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Bernie Ecclestone stand in München schon einmal im November 2010 vor Gericht. Damals war er allerdings nur Zeuge im Prozess um Landesbanker Gerhard Gribkowsky.

Wegen Bestechungs-Affäre

Ecclestone droht das Formel-1-Aus

München - Die Tage von Bernie Ecclestone als Formel-1-Chef scheinen gezählt. Sobald der 82-Jährige in München angeklagt wird, muss er zurücktreten.

„Wir haben noch keine Klageschrift erhalten“, sagt Rechtsanwalt Norbert Scharf. Es dürfte aber nur noch eine Frage der Zeit sein, bis das brisante Dokument bei ihm und seinem Kollegen Sven Thomas eintrifft. Die beiden erfahrenen Strafverteidiger vertreten mit Formel-1-Chef Bernie Ecclestone einen schillernden Mandanten und das mit einem klaren Standpunkt. „Herr Ecclestone hat sich weder einer Bestechung noch einer Teilnahme an einer Untreue schuldig gemacht“, erklärt das Verteidigerduo. Das sind die beiden Straftaten, die Münchner Staatsanwälte dem Briten nach zwei Jahren Ermittlung dem Vernehmen nach nun vorwerfen.

Ein Justizsprecher bestätigt, dass es nun ein Ermittlungsergebnis gibt. Bevor das aber nicht allen Beteiligten zugestellt sei, werde man es nicht öffentlich machen. „Es gibt sicher keine Einstellung des Verfahrens“, sagt der auf Wirtschaftsrecht spezialisierte Anwalt Klaus Höchstetter. Das wäre unter keinem juristischen Aspekt nachvollziehbar. Denn der Bestochene sitzt in Person des Ex-Landesbankers Gerhard Gribkowsky längst im Gefängnis. Vor knapp einem Jahr sah Richter Peter Noll vom Landgericht München seine Schuld als erwiesen an und verurteilte ihn zu achteinhalb Jahren Haft.

Gribkowsky legte ein Geständnis ab und steht nun als Kronzeuge gegen Ecclestone zur Verfügung. Der Prozess könnte Ende des Jahres beginnen, schätzen Experten. Zuerst müsse die Klageschrift ins Englische übersetzt werden. Dann hätten Ecclestones Anwälte die Möglichkeit zur Erwiderung. Und schließlich muss das Gericht entscheiden, ob es die Klage zur Verhandlung zulässt.

Schon eine Anklage dürfte für den kleinen Briten mit dem großen Ego eine Zeitenwende bedeuten. Denn als Chef der Formel 1 wäre er dann nicht mehr tragbar. Zum einen verbieten es die Compliance-Regeln von mit ihm im Rennsportzirkus verbundenen Konzernen wie Daimler, mit einem wegen Straftaten Angeklagten weiter Geschäfte zu machen. Zum anderen hat Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo dem Formel-1-Boss schon öffentlich nahegelegt, im Falle einer Anklage zurückzutreten. Ecclestone werde der Erste sein, der auf diesen Gedanken kommt, weil alles andere die Formel 1 beschädigen könne, meinte der Italiener mit vergifteter Fürsorglichkeit.

Ecclestone ist sich seiner Lage bewusst. Die Investmentfirma CVC werde als Formel-1-Eigner „wahrscheinlich gezwungen sein, mich loszuwerden, wenn die Deutschen mich holen“, vertraute Ecclestone jüngst einer britischen Zeitung an. Beteiligt am Fall Ecclestone ist CVC in mutmaßlich weitaus größerem Umfang. Denn der Brite soll Gribkowsky deshalb mit 44 Millionen Dollar bestochen haben, um den Verkauf der Formel 1 an CVC zu schmieren. So hat das zumindest Richter Noll gesehen. Ecclestone dagegen beteuert, von Gribkowsky erpresst worden zu sein. Der Banker habe gedroht, ihn bei britischen Steuerbehörden mit „Geheimwissen“ über die wahren Besitzverhältnisse in der Formel 1 anzuschwärzen. Das vermeintlich geheime Wissen sei aber längst vor britischen Gerichten bekannt geworden und nichts, womit man jemanden erpressen kann, hat Noll im Gribkowsky-Prozess erkannt.

Ecclestones Verteidiger bestreiten das und auch, dass ihrem Mandanten 2006 bewusst war, dass es sich bei Gribkowsky als Landesbanker um einen deutschen Amtsträger handelt. Dieser Status ist für eine Anklage vor einem deutschen Gericht entscheidend. Gribkowskys Geständnis sei eventuell nur taktisch gewesen, um sich ein milderes Urteil oder Hafterleichterung zu verschaffen, betont Scharf. Auf einen Eingang der Klageschrift ist er offenbar gut vorbereitet.

Von Thomas Magenheim-Hörmann

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