Börse reagiert enttäuscht

EADS steckt Milliarden in Aktienrückkauf

Toulouse - Der Umbau des europäischen Branchenführers in der Luft- und Raumfahrt ist unter Dach und Fach. Nun soll der Aktienkurs noch weiter steigen. Doch die Erwartungen der Börsianer sind hoch.

Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS steckt eine Milliardensumme in den Rückkauf eigener Aktien. Binnen anderthalb Jahren will die Mutter des Flugzeugbauers Airbus auf diese Weise 3,75 Milliarden Euro aufwenden und den Aktienkurs so nach oben treiben. An der Börse ging es für die EADS-Papiere am Mittwoch zunächst dennoch nach unten: Einige Analysten hatten mit einer höheren Rückkaufsumme gerechnet. EADS-Aktien fielen zum Handelsstart in Paris um 1,06 Prozent auf 40,68 Euro und gehörten damit zu den schwächeren Werten an der Börse. Am Vortag hatten sie mit Blick auf die erwartete Rückkauf-Entscheidung noch um vier Prozent zugelegt.

Mit dem Rückkaufprogramm bleibt der Konzern hinter seinen selbst gesetzten Möglichkeiten zurück. Die Anteilseigner hatten dem Management vergangene Woche erlaubt, bis zu 15 Prozent des ausgegebenen und ausstehenden Aktienkapitals zu einem Stückpreis von bis zu 50 Euro zurückzukaufen. Citigroup-Analyst Jeremy Bragg hatte daher mit einer Rückkaufsumme von vier Milliarden Euro gerechnet. Selbst damit wäre der von den Aktionären gesetzte Rahmen nicht ausgeschöpft worden.

Die erworbenen Aktien will EADS anschließend einziehen. An dem nötigen Geld fehlt es dem Konzern nicht: Den Aktienrückkauf will er komplett aus seinen vorhandenen Bargeldbeständen bestreiten.

Mit dem Aktienrückkauf, umfangreichen Umschichtungen und einem neuen Verwaltungsrat startet EADS in eine neue Ära. Vergangene Woche hatten die Anteilseigner grünes Licht für die neue Aktionärsstruktur gegeben, die Deutschland, Frankreich und Spanien nach der geplatzten Fusion von EADS und dem britischen Rüstungskonzern BAE Systems im Dezember ausgehandelt hatten. Künftig sollen die drei Staaten zusammen 28 Prozent der Anteile halten. Dabei entfallen jeweils zwölf Prozent auf Deutschland und Frankreich, vier Prozent auf Spanien. Der Anteil der frei gehandelten Aktien steigt von zuletzt rund 55 Prozent auf 72 Prozent steigen. Die EADS-Führung sieht in diesem Schritt ein Zeichen für mehr Unabhängigkeit von Staat und Politik.

Trotz früherer Proteste aus der deutschen Politik wird der Konzern künftig stärker aus Südfrankreich gesteuert: Der operative Hauptsitz des Konzerns wechselte zu Beginn dieser Woche nach Toulouse, wo auch die wichtigste Konzerntochter Airbus beheimatet ist. An den bisherigen EADS-Verwaltungssitzen in Paris und München verbleiben jedoch weiterhin jeweils mehrere hundert Stellen. An die Spitze des neu zusammengesetzten EADS-Verwaltungsrats wurde der ehemalige Chef des Rüstungs- und Technologiekonzerns Thales, Denis Ranque, gewählt. Chef des EADS-Managements bleibt Thomas Enders, der den Posten 2012 von Louis Gallois übernommen hatte.

dpa

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