EADS: Welchen Einfluss kann Putin nehmen?

- München - Die Aufforderung des damaligen Kanzlers ging im Trubel fast unter. Die EADS müsse die Partnerschaft mit Russland suchen, sagte Gerhard Schröder bei der Vorstellung des Airbus A380 im Januar 2005 in Toulouse. "Das Boot ist nicht voll." Jetzt macht sein Duzfreund Wladimir Putin Nägel mit Köpfen: Über die Zentralbank-Tochter Wneschtorgbank hat Moskau 4,5 bis 4,8 Prozent an dem europäischen Flugtechnikkonzern erworben.

Die Reaktionen waren gespalten. Während die Pariser EADS-Zentrale den Einstieg bestätigte, dementierte der Münchner EADS-Sprecher Michael Hauger: "Die Aussagen treffen nicht zu." Die Russen müssen keine Mitteilung machen, solange ihr Anteil unter fünf Prozent bleibt. Außerdem bekäme Moskau mit einer Beteiligung nicht automatisch Einfluss auf die Geschäfte: Da steht der Aktionärspakt der EADS-Gründer dagegen.

Das Sagen haben faktisch der französische Staat (15 Prozent) und sein Partner Lagardère (7,5), die DaimlerChrysler AG (22,5) und Spanien (5,5). Eine Gefährdung der USMilitärgeschäfte will man bei EADS nicht sehen. Das Interesse Moskaus könnte eher Vorteile in der "strategischen Schwerpunktregi-on" Russland bringen. Tatsächlich treffen sich die Interessen Moskaus und der westeuropäischen Flugzeugbauer. Putin ist dabei, die russische Flugzeugindustrie zu bündeln und zu modernisieren.

EADS hält bereits zehn Prozent am zweitgrößten Flugzeugbauer Irkut, der Rumpf- und Fahrgestellteile für Airbus liefern soll. Au-ßerdem hat Putin schon 2005 in Paris, Berlin und Madrid auf gemeinsame Arbeitsgruppen zur Entwicklung von Verkehrsflugzeugen gedrängt. Auf 25 Milliarden Dollar schätzt man bei EADS das Potenzial der Kooperation mit Moskau in den kommenden 25 Jahren. Das reicht von der Beteiligung Russlands an neuen Airbus-Modellen bis zum Umbau alter Airbusse A320 in Frachtmaschinen.

Schon jetzt betreibt EADS ein Entwicklungsbüro in Moskau und die Kooperation bei Weltraumraketen klappt einwandfrei. Im Rahmen der "Partnerschaft auf Lebenszeit" werden russische Partner wie Irkut bis 2016 alleine für 800 Millionen Dollar an Airbus zuliefern. Airbus will die russische Kompetenz nicht zu Boeing abwandern lassen. Denn die Amerikaner drängen ebenfalls nach Russland. Boeing arbeitet mit Suchoj zusammen, betreibt ein Entwicklungsbüro in Moskau und hilft bei der Entwicklung des Regionaljets RRJ.

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