EADS: Die Sanierung läuft aus dem Ruder

München - Die Krise bei Airbus und EADS ufert aus. Die Politik fällt dem Management wieder einmal in den Arm. Anteilseigner sind zerstritten. Die Sanierung kommt nicht vom Fleck.

Die Sanierung des deutsch-französischen Flugzeugbauers Airbus läuft völlig aus dem Ruder. Zum einen ließ die EADS-Tochter am Montag ungenutzt einen weiteren Termin verstreichen, zu dem ein bevorzugter Käufer für drei deutsche Airbus-Werke und einer EADS-Fabrik genannt werden sollte, nachdem dieses zentrale Element des Konzernumbaus seit Sommer schon mehrmals verschoben wurde. Zum anderen macht die französische Politik gegen Pläne führender Manager mobil, die in den USA oder anderswo im Dollarraum zur Abfederung von Währungsrisiken neue Airbus-Fabriken bauen wollen. "Der Staat als Aktionär wird alles tun, um EADS von der Verlagerung seiner Produktion abzubringen", stellte der französische Ministerpräsident François Fillon in einem Interview in "Les Echos" klar. Frankreich und Deutschland hätten nicht so viel in Airbus investiert, um dann zu sehen, wie es stückweise in die Dollarzone abwandere.

Das Wort des französischen Staats hat bei EADS einiges Gewicht, denn er hält 15 Prozent der Anteile. Der industrielle EADS-Aktionär Frankreichs, der Unternehmer Arnaud Lagardère, hatte dagegen zuvor erklärt, von seinem Land sei in puncto Verlagerung kein Widerstand zu erwarten. Schon im französischen Lager gibt es also fundamentale Differenzen.

Topmanager wie Airbus-Chef Tom Enders wollen vorzugsweise in den USA neue Airbus-Fabriken errichten, um so zum Teil der Stärke des Euro zu entkommen, die die Produktion für den europäischen Boeing-Konkurrenten immer mehr verteuert. Das aktuelle Airbus-Kostensenkungsprogramm Power 8, das bis 2011 gut zwei Milliarden Euro einsparen soll, ist auf einem Euro-Kurs von 1,35 Dollar kalkuliert. Derzeit ist ein Euro aber knapp 1,47 Dollar wert, was die nötigen Einsparungen rechnerisch auf rund 3,5 Milliarden Euro erhöht.

Fest einkalkuliert in die Sanierung sind auch Milliardenerlöse aus einem Verkauf von vier deutschen Werken (Varel, Nordenham, Laupheim und Augsburg), zwei Fabriken in Frankreich und einer in Großbritannien. Der sollte urspünglich schon im Sommer geregelt sein. Doch der EADS-Verwaltungsrat konnte sich am vergangenen Wochenende nicht auf einen Kandidaten einigen. Es ist sogar von offenem Streit und einem Machtkampf in dieser Frage zwischen deutschen und französischen Anteilseignern die Rede.

Auf deutscher Seite ist Daimler an der EADS beteiligt. Die Stuttgarter vertreten im EADS-Kontrollgremium wie die französische Seite 22,5 Prozent der Anteile. Die deutsche Seite wolle den Werksverkauf stoppen, die Franzosen drängen dagegen hartnäckig zu diesem Schritt, hieß es. Mittlerweile gilt eine Verschiebung ins nächste Jahr als so gut wie sicher.

Auch in diesem Fall ist der schwache Dollarkurs die Ursache der neuerlichen Verzögerung. Denn die Werke, die weiter Airbus zuliefern sollen, will der Konzern in Dollar abrechnen, was das Währungsrisiko auf den neuen Eigentümer verlagern und allein deshalb schon erheblichen Druck auf die Belegschaft ausüben würde. Airbus fordert aber noch mehr. Ein Käufer soll 20 Prozent Produktivitätsverbesserung durchsetzen, in der Summe aller Werke Milliardensummen in deren Modernisierung stecken, die sich Airbus dann ersparen könnte. Der Dollarkurs lässt diese Rechnung für keinen Käufer mehr aufgehen, warnt ein Insider. Derzeit könne man die Werke eigentlich nur verschenken.

Für die deutschen Werke übrig geblieben sind ohnehin nur noch zwei Bewerber, die als kapitalschwach geltende Bremer OHB Technology und der mit Boeing verbandelte US-Zulieferer Spirit, der politisch als umstritten gilt.

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