Edeka-Tochter Marktkauf streicht 1000 Stellen

- Bielefeld - Marktkauf-Chef Stephan Schelo ist als Sanierer gefragt. Zwar ist er erst seit Mitte Juni im Amt, aber seinem Ruf wird er auch bei der Edeka-Tochter Marktkauf gerecht. Denn für das angeschlagene Handelsunternehmen schlägt die Stunde der Wahrheit.

1000 Vollzeitstellen sollen gestrichen werden, bis Ende September soll ein Sozialplan stehen. Bei 40 Prozent der Streichungen werde es sich um betriebsbedingte Kündigungen handeln, verlautete aus Aufsichtsratskreisen. Und: "Wir bauen mehr als 1000 Leute ab." Denn Marktkauf habe 26 000 Mitarbeiter bei 17 000 Vollzeitstellen. Das Unternehmen rechnet mit Millionenverlusten.

Daher beginnt der Ausverkauf. Lange war die Verlust bringende Baumarktsparte dafür im Gespräch, aber diese "war bis dato nicht zu verkaufen", hieß es im Aufsichtsrat. "Wir werden sie sanieren müssen, um sie überhaupt verkaufen zu können." Verkauft werden solle auch die Optiksparte Krane, die nach schweren Jahren wieder mit zweistelligen Zuwachsraten glänzt. "Für Apollo wäre das interessant, Fielmann hat abgelehnt", hieß es. Auch der Marktkauf-Markt in Moskau soll verkauft werden. Insgesamt zählen zu Marktkauf 180 Lebensmittelmärkte, 150 Baumärkte und 90 Krane-Optik-Fachgeschäfte.

Marktkauf-Sprecher Rainer Diermann wollte sich zu den Plänen nicht äußern. Am Konzept werde gearbeitet, eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Zuvor hatte er gesagt, in der Baumarkt-Sparte seien zu Jahresbeginn 300 Stellen, überwiegend Teilzeitstellen, abgebaut worden. Der Aufsichtsrat habe das Thema am 5. September auf der Tagesordnung. Laut Medienberichten sollen allein in Verwaltung und Logistik 300 bis 400 Stellen wegfallen.

Unlängst schrieb die "Lebensmittel Zeitung", Arbeitsdirektor Schelo, Ex-Chef der Spar Handels AG, habe "durchgreifende Maßnahmen" gefordert. Andernfalls drohe ein Verlust von 150 Millionen Euro. Das bestätigte der Aufsichtsrat. "Fakt ist, dass wir in einem knallharten Restrukturierungsprogramm sind." Und das nicht ohne Grund: Schelo erwartet laut eines Vortrags vor Führungskräften für das laufende Jahr Verluste von 33 bis 50 Millionen Euro, für 2007 rechnet er in den Sparten SB-Warenhaus und Baumärkte mit einem Verlust von mehr als 117 Millionen Euro.

Umsatz und Ergebnis liegen laut Unterlagen im ersten Halbjahr 2006 sowohl bei Baumärkten als auch SB-Warenhäusern unter Vorjahr und unter Plan. Der Umsatz der Warenhäuser sank von knapp 1,9 auf 1,87 Milliarden Euro. Das Ergebnis fiel von 14,1 auf minus 0,9 Millionen Euro, geplant waren 10,8 Millionen Euro. Bei den Baumärkten sank der Umsatz auf 433 Millionen Euro nach 465,5 Millionen Euro im Vorjahr. Das Ergebnis brach von minus 12,9 Millionen Euro im Vorjahr auf minus 35,1 Millionen Euro ein. Schon 2005 hatte die Edeka-Tochter Millionenverluste geschrieben. Bei einem Umsatz von 5,6 Milliarden Euro fiel ein Jahresfehlbetrag von 17,7 Millionen Euro an.

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