Edeka schluckt Spar: Höhere Einkaufsmacht lässt Preise fallen

- Hamburg - Edeka auf Einkaufstour: Monatelang hat der Handelsriese diskret verhandelt. Nun ist die Elefantenhochzeit perfekt. Deutschlands größer Lebensmittelhändler übernimmt den angeschlagenen Konkurrenten Spar.

<P>Edeka legt sich dabei mit der Kette Netto auch noch eine Discountschiene zu. "Wir haben damit für Edeka ein neues Kapitel mit glänzenden Perspektiven für die Zukunft aufgeschlagen", sagte Vorstandschef Alfons Frenk stolz.<BR><BR>Tatsächlich schlägt der Handelsriese bei seinem Coup zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen kann er seine Spitzenposition im deutschen Handel ausbauen und damit seine Einkaufsmacht stärken. Zum anderen gelingt es ihm spät, aber vielleicht nicht zu spät, im zukunftsträchtigen Discount-Bereich Fuß zu fassen.<BR><BR>Beides ist für den Handelsriesen umso wichtiger, weil er im Gegensatz zu den große Konkurrenten Rewe, Metro, Aldi oder Lidl nur über ein schwaches Auslandsstandbein verfügt. Während die Metro fast die Hälfte ihres Umsatzes im Ausland erwirtschaftet und der Konkurrent Rewe immerhin gut ein Viertel, sind es bei Edeka weniger als zehn Prozent. Dabei wird im Ausland heute mehr Geld verdient als in Deutschland.<BR><BR>Edeka aber ist auf Gedeih und Verderb dem von Konsumflaute und Preiskämpfen geprägten deutschen Markt ausgeliefert. Für den Gewinn sind vor allem gute Einkaufskonditionen wichtig. Noch bedeutender als die Übernahmen in Deutschland könnte daher für den Hamburger Handelsriesen die gleichzeitig mit dem bisherigen Spar-Eigentümer, der französischen Einzelhandelsgruppe ITM und der spanischen Eroski-Gruppe vereinbarte europäische Einkaufsallianz sein.<BR><BR>Das Bündnis repräsentiert nach eigenen Angaben einen Einzelhandelsumsatz von insgesamt 75 Milliarden Euro und ist damit stark genug, auch Großlieferanten wie Nestlé, Unilever oder Coca-Cola gute Konditionen abtrotzen. Das "Handelsblatt" sprach von der "größten Einkaufsmacht im europäischen Lebensmittelhandel".<BR><BR>Gute Einkaufspreise sind wichtig für die selbstständigen Edeka- oder Sparhändler. Wenn nun Edeka dank neuer Einkaufsmacht bessere Konditionen erwirtschaften kann, erleichtert das auch das Leben der Einzelhändler.<BR>Und es dürfte die Konsumenten freuen. Denn angesichts der anhaltenden Preiskämpfe dürfte ein großer Teil der Ersparnisse beim Einkauf weitergeben werden. "Zum Nachteil des Kunden wird das nicht sein", prophezeite etwa der Geschäftsführer des Hauptverbandes des deutschen Einzelhandels Holger Wenzel.<BR><BR>Mit der Übernahme von Netto gewinnt Edeka ein Stück Zukunftssicherheit. Denn die Discounter waren in den letzten Jahren die Erfolgsgeschichte im deutschen Einzelhandel. Aldi, Lidl und Co. haben sich inzwischen einen Umsatzanteil von 40 Prozent am Lebensmittelhandel gesichert und Experten gehen davon aus, dass er in absehbarer Zeit auf 50 Prozent steigen könnte. Wer auf diesem Markt nicht präsent ist, hat es schwer.</P>

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