Weniger ist manchmal mehr

Ecclestone-Deal: BayernLB muss sich nun begnügen

München - 400 Millionen Dollar: Soviel Geld hätte die BayernLB gerne von Ecclestone gehabt. Nun muss sich die BayernLB bis Freitag entscheiden. Reichen ihr 33 Millionen?

Die BayernLB muss ihre Hoffnungen auf eine gigantische Entschädigung von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone wohl begraben. 400 Millionen Dollar Schadenersatz wollte die Landesbank gerne von Ecclestone haben - nach der Einstellung des Prozesses wird es aber eher ein kleiner Teil davon: Geboten hat Ecclestone der Landesbank nur 33 Millionen Dollar (25 Millionen Euro). Nun muss die BayernLB schnell entscheiden, ob sie zugreift: Bis Freitag läuft die Frist für das Angebot. Ein Sprecher der Landesbank äußerte sich am Mittwoch auf Nachfrage nicht dazu, ob schon eine Entscheidung getroffen wurde.

Ecclestone will das Geld zusätzlich zu seiner Geldauflage von 100 Millionen Dollar an die Landesbank zahlen - als Entschädigung. Denn die Landesbank fühlt sich von Ecclestone über den Tisch gezogen. Die BayernLB war früher Hauptaktionär der Formel 1 und geht davon aus, dass sie ihre Anteile im Jahr 2006 wegen einer Absprache zwischen Ecclestone und ihrem damaligen Vorstand Gerhard Gribkowsky zu billig an den Investor CVC verkauft hat.

Zudem zahlte sie Ecclestone auch noch eine Beraterprovision von 41 Millionen Dollar für seine Arbeit am Formel-1-Verkauf, über die sich die Bank im Nachhinein ärgerte. Auch Ecclestone selbst war damit nicht zufrieden - aber aus anderen Gründen: „Ich fand eigentlich, ich hätte viel mehr verdient gehabt“, sagte er Ende 2011 im Prozess gegen Gribkowsky. Er habe eine wichtige Vermittlerrolle gehabt und der BayernLB mit 840 Millionen Dollar einen Preis für ihre Formel-1-Anteile ermöglicht, den sonst niemand gezahlt hätte. „Ich habe eine ganz, ganz große Leistung für die Bank erbracht“, sagte Ecclestone.

Im Prozess gegen ihn hatten mehrere Zeugen das bestätigt: Denn die BayernLB war zwischendurch davon ausgegangen, ihre Renn-Beteiligung gar nicht mehr loszuwerden, die ihr als Pfand für die Kirch-Gruppe in den Schoß gefallen war. Auch der Vorsitzende Richter Peter Noll ließ sich von diesen Aussagen überzeugen: Ecclestone habe den Kaufpreis für die Formel-1-Anteile der Landesbank erheblich nach oben verhandelt, sagte er Dienstag bei der Einstellung des Verfahrens gegen Ecclestone. „Der Verkaufserlös wird noch heute als Lottogewinn oder Traumergebnis bezeichnet.“

Selbst wenn die BayernLB noch einen kleinen Nachschlag auf die 33 Millionen Dollar von Ecclestone erhalten sollte, wird viel mehr Geld wohl kaum fließen. Anfang des Jahres hatte die Bank noch ihre Klage in Höhe von 400 Millionen Dollar vor einem Gericht in London in Arbeit. Diese Klage wurde aber nie eingereicht und dürfte nach der Einstellung des Strafprozesses in der Schublade verschwinden. Denn etliche der Zeugen, die dazu führten, dass der Strafprozess gegen Ecclestone eingestellt wurde, würden auch in einem Zivilprozess um Schadenersatz aussagen und sich dort wohl ähnlich äußern.

Aber die BayernLB hat Hoffnungen auf Geld aus anderer Quelle: Auch ihre ehemaligen Vorstände hat sie wegen Fahrlässigkeit beim Kauf der österreichischen Krisenbank Hypo Alpe Adria auf Schadenersatz verklagt. Zwar dürfte der seit Monaten laufende Strafprozess gegen die Männer genau wie bei Ecclestone glimpflich ausgehen. Im parallel laufenden Zivilprozess rechnet sich die BayernLB aber trotzdem Chancen aus. Und auch Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) muss sich nicht für die Landesbank grämen: Die Geldauflage von 100 Millionen Dollar, die Ecclestone spätestens nächste Woche überweisen muss, fließt schließlich auch zu 99 Prozent in die bayerische Staatskasse.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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