EADS sagt Boeing den Kampf an: "In zehn Jahren Nummer eins"

- Rostock - Der Luftfahrtkonzern EADS hat seinen Wachstumskurs bekräftigt. Vor allem in Asien will die europäische Gruppe ihren Marktanteil von rund 10 auf 30 Prozent steigern. Im Zweikampf mit dem US-Rüstungsgiganten Boeing hat der Konzern mit Sitz in München und Paris einen weiteren Etappensieg errungen: Er liegt nun bei den Rüstungsaufträgen vorn.

<P>Allerdings bleibt die Spitzenstellung in dieser Disziplin in den USA. Sie wird nun von Lockheed-Martin eingenommen. In zehn Jahren will Airbus sowohl in der Luftfahrt als auch in der Rüstung weltweit die Nummer 1 sein. Ein ehrgeiziges Ziel, wenn man den Gesamtumsatz betrachtet. Hier hat Boeing (noch) einen Vorsprung von 15 Milliarden Euro.<BR><BR>Anders als bei den Zivilflugzeugen hat sich das Auftragsbuch noch nicht in der Produktion niedergeschlagen. Doch auch in diesem Sektor setzte die EADS in mehrere Schritten zum Überholen an - und liegt nun unangefochten vorn. Während EADS-Chef Rainer Hertrich noch Ende 2003 davor gewarnt hat, Boeing zu unterschätzen, trat er nun, vier Monate später, in Schloss Schorssow bei Rostock deutlich selbstbewusster auf. Boeing habe dem Airbus 380 im Bereich der großen Flugzeuge nichts entgegenzusetzen. Dabei geht Hertrich davon aus, dass die Überlastung der Flughäfen vor allem in Ostasien zu einer verstärkten Nachfrage führen wird. <BR><BR>Vier bis sechs Milliarden Umsatz soll der Riesenvogel in die Kassen der EADS lenken. Damit rückt das Ziel Hertrichs näher, den Umsatz von derzeit 30 bis zum Jahr 2007 auf 40 Milliarden Euro zu steigern. Die Umsatzrendite vor Steuern und Zinsen solle dann bei mindestens zehn Prozent liegen. Dies würde einen operativen Gewinn von vier Milliarden Euro bedeuten. Das freute die Börse: Die EADS-Aktie legte um fast neun Prozent auf gut 21,60 Euro zu.<BR><BR>Allerdings haben auch die Europäer Rückschläge einstecken müssen: "Wo wir sein wollen, sind wir nicht", sagte Hertrich. "Wir wollten 450 Flugzeuge jährlich produzieren." Derzeit liegt Airbus bei 300. Aber es sei leichter, "den Hochlauf abzubremsen, als runterzufahren". <BR><BR>Boeing muss derzeit seine Kapazitäten massiv zurückfahren und plant, mehrere Werke zu schließen. Überdies habe, so Hertrich, die EADS "in der schweren Zeit ein gewaltiges Investitionsprogramm durchgezogen". Obwohl auch künftig Airbus der wichtigste Umsatzträger sein werde, schlagen sich die Anstrengungen verstärkt auch im Rüstungsbereich nieder. So sei man mit dem Militärtransporter A400 M in ein Monopol der Amerikaner eingedrungen. Und bei den Tankflugzeugen, die Militärflugzeuge aus der Luft mit Kerosin versorgen, habe man nicht nur die beste Flotte, sondern auch eine neue Qualität von Geschäften erreicht, bei denen die Industrie selbst die Flotte betreibt.<BR><BR>Da die Erfolge zunehmend außerhalb Europas gesucht werden, wird auch die EADS dort verstärkt Produktionskapazitäten aufbauen. Allerdings denkt Hertrich dabei nicht gleich an Verlagerung. "Es ist nicht unser Ziel, Kapazitäten in Europa zu reduzieren." Auch für künftige Krisen sieht sich der Konzern gut gerüstet. "Wir haben das größte Orderbuch unserer Industrie", sagt Hertrich. 179,3 Milliarden Euro umfasse das Auftragspolster der EADS. </P><P>Boeing habe 92,9 Mrd. Euro. Dem soll auch die Umsatzentwicklung folgen. Dabei strebt die EADS nun aggressiver als bisher die Weltmarktführung an. Hertrich: "In zehn Jahren wollen wir überall die Nr. 1 sein." Und: "Boeing liegt nicht mehr arg weit vor uns." An der Aktionärsstruktur soll sich zunächst nichts ändern. Mittelfristig aber soll der Streubesitz steigen.</P>

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