Ehemalige Staatsbanken auf Einkaufstour

- München - Zwar können private Banken in Deutschland nicht ohne weiteres öffentlich-rechtliche Landesbanken und Sparkassen übernehmen - dem stehen erhebliche juristische Hürden entgegen, die erst einmal beseitigt werden müssten. Aber umgekehrt sieht es anders aus. Die Öffentlich-Rechtlichen dürfen ungehindert Privatbanken aufkaufen, sofern sie das nötige Kleingeld haben und sie Kartell-, Aktienrecht oder sonstige Bestimmungen beachten. Und sie tun es auch.

"Das ist durchaus sinnvoll, etwa um sich im Ausland den Eintritt in einem Markt zu erschließen", sagt Peter Kulmburg von der Bayern LB in München. So habe sich das bayerische Institut, das je zur Hälfte dem Freistaat und den hiesigen Sparkassen gehört, über die MKB-Bank in Ungarn bei der ebenfalls privaten Konzum-Bank eingekauft.Der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), die bereits die private BW-Bank geschluckt hat, wird nun nachgesagt, Interesse an der HSBC Trinkaus & Burkhardt in Düsseldorf zu haben. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" finden zwischen der LBBW und dem Trinkaus-Mehrheitseigner, der britischen Großbank HSBC, bereits Gespräche über die Beteiligungsverhältnisse an dem Institut statt. Die LBBW erklärte in Stuttgart: "Wir nehmen zu diesem Bericht keine Stellung." Aus gut unterrichteten Kreisen war allerdings zu erfahren, dass die LBBW eine Erhöhung ihrer bisherigen Anteile möchte.Hintergrund der LBBW-Bemühungen ist, dass die Landesbank nur mit einem größeren Anteil Einfluss auf die Geschäfte der Privatbank hätte. Im Moment ist deren Geschäftsmodell ganz auf die Bedürfnisse des Mehrheitsaktionärs HSBC abgestimmt, Trinkaus für die LBBW eine reine Finanzbeteiligung, schreibt die Zeitung weiter. Nach dem Aktienkurs ergebe sich für die gesamte Bank ein Wert von rund zwei Milliarden Euro. Die nordrhein-westfälische West LB hatte gerade erst beschlossen, wesentliche Teile der Weberbank zu übernehmen.Ob die HSBC tatsächlich ihre Anteile an Trinkaus verkaufen oder der südwestdeutschen Landesbank entscheidende Mitspracherechte einräumen würde, ist fraglich. Bei einem Ausstieg verlören die Briten ihre Präsenz in Deutschland, zitiert die Financial Times einen anonymen Banker. Im Privatbanksektor herrscht wenig Freude über das Ungleichgewicht bei der Möglichkeit von Übernahmen.

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