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Ein Airbus-Mitarbeiter schraubt an einer Tragfläche eines A320 im Werk Hamburg -Finkenwerder. Mit insgesamt 69 000 Beschäftigten ist Airbus das Herzstück von EADS. Künftig wird der gesamte Konzern unter dem Erfolgsnamen auftreten.

Luftfahrtindustrie

EADS will lieber Airbus heißen

München – EADS gibt es bald nicht mehr. Europas größter Luftfahrt- und Rüstungskonzern heißt ab 2014 wie seine bekannteste Tochter – Airbus. Dabei wird München zur Drehscheibe für die Bereiche Rüstung und Raumfahrt.

European Aeronautic Defence and Space Company ist ein sperriger Konzernname. Das Kürzel EADS ist kaum besser. Für die Töchter Astrium und Cassidian wurden Kunstnamen gewählt. Das ist jetzt vorbei. Den Aufwand für die höchst kreativen Namen hätte man sich sparen können. Künftig heißt alles Airbus. Das teilte der Konzern gestern mit.

Selbst die weltweit höchst erfolgreiche Sparte Eurocopter baut künftig dem Namen nach kleine Airbusse mit Drehflügeln. Sie heißt Airbus Helicopter. Noch ist nicht einmal entschieden, ob die eingeführten Marken des Konzerns erhalten bleiben. Doch es wird davon ausgegangen, dass es Eurocopter und das Kürzel EC auch künftig noch geben wird. Das Gleiche gilt für die Europa-Rakete Ariane.

Bei Eurocopter ändert sich außer dem neuen Namen nicht viel. Die Zentrale bleibt in Marignane bei Marseille mit einem starken und weitgehend selbstständigen deutschen Stützpunkt in Donauwörth. Auch bei Airbus ändert sich nicht so viel: Nur die früher auch schon selbstständige, aber nach den Pannen um den Militärtransporter A400 M an den zivilen Airbus-Bereich angebundene Airbus-Militray, wird wieder herausgelöst.

Diese Sparte – zuständig vorwiegend für Transportflugzeuge – wird mit der bisherigen EADS-Raumfahrt-Tochter Astrium und dem Verteidigungsbereich Cassidian zusammengelegt. Sie ist künftig in Ottobrunn angesiedelt. Die ehemalige Zentrale des EADS-Vorläuferunternehmens MBB hat seit dem Wegzug von Hubschrauber- und Jagdflugzeugaktivitäten viel Platz.

Damit hat Bayern in dem europäischen Unternehmen wieder etwas mehr Gewicht. Allerdings sollte man den Zugewinn nicht überbewerten. Denn Cassidian hat bisher schon seinen Hauptsitz an der Münchner Stadtgrenze – in Unterschleißheim. Cassidian zieht somit nur aus dem Norden in den Südosten der Landeshauptstadt um. Auch der bisherige Chef von Astrium-Deutschland, Evert Dudok, hatte bereits ein Büro in München und ein zweites in der offiziellen Firmenzentrale Bremen.

Dudok wird künftig bei Airbus Defence & Space nicht mehr die Raumfahrt verantworten, sondern Kommunikations-, Überwachungs- und Sicherheitssysteme. Für die Raumfahrt zuständig bleibt Astrium-Chef François Auque. Die bisher in Sevilla beheimateten Aktivitäten für Militär-Transportflugzeuge bleiben unter spanischer Regie: Domingo Ureña Raso wird sie leiten. Thomas Müller, bisher Chef des Astrium-Standorts Ottobrunn, bekommt eine eigene Sparte Equipment, in der die in Ottobrunn konzentrierten Astrium-Aktivitäten als Raumfahrt-Zulieferer gebündelt werden. Chef des gesamten neuen Konzernteils wird erwartungsgemäß der bisherige Vorstandsvorsitzende von Cassidian Bernhard Gerwert.

„Die Umbenennung führt schlichtweg das ganze Unternehmen unter der besten Marke zusammen, die wir haben“, begründete der EADS- und zukünftige Airbus-Konzernchef Thomas Enders die Veränderungen, die der Konzern mit seinen Halbjahresergebnissen bekanntgab.

Die beste Marke hat sich auch wirtschaftlich im bisherigen Jahresverlauf besonders gut geschlagen. Der Airbus-Umsatz legte um acht Prozent auf 18,924 Milliarden Euro zu. Der Gewinn vor Steuern verdoppelte sich sogar auf 1,1 Milliarden Euro.

Dagegen schwächelte Eurocopter in der ersten Hälfte 2013. Der Umsatz brach um sieben Prozent ein, das Vorsteuerergebnis sogar um 35 Prozent. Ursache sind Probleme beim Getriebe des Erfolgsmodells Super-Puma, die sogar zu Abstürzen geführt haben. Die Probleme seien mittlerweile gelöst, so EADS.

Unter dem Strich legte der EADS-Umsatz um sechs Prozent auf 26,3 Milliarden Euro zu. Der Vorsteuergewinn steigerte sich im Windschatten des Airbus-Gewinnsprungs um 40 Prozent auf 1,48 Milliarden Euro. Dabei ist für die Zukunftserwartungen kein Wölkchen am Horizont zu sehen: Es gingen Aufträge über 96,6 Milliarden Euro ein. Das ist mehr als das Dreieinhalbfache des Halbjahresumsatzes. Insgesamt sitzt EADS/Airbus damit auf einem Auftragsbestand von 635 Milliarden Euro. Enders sprach von einer „soliden Leistung“ für das erste Halbjahr. Nach dem gut gelaufenen ersten Halbjahr erwartet der Konzern allein bei Airbus einen Auftragseingang von über 1000 Flugzeugen. Ausgeliefert werden sollen 600 bis 610.

Martin Prem

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