Ecclestone ausgebremst: Banken steuern jetzt die Formel 1

- München - Bernie Ecclestone sitzt nicht mehr am Steuer der Formel 1. Ein Gericht hat Banken unter Führung der Bayern LB die Kontrolle darüber zuerkannt. Die Kreditinstitute können nun wieder auf einen Verkauf ihrer Formel-1-Anteile hoffen.

<P>Die Bayerische Landesbank und mit ihr verbündete US-Partnerbanken haben vor einem Londoner Zivilgericht die Kontrolle über die Formel 1 errungen. Damit wird der Weg frei für eine Fortführung der Rennsportveranstaltung über das Jahr 2007 hinaus und einen Verkauf der Formel-1-Anteile durch die Bayern LB. Die Münchner begrüßten das nach mehrmonatigem Rechtsstreit ergangene Urteil, wollten die Folgen aber nicht weiter kommentieren.</P><P>Beim Prozess war es darum gegangen, die Dominanz von Formel-1-Gründer Bernie Ecclestone zu brechen. Das ist mit dem Urteil gelungen, gegen dass nach Auskunft von Rechtsanwälten keine Berufungsmöglichkeit gibt. Ecclestone hält nur ein Viertel der Anteile an der Formel-1-Holding Slec, dominiert aber bislang alle Entscheidungsgremien. Er hat die Rennserie 23 Jahre lang praktisch im Alleingang beherrscht. Die Bayern LB und ihre US-Partner halten mit drei Vierteln der Anteile die Mehrheit, hatten aber nichts zu sagen. Dadurch konnte Ecclestone Abmachungen der Banken mit den Formel-1-Rennställen und den dahinter stehenden Autokonzernen wie Daimler-Chrysler oder BMW torpedieren. Diese Abmachungen zielten darauf, in der Formel 1 die Gewinnausschüttung zu Gunsten der Rennställe zu ändern. Bislang steckt Ecclestone die meisten Gelder in die eigene Tasche. Der Rennzirkus hat dem 74-jährigen Briten schätzungsweise ein Vermögen von drei Milliarden Euro eingebracht.</P><P>Seine Weigerung, die Profite neu zu verteilen, veranlassten die Rennställe und Autokonzerne, eine eigene Rennsportserie zu planen, die 2008 an den Start gehen sollte. Diese Planungen laufen derzeit weiter. Kommen sie zum Abschluss, wäre die jetzige Formel 1 ein Auslaufmodell und jeder Anteil daran wertlos. Die Bayern LB, die seit der Pleite der Kirch-Gruppe als Pfand selbst allein 46,7 Prozent der Slec hält, musste deren Wert zuletzt weitgehend abschreiben, weil die Anteile praktisch unverkäuflich waren. Das könnte sich nun ändern. </P><P>Wird die Formel 1, mit einem geschätzten Jahresumsatz von einer Milliarde Euro und rund 300 Millionen Euro Nettogewinn per anno, über das Jahr 2007 hinaus verlängert, stellen die Beteiligungen wieder einen Milliardenwert dar.</P>

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