Eheleute haben die Wahl: Neue Steuerklasse kann Geld bringen

- Wer eine Hochzeit plant, muss sich trotz aller Romantik auch Gedanken über Geld machen. Gerade berufstätige Ehepaare sollten in regelmäßigen Abständen die Steuerklassen auf ihren Lohnsteuerkarten überprüfen. "Verheiratete Berufstätige sind die einzige Gruppe mit Steuer-Wahlrecht", sagt Wolfgang Wawro, Präsident des Steuerberaterverbandes Berlin-Brandenburg.

Optimale Klasse

Ehegatten werden grundsätzlich gemeinsam besteuert und können für den Lohnsteuerabzug zwischen den Steuerklassen-Kombinationen IV/IV und III/V wählen. Die Entscheidung hat Einfluss auf das ausgezahlte Nettoeinkommen. "III ist die optimale Klasse", erklärt Wawro. Mit einer ungünstigen Wahl verschenken die Eheleute in der Regel aber kein Geld. "Sie verlieren maximal den Zinsvorteil", sagt Harald Hafer vom Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine. Denn die endgültige Steuerzahlung kann mit dem Jahressteuerbescheid korrigiert werden. Da dieser jedoch manchmal seine Zeit dauert, sei es ein angenehmer Effekt, dass sofort monatlich weniger Steuern einbehalten werden, meint Wawro.

Verdienst-Gefälle

"Es gibt eine Faustregel", sagt Hans-Joachim Vanscheidt vom Bund der Steuerzahler. "Verdienen Ehegatten etwa gleich viel, ist die Wahl der Steuerklassenkombination IV/IV günstiger. Sind die Verdienste sehr unterschiedlich, sollte sich der Besserverdienende für Klasse III, der andere für V entscheiden." Zur genauen Bestimmung der Steuerklassen sollten sich Ehegatten die Tabellen zur Steuerklassenwahl besorgen, empfiehlt Vanscheidt. Sie sind bei der Finanzverwaltung und beim Bund der Steuerzahler erhältlich.

Lohnersatz zählt

Bei der Wahl der Kombination sollten die Ehegatten daran denken, dass die Steuerklassen auch die Höhe der Lohnersatzleistungen beeinflussen kann, da sich diese am zuletzt bezogenen Nettoarbeitslohn orientieren. Dazu zählen unter anderem Arbeitslosengeld, Unterhaltsgeld und Krankengeld. "Wer von Arbeitslosigkeit bedroht ist, sollte seine Steuerklasse deshalb erst nach ausführlicher Beratung wechseln", betont Hafer. Ist es offensichtlich, dass eine werdende Mutter die Steuerklasse nur wechselt, um ein höheres Mutterschaftsgeld zu bekommen, braucht der Arbeitgeber dem nicht zu folgen. Die Wahl der Steuerklassenkombination allein zur Erhöhung des Nettoentgeltes sei rechtsmissbräuchlich, erklärte das Bundesarbeitsgericht im Jahr 1991 (5 AZR 581/90).

Ehepartner Rentner

Ratsam kann ein Wechsel sein, wenn beide Ehepartner in den Klassen IV eingestuft sind und einer von beiden in Rente geht. Derjenige, der weiterhin arbeitet, sollte sich dann für Klasse III entscheiden, der Neu-Rentner gibt seine Steuerklasse ab. Auch wenn einer der Ehegatten fest angestellt ist und der Partner sich selbstständig macht, kann sich ein Steuerklassenwechsel lohnen. "Der Arbeitnehmer sollte Steuerklasse III wählen", empfiehlt Wawro. So gibt es eine höhere Nettoauszahlung. Der Selbstständige muss aber mit einer möglichen Steuernachzahlung rechnen.

Alleinerziehende

Alleinerziehende können sich in die Steuerklasse II einstufen lassen. Sie bekommen dabei einen Entlastungsbetrag in Höhe von 1308 Euro. "Grundvoraussetzung ist, dass im Haushalt mindestens ein Kind lebt, für das Anspruch auf Kindergeld beziehungsweise -freibetrag besteht", erklärt Vanscheidt. Für Kinder, die älter als 18 Jahre sind und noch zur Schule gehen, eine Lehre machen oder studieren, wird dabei verlangt, dass die Einkünfte und Bezüge des Kindes nicht mehr als 7680 Euro betragen.

Gemeinde aufsuchen

Für eine Änderung der Eintragung ist in der Regel die Gemeinde zuständig, von der die Lohnsteuerkarte ausgestellt wurde. Die Umstellung muss schriftlich beantragt werden. Der Antrag muss von den Ehepartnern gemeinsam gestellt werden und von beiden unterschrieben werden. Die Lohnsteuerkarten müssen vom Arbeitgeber vorübergehend zurückverlangt werden und dem Antrag beigelegt werden. Der Antrag auf Wechsel der Steuerklassen kann nur bis zum 30. November eines Jahres gestellt werden. Im Laufe eines Jahres kann die Steuerklasse grundsätzlich nur einmal geändert werden.

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