Ehepaare: Wem nach der Heirat was gehört

Der Mai ist der bliebteste Monat für Hochzeiten. Doch wer sich beim Standesamt das Jawort gibt, sollte sich schon vorher über die finanziellen Folgen Gedanken machen.

Wer seinem Partner verliebt das Ja-Wort gibt, denkt selten an die finanziellen Folgen. Spätestens bei der Steuererklärung, einer Erbschaft oder bei Verschuldung taucht die Frage auf, was ist meins, was ist deins und was ist unsers?

Steuer: Nur begrenzte Vorteile

Ehepartner können sich entscheiden, ob sie sich getrennt oder zusammen besteuern lassen. „Bei einer gemeinsamen Veranlagung wird der Lohn der Eheleute erst addiert und dann halbiert“, erklärt Markus Deutsch vom Deutschen Steuerberaterverband. Jeder versteuert das halbe Gesamteinkommen. Dieses Splitting wurde 1958 eingeführt, um eine höhere Steuerbelastung für die Partner nach einer Eheschließung zu vermeiden. Beispiel: Ein Partner verdient 45 000 Euro in Jahr, der andere 25 000 Euro. Abzüglich verschiedener Pauschalen bleibt ein gemeinsames zu versteuerndes Einkommen von knapp 60 000 Euro – 30 000 pro Partner. Diese werden versteuert mit jeweils 5515 Euro, zusammen 11 030 Euro. Das Ehepaar spart 349 Euro. Denn bei getrennter Besteuerung würde der Mehrverdiener 8433 Euro Steuern zahlen, der wenig verdienende Partner nur 2946 Euro. „Der Vorteil wird geringer, je niedriger die Differenz zwischen den Einkommen der Partner ist“, sagt Anita Käding vom Bund der Steuerzahler. Verdienen beide das Gleiche, sei der Vorteil null.

Wahl der Steuerklasse

Nach der Hochzeit ändert sich auch die Steuerklasse. Verheiratete dürfen wählen. Entweder entscheiden sie sich für die Klasse III in Kombination mit Steuerklasse V oder beide bekommen Steuerklasse IV. „Wenn beide Partner fast das Gleiche verdienen, ist Steuerklasse IV für beide am sinnvollsten, hat einer mehr als 60 Prozent und der andere weniger als 40 Prozent des gesamten Bruttoeinkommens ist Steuerklasse III für den besser Verdienenden und Steuerklasse V für den anderen zu empfehlen“, sagt Caroline Kistler vom Interessenverband Unterhalt und Familienrecht (ISUV).

Kostenlos mitversichert

Eine spürbare finanzielle Entlastung ergibt sich in vielen Fällen bei den gesetzlichen Krankenkassen. Ist ein Ehepartner dort versichert, kann der Ehepartner ohne eigenen Beiträge mitversichert werden – allerdings nur, wenn er selbst nicht arbeitet oder allenfalls geringfügig beschäftigt ist.

Wann ein Ehevertrag sinnvoll ist

Wie die finanzielle Situation im Falle einer Erbschaft, einer Schenkung oder eines Firmenverkaufs aussieht, hängt mit dem Güterstand zusammen. Wer nichts tut gehört mit der Heirat einer Zugewinngemeinschaft an. „Gütergemeinschaft und Gütertrennung müssen in einem Ehevertrag vom Notar beurkundet werden“, sagt Kistler.

-Bei der Gütergemeinschaft werfen die Ehepartner alles in einen Topf.

-Bei der Gütertrennung bleibt Vermögen, Besitz und Einkommen der Eheleute auch nach der Heirat strikt getrennt.

-Im Fall der Zugewinngemeinschaft gehört jedem, was er in die Ehe mitbringt. Was im Lauf der Ehe von den Partnern erwirtschaftet wurde, in einen gemeinsamen Topf. Dazu zählen auch Zinsen oder der Wertzuwachs des Hauses, das einem gehört. Bei einer Trennung wird beim Zugewinn halbe-halbe gemacht. Ausgenommen sind Schulden. „Der Ehepartner haftet nur, wenn er auf dem Darlehensvertrag mit unterschrieben hat“, betont Kistler. Auch Schenkungen und Erbschaften an einen der beiden Ehepartner werden getrennt behandelt. Früher wurde ein Ehevertrag meist genutzt, um Ansprüche des finanziell schwächeren Partners zu begrenzen, heute wird er oft auch eingesetzt, um dessen Versorgung zu sichern.

Anspruch auf Unterhalt sichern

„Der gesetzliche Güterstand der Zugewinngemeinschaft bietet nur noch eine Grundsicherheit“, erklärt die Finanzberaterin Constanze Hintze, weil der Gesetzgeber die Unterhaltspflichten stark begrenzt hat. „Jede Frau, die heute heiratet und Kinder plant, sollte einen Ehevertrag abschließen“, rät die Familienrechts-Expertin Heike Dahmen-Lösche. Denn laut Gesetz haben Mütter keine eigenen Unterhaltsansprüche mehr gegen den Ex-Ehemann, sobald ihr Kind drei Jahre alt ist. „Verlangen Sie, dass Sie Unterhalt bekommen, bis das Kind die Grundschule beendet hat“, empfiehlt die Expertin. Hintze rät außerdem, zu vereinbaren, dass ein zusätzlicher Altersvorsorgevertrag auf den Namen desjenigen abgeschlossen wird, der die Kindererziehung übernimmt.

Das eigene Vermögen retten

Sinnvoll ist der Ehevertrag nach wie vor für Paare mit ungleichen Vermögensverhältnissen – etwa wenn ein Partner vermögend ist oder hohe Schulden mit in die Ehe einbringt. Auch Unternehmer oder Ehepartner, die im Begriff sind, eine Firma zu gründen, sollten einen Ehevertrag abschließen. „Eine Pauschallösung für diese Fälle gibt es allerdings nicht“, sagt Mathias Grandel, Fachanwalt für Familienrecht. Paare sollten individuelle Beratung suchen. Nicht immer ist die Gütertrennung der beste Weg. Oft helfe es schon, die Zugewinngemeinschaft zu modifizieren.

„Wenn beide Partner genau wissen, was sie wollen, können sie gemeinsam einen Anwalt aufsuchen“, so Rottmann. Ist man sich nicht einig oder nicht sicher, was man im Ehevertrag geregelt haben möchte, fährt man mit getrennten Anwälten besser. Am Weg zum Notar führt aber kein Weg vorbei. Der Ehevertrag muss notariell beurkundet werden. Durchschnittsverdiener ohne nennenswertes Vermögen zahlen dafür etwa 250 Euro.

Beate Kaufmann und Nadia-Maria Chaar

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