EADS: Mehr Staat, mehr Streubesitz

- München - Dass der neue Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche durch und durch ein Auto-Mann ist, war bekannt. Ein Rückzug aus dem Luftfahrt-Engagement war mit dem Führungswechsel von Jürgen Schrempp zu Zetsche wahrscheinlicher geworden. Ein Teilausstieg aus dem europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS liegt nun offiziell auf dem Tisch.

Immerhin wurde formal das deutsch-französische Gleichgewicht gewahrt. Daimler-Chrysler, bisher mit 30 Prozent größter Anteilseigner, trennt sich von einem Viertel seiner EADS-Aktien. Die französische Lagardère-Gruppe mit bisher 15 Prozent gibt die Hälfte ab und hält gemeinsam mit dem französischen Staat 22,5 Prozent - genauso viel, wie auch Daimler-Chrysler behält.

Trotz der so erhaltenen nationalen Parität nimmt das Gewicht des Staatsanteils (von 15 Prozent) im Verhältnis der Großaktionäre zu. Aktionärsschützer und Analysten sehen den Rückzug der beiden privaten Großaktionäre dennoch positiv, weil durch eine breite Platzierung der abgegebenen EADS-Aktien der Streubesitz zunimmt. Er beträgt künftig rund 50 Prozent. "Am liebsten ist mir bei jedem Unternehmen ein Streubesitz von 100 Prozent", sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Die deutsch-französische Führungsspitze hofft ebenfalls darauf, dass ein größerer Streubesitz "die EADS-Aktie attraktiver macht", wie es Tom Enders und Noël Forgeard formulieren. Enders aber hatte in der Vergangenheit auch dafür geworben, die Staatsbeteiligung an dem Konzern zurückzufahren.

Vorerst vom Tisch ist derzeit ein Zusammenschluss von EADS mit dem französischen Rüstungselektronik-Konzern Thales. Denn Thales und Alcatel haben ihr Satellitengeschäft zusammengelegt, ohne - wie bisher beabsichtigt - EADS miteinzubeziehen. Ein - immer noch möglicher - Einstieg von EADS wurde bei der Vereinbarung zwischen Thales und Alcatel nicht erwähnt. Am Aktienmarkt wurde die Nachricht durch erhebliche Kursverluste bestraft: Die unter anderem im deutschen M-Dax gelistete EADS-Aktie gab um 4,6 Prozent auf 32,8 Euro nach.

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