EADS will Globalisierung vorantreiben

Donauwörth - Der europäische Flugtechnikkonzern EADS will in diesem Jahr seine Produktionskrise überwinden und eine aggressive Globalisierungsstrategie auf den Weg bringen. Bis 2020 wolle der europäische Flugzeugbau- und Rüstungskonzern 20 Prozent der Beschäftigten außerhalb Europas haben und 40 Prozent seiner Zulieferungen aus Übersee beziehen, sagte EADS-Chef Louis Gallois am Donnerstag in Donauwörth.

In diesem Jahr gehörten weitere Verbesserungen beim Programm-Management und die andauernde Dollarschwäche zu den wichtigsten Herausforderungen. Mit der Trennung von Werken sei der Konzern auf Kurs zu höheren Gewinnnen. "Ich bin sicher, dass wir 2008 beginnen, die Früchte unserer Anstrengungen zu ernten."

Die operative Rendite solle möglichst schon vor 2015 zehn Prozent erreichen, sagte Gallois. "Es gibt viel Geld in der Welt. Wenn man es anziehen will, muss man profitabel sein." Die Börse reagierte positiv auf die Aussagen. Am Nachmittag notierte die EADS-Aktie zeitweise um fast 2,5 Prozent im Plus bei 19,32 Euro.

Das vergangene Jahr, in dem EADS mit den Verspätungen beim Großraumflieger A380 beim Militärtransporter A400M zu kämpfen hatte, sei "außergewöhnlich" gewesen, sagte Gallois. Der Konzern habe Aufträge im Wert von 125 Milliarden Euro in die Bücher genommen. Die Flugzeugtochter Airbus erhielt Bestellungen für mehr als 1300 Flugzeuge. Damit liege man in etwa gleichauf mit dem Konkurrenten Boeing.

Die Einspar- und Liquiditätsziele aus dem milliardenschweren Sparprogramm Power8 habe EADS erreicht, sagte Gallois. "Ich denke, wir liegen auf Kurs, was Power8 angeht." Netto habe der Konzern derzeit etwa fünf Milliarden Euro Barmittel in der Kasse, das sei mehr als erwartet. Damit hat EADS aktuell keine Finanzierungsprobleme. Mit der Abschaffung der Doppelspitze im Management und Verwaltungsrat seien zudem klare Zuständigkeiten geschaffen worden, was mehr Effizienz bei Entscheidungsprozessen ermögliche.

Über seine Zukunftsstrategie will der Konzern bis 2020 den Anteil des Airbus-Geschäfts am Konzernumsatz von 64 Prozent auf die Hälfte des Gesamtumsatzes senken. Der Umsatz solle bis dahin auf 80 Milliarden Euro verdoppelt werden, sagte Gallois. Den - im Gegensatz zum Airbus-Geschäft - kaum konjunkturanfälligen Dienstleistungsbereich will der EADS-Chef von zehn auf 25 Prozent Umsatzanteil, also 20 Milliarden Euro, ausbauen. Der Rüstungsbereich soll auch mit Hilfe von Zukäufen gestärkt werden. EADS will insbesondere seine Präsenz in den USA und in Asien ausbauen, wo große Märkte sind und billiger produziert werden kann. Dabei gehe es "um Unternehmen mittlerer Größe", sagte Gallois, "denn wir möchten die Finanzen des Konzerns nicht destabilisieren."

Auch die Produktionsbasis solle internationalisiert werden. Derzeit seien 97 Prozent der Beschäftigten in Europa, doch 57 Prozent des Umsatzes kämen aus anderen Erdteilen, erklärte der EADS-Chef. "Wir wollen eine zwischen europäischen Wurzeln und globaler Vertretung besser ausgewogene EADS. Wenn man an die technologischen Ressourcen in Indien, China, Russland und USA kommen wolle, müsse man mehr in Asien und den USA fertigen lassen. Kurz vor Weihnachten hatte der Konzern bekanntgegeben, dass für die beiden Airbus-Werke in Nordenham und Varel sowie für das EADS- Werk in Augsburg nur noch mit dem Bremer Technologiekonzern OHB verhandelt wird. Die französischen Airbus-Werke Méaulte und St. Nazaire Ville sollen an den französischen Airbus-Zulieferer Latécoère gehen, das britische Werk Filton an die britische GKN.

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