Ecclestone ärgerte sich über Gribkowksy

München - Wofür kassierte der ehemalige BayernLB-Vorstand Gribkowksy 44 Millionen Dollar von Formel 1-Chef Ecclestone? Im Prozess erhielt Ecclestones Erpressungstheorie neue Nahrung.

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Ecclestone in die Mangel genommen

Der frühere Bankvorstand Gerhard Gribkowsky hat Formel 1-Chef Bernie Ecclestone nach Angaben einer ehemaligen Kollegin mit einem pikanten Schreiben in Bedrängnis gebracht. Gribkowsky habe das Dokument nach einem Treffen in London auf Ecclestones Schreibtisch liegen lassen, sagte Alexandra Irrgang am Mittwoch als Zeugin vor dem Landgericht München. Irrgang gehörte innerhalb der BayernLB zu dem Team um Gribkowsky, das den Verkauf der Bankanteile an der Formel 1 abwickelte.

Aus dem Schreiben soll hervorgegangen sein, dass Ecclestone entgegen seiner Aussagen immer noch mit seiner Familienstiftung Bambino verbunden war, was zu einer hohen Steuernachzahlung für den Formel 1-Chef hätte führen können. Irrgang hatte den Brief nach eigenen Angaben 2004 von einem TV-Manager erhalten, der mit Ecclestone in einen Rechtsstreit verwickelt war und ihn vertraulich an Gribkowsky weitergegeben hatte. „Mich hat gewundert, dass Herr Gribkowsky das auf den Tisch gelegt hat. Ich habe mich bei ihm über den Umgang mit dem Dokument beschwert.“

Auch Ecclestone ärgerte sich laut der Zeugin sehr über Gribkowskys Aktion und rief den Banker der BayernLB noch auf dem Weg zum Flughafen an. „Herr Dr. Gribkowsky hat sich darüber amüsiert.“ Damit erhielt die Theorie einer Erpressung in dem Prozess neue Nahrung. Auch Ecclestone selbst hatte als Zeuge geschildert, er habe sich immer wieder von Gribkowsky bedroht gefühlt und ihm deshalb eine hohe Millionensumme als Schweigegeld bezahlt. Damit habe er vermeiden wollen, dass ihn der Banker bei den britischen Steuerbehörden anzeigt und ihm eine Nachzahlung in Milliardenhöhe einbrockt. Das Wort Erpressung benutzte Ecclestone nicht direkt: Gribkowksy habe ihn aber subtil bedroht und in Angst versetzt.

Die Staatsanwaltschaft geht hingegen weiter davon aus, dass der Banker das Geld erhielt, um den Verkauf der Formel 1-Anteile der BayernLB an den britischen Investor CVC durchzusetzen, der Ecclestone im Amt lassen würde. Von den Banken, denen die Anteile an der Formel 1 als Folge der Kirch-Pleite zugefallen waren, hielt der Formel 1-Boss gar nichts - und ließ sie das auch wissen. „Ihr verdammten Banker habt doch keine Ahnung“, soll er immer wieder gesagt haben, wie Irrgang erzählte. „Wir waren ihm sehr lästig.“

Im Jahr 2006 wurde Ecclestone die Banken schließlich los: Für 840 Millionen Dollar kaufte CVC ihnen die Anteile ab. Die Verkaufsverhandlungen führte Gribkowsky nach Angaben von Irrgang in der heißen Phase alleine und ließ seine Kollegen außen vor. „Das war für uns ungewöhnlich und überraschend.“ Gribkowskys Anwälte deuteten an, er habe sie vielleicht einfach schonen wollen, weil ihr Schwiegervater damals auf ihrer Hochzeit gestorben war. Gribkowsky war als Gast bei der Feier. Irrgang widersprach dieser Annahme aber energisch.

Auch von einer Provision an Ecclestone in Höhe von 66 Millionen Dollar für die Vermittlung des Käufers erfuhr sie erst später. „Wir waren schockiert.“ Die Anklage geht davon aus, dass die BayernLB diese Provision nur wegen der geheimen Absprachen zwischen Ecclestone und Gribkowsky zahlen musste.

Ein Großteil der Summe floss aus Sicht der Anklage von Ecclestone und Bambino wieder an Gribkowsky zurück: 44 Millionen Dollar soll er erhalten haben und muss sich dafür wegen Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung vor Gericht verantworten.

dpa

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