EADS in den roten Zahlen

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München/Paris (dpa) - Milliardenteure Verzögerungen beim Militärtransporter Airbus A400M haben den europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS tief in die roten Zahlen gedrückt. Belastend wirkten auch Aufwendungen für den neuen Langstreckenflieger A350XWB und das Sanierungsprogramm "Power8", wie das Unternehmen mitteilte.

Konzernchef Louis Gallois kündigte an, das Sparprogramm "Power8" vor allem wegen der Dollar-Schwäche zu verschärfen. EADS korrigierte die Gewinnerwartungen für das laufende Jahr wie erwartet nach unten. Das Geschäft bei EADS-Tochter Airbus lief aber gut, weshalb die Aktie Kursgewinne verbuchte.

In den ersten neun Monaten 2007 verbuchte EADS einen Verlust vor Zinsen, Steuern, Firmenwertabschreibungen und Sonderposten, den das Unternehmen als EBIT ausweist, von 343 Millionen Euro, wie EADS am Donnerstag in München und Paris mitteilte. Im Vorjahreszeitraum hatte der Konzern noch einen operativen Gewinn von knapp 1,43 Milliarden Euro verzeichnet. Insbesondere die Zusatzaufwendungen für den A400M von 1,37 Milliarden Euro schlugen zu Buche.

Die im MDAX notierte EADS-Aktie verbuchte nach der Vorlage der Geschäftszahlen in einem allgemein schwachen Marktumfeld ein Plus von gut 6 Prozent auf am Nachmittag zeitweise 22,76 Euro. Insgesamt seien Prognose und Geschäftsentwicklung besser als erwartet, sagten Analysten.

Unter dem Strich verzeichnete EADS bis zum September einen Fehlbetrag von 705 Millionen Euro gegenüber einem Nettogewinn von 867 Millionen Euro in den ersten neun Monaten 2006. Der Umsatz belief sich auf 27,8 (Vorjahr: 27,5) Milliarden Euro. Belastet wurden die Zahlen auch von den Sonderaufwendungen für den A350XWB und den weltgrößten Passagierjet A380, der vor zwei Wochen den Liniendienst aufgenommen hat. Die bisher für Ende 2009 geplante Erstauslieferung des Militärtransporters erfolgt frühestens April 2010. Eine weitere Verspätung um ein halbes Jahr sei möglich, hieß es.

Schon zuvor hatten monatelange Lieferverzögerungen beim A380 Airbus und die Muttergesellschaft EADS in eine tiefe Krise gestürzt. 2006 war das EBIT der EADS von 2,8 Milliarden im Vorjahr auf nur noch 399 Millionen Euro eingebrochen. Wegen der Probleme beim A400M senkte der Konzern auch für dieses Jahr die Prognose. Erwartet werde jetzt ein EBIT "an der Gewinnschwelle", hieß es. Grundlage ist die Auslieferung von 440 bis 450 Flugzeugen. Zuvor war der Vorstand noch von einem operativen Gewinn von gut 400 Millionen Euro ausgegangen.

Bis September hat Airbus 330 Flugzeuge (Vorjahr: 320) ausgeliefert und Brutto-Bestellungen über 854 Flugzeuge erhalten. Für den A380 lagen zu diesem Zeitpunkt 173 Festbestellungen und Kaufzusagen vor. Zum 30. September belief sich der Auftragsbestand von Airbus auf 248,5 (Jahresende 2006: 210,1) Milliarden Euro basierend auf Listenpreisen. Das entspreche 2 994 Flugzeugen (Jahresende 2006: 2533), hieß es weiter.

Gallois sagte, es sei vor allem wegen der Dollar-Schwäche notwendig, "weiterzukämpfen" und das Sparprogramm "Power8" "um zusätzliche Maßnahmen zu erweitern". Airbus-Chef Tom Enders und sein Team arbeiteten derzeit daran. Die Wechselkursentwicklung ist vor allem für Airbus problematisch, weil die wichtigste Sparte des EADS- Konzerns vorwiegend im Euro-Raum produziert. Flugzeuge werden aber international in Dollar abgerechnet. Das vor gut einem Jahr verkündete Sanierungsprogramm sieht den Abbau von gut 10 000 Stellen und den teilweisen oder vollständigen Verkauf von mehreren Standorten vor.

Mit Blick auf die Probleme beim A400M machte Gallois seine Erwartung deutlich, dass es auch von Seiten der involvierten Regierungen einen Beitrag zur Lösung geben müsse. "Die Regierungen können nicht abseits stehen." Die ersten Maschinen des A400M sollten Ende 2009 an die französische Luftwaffe gehen. Die Bundeswehr ist mit 60 Maschinen der größte Abnehmer. Insgesamt lagen bis Ende Juni 192 Bestellungen für den Militärtransporter aus neun Nationen vor.

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