Ein Publikumsliebling mit Startschwierigkeiten: Der A380 verspätete sich auch deshalb so gravierend, weil politische Rücksichten das Unternehmen lähmten.

EADS sperrt sich gegen Polit-Einfluss

München - Der Konflikt um das Münchner EADS-Hauptquartier geht weiter. Die geplante Verlagerung der Firmenzentrale nach Toulouse schlägt Wellen. Die Politik will mitreden, das Unternehmen den politischen Einfluss zurückdrängen.

Der Affront war heftig: Gerade hatte die Bundesregierung eine Art Rettungsplan für den Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS verkündet, da reagierte der Betroffene unwirsch: „Davon halte ich überhaupt nichts“, sagte der Airbus-Chef und designierte Vorstandsvorsitzende von EADS, Tom Enders, am 10. November über den geplanten Einstieg der bundeseigenen KfW-Bank bei EADS.

Selten wohl hat ein Firmenchef in spe einem Großaktionär in spe einen so unfreundlichen Empfang bereitet. „Wir brauchen nicht mehr staatliche Einflussnahme, sondern weniger“, fügte Enders hinzu. Für ihn gab es schon damals keinen Zweifel, dass die Politik der Umweg über die zu Neutralität verpflichtete KfW nicht daran hindern würde, ihren Einfluss geltend zu machen.

Es dauerte gerade ein Vierteljahr, bis er den Beweis in Händen hielt: „Ich gehe davon aus, dass der Sitz in Ottobrunn bei München bleibt“, sagte Peter Hintze (CDU), der zuständige Staatssekretär im Wirtschaftsministerium gegenüber der „Wirtschaftswoche“, und stellte sich damit öffentlich gegen Enders, der die EADS-Hauptquartiere in München und Paris auflösen und nach Toulouse verlagern will. Hintzes Signal an die Öffentlichkeit: Ohne unsere Zustimmung darf EADS das nicht.

Doch Enders denkt gar nicht daran, sich in die Rolle des Befehlsempfängers zu fügen. „Ich nehme die Meinung von Herrn Hintze gerne zur Kenntnis“, erklärte er gestern gegenüber unserer Zeitung. Und auch diesmal ist die von diplomatischen Schnörkeln bereinigte Botschaft klar: Ihr habt uns überhaupt nichts vorzuschreiben. „Es hätte uns auch gewundert, wenn er sich davon beeindrucken lässt“, sagte ein Mitarbeiters aus Enders’ Umfeld.

Erneut signalisierte Enders, dass er lieber auf den Karrieresprung pfeifen würde, als sich von der Politik unters Joch spannen zu lassen. Bemerkenswert für einen Top-Manager, zu dessen beruflichen Stationen in den 1980er-Jahren die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung und das damals CDU-geführte Verteidigungsministerium gehörten.

Doch prägend für Enders dürfte vor allem sein, was er vorgefunden hatte, als er 2007 in der tiefsten Krise des Unternehmens den Chefsessel von Airbus übernahm: Eine an entscheidenden Stellen von politisch motivierten Kleinkriegen und nationalen Pöstchen-Proporz gelähmte Führung. Viele Mitarbeiter hatten sich damit arrangiert, an entscheidungsunwilligen Vorgesetzten vorbei zu wursteln. Denn kompetente Entscheidungen konnten sie nicht erwarten. So beschrieben Mitarbeiter, die zur Sanierung nach Toulouse geschickt wurden, die Lage.

Das ehrgeizige Projekt, des A380, war bereits uneinholbar hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurückgefallen, als die frühere Führungsspitze die davon ausgehende Bedrohung wahrnahm. Und der ähnlich verspätete Militär-Transporter A400M hätte wohl noch mehrere Jahre später abgehoben, hätte nicht Enders das Kommando über das Projekt von Sevilla nach Toulouse abgezogen. Airbus fand zurück in die Erfolgsspur. „Mehr Staat ist keineswegs hilfreich für die weitere Entwicklung der EADS-Gruppe“, sagte Enders, als der KfW-Einstieg bekannt wurde. Das ist auch das Resümee bisheriger Erfahrungen.

Dazu kommt, dass das „E“ im Konzern-Namen zwar für European steht, das Unternehmen aber auch in den USA, in China oder Brasilien produziert, um auch zu diesen Märkten Zutritt zu haben. Europa ist dem Konzern zu eng geworden. Airbus und Eurocopter sind weltweit Marktführer und können sich ohne Verluste kaum auf ihren Heimatmarkt zurückziehen. Ein Konzern in Staatshand wäre ein verheerendes Signal. „Die Amerikaner kaufen dann nichts mehr“, befürchtet ein hochrangiger Airbus-Manager. „Auch die Airlines nicht.“

Am meisten erstaunt Insider das industriepolitische Interesse, das Wirtschaftsminister Martin Zeil und Ministerpräsident Horst Seehofer an den Tag legen, seit der Standort Ottobrunn/Neubiberg seine Funktion als Hauptquartier endgültig verlieren soll. Denn der Standort hatte in den letzten Jahren bereits wichtige Funktionen und tausende Arbeitsplätze abgeben müssen. Mit dem Ende der Doppelspitze im Vorstand 2007 hat München bereits viel von seiner Funktion als Hauptquartier eingebüßt - Gelegenheiten, sich für den Standort einzusetzen.

Der Finanzvorstand des Konzerns, bisher in München angesiedelt, zieht nun auch nach Toulouse um. Doch schon bisher steigen, wenn Entscheidungen anstehen, die Münchner Verantwortlichen meist ins Flugzeug nach Paris.

Der Standort Paris ist für Frankreich auch deshalb wichtig, weil hier die Drähte zwischen französischer Politik und französischer Wirtschaft zusammenlaufen. Es ist kaum zu erwarten, dass Frankreich verzichtet, wenn Bayern sein symbolisches Hauptquartier München erfolgreich verteidigt.

Martin Prem

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