EADS-Co-Chef Noël Forgeard und Airbus-Chef Humbert treten zurück

- Paris/Hamburg - Dem steilen Aufstieg folgte der Absturz: Noël Forgeard, Co-Präsident des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, und Airbus-Chef Gustav Humbert sind von ihren Posten zurückgetreten. Beide zogen damit die Konsequenz aus der Krise, in die Airbus wegen der Verspätung bei der Lieferung des Superflugzeugs A380 geraten ist. Der 59-jährige Forgeard hatte zudem kurz vor Bekanntwerden der Lieferpanne private EADS-Aktien verkauft und stand deshalb seit Tagen heftig unter Beschuss.

Forgeard, ein Vertrauter des französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac, war als langjähriger Airbus-Chef Humberts Vorgänger. Vor etwa einem Jahr wurde er - zusammen mit dem Deutschen Thomas Enders - an die EADS-Spitze berufen - einen Posten, auf den er schon längere Zeit Anspruch erhoben hatte. Sein Nachfolger und damit Co-Präsident neben Enders wird jetzt der langjährige SNCF-Chef Louis Gallois.

Forgeard hatte im April 1998 als Managing Director die Leitung des damaligen Airbus-Konsortiums übernommen. Der Ingenieur einte den losen Verbund und schmiedete daraus schließlich den weltgrößten zivilen Flugzeugbauer. Er trieb Innovationen bei Technik und Modellen voran: Schon 1999 startete er das Programm zum Bau des A318, das mit rund 100 Sitzen kleinste Flugzeug der A320-Familie.

2003 fasste Forgeard den Plan, das größte Passagierflugzeug der Welt zu bauen, und so Boeing anzugreifen. Denn der US-Konkurrent beherrschte bis dahin mit der 747 drei Jahrzehnte lang den Jumbo-Jet-Markt. Der ehrgeizige Manager sammelte Kundenbestellungen aus aller Welt und brachte das Investitionsprojekt, das auf mehr als 11 Milliarden Euro geschätzt wurde, auf den Weg.

Im Jahr 2001 holte Airbus erstmals Boeing ein und überrundete schließlich 2003 erstmals den Erzrivalen aus den USA. Nicht zuletzt wegen der immer stärker werdenden Position der Tochterfirma im EADS-Konzern erhob Forgeard seine Führungsansprüche. Zugleich wollte er aber seinen Posten bei Airbus behalten, was bereits im Frühsommer 2005 für eine Führungskrise bei EADS sorgte, dessen Großaktionäre Daimler-Chrysler und der französische Lagardère-Konzern sind.

Schließlich einigte man sich auf Humbert als neuen Chef des Flugzeugbauers, der als Mann des Ausgleichs galt. Der 1950 im niedersächsischen Celle geborene Humbert arbeitete seit vielen Jahren bei Airbus. In Zeitungsberichten wurde der Manager, der in Hannover Maschinenbau und Produktionstechnik studiert hat, als Mann von zurückhaltender, unauffälliger aber dennoch effizienter Art beschrieben, der nicht den Weg in die Schlagzeilen suchte.

Nach einem zwischenzeitlichen Abstecher als Professor in die Wissenschaft ging Humbert Anfang der 80er Jahre in die Wirtschaft und arbeitete bei Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB). Von dort stieg er die Karriereleiter über die Deutsche Aerospace bis auf den Chefsessel bei Airbus auf.

Auf einem anderen Gebiet kann der Luft- und Raumfahrtkonzern einen Erfolg verbuchen: EADS soll die US-Streitkräfte mit Mehrzweck-Hubschraubern vom Typ UH-145 ausrüsten. Damit werde die EADS erstmals Hauptauftragnehmer der US-Streitkräfte, hieß es. Der Bedarf umfasse bis zu 352 Hubschrauber im Gesamtwert von 2,35 Milliarden Euro.

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