umsatz von mehr als 40 Milliarden Euro und ein EBIT von 1,8 Milliarden Euro. Grundsätzlich sei auch ein besseres Abschneiden möglich. Ein Unsicherheitsfaktor bleibt allerdings der Bau des Militärtransporters A400M, der zuletzt auch mit Verspätungen zu kämpfen hatte. Die Auslieferungen bei Airbus sollen sich auf rund 470 Flugzeuge belaufen. Optimistischer ist das Unternehmen bei den Neubestellungen. Statt mit Orders für "mehr als 700" Flieger rechnet das Unternehmen nun mit 850 Bestellungen.

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