Erstmals seit sieben Jahren mehr Lehrstellen als Bewerber

Nürnberg/Berlin - Auf dem deutschen Ausbildungsmarkt klafft erstmals seit sieben Jahren keine Lehrstellenlücke mehr. Zum Beginn des Ausbildungsjahres im September gab es nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) rein rechnerisch annähernd 5000 Lehrstellen mehr als Bewerber.

Den 14 900 unvermittelten Jugendlichen standen 19 500 unbesetzte Lehrstellen gegenüber. Dies geht aus der am Montag in Berlin veröffentlichten Lehrstellenbilanz der Bundesagentur hervor.

"Die Zahlen zeigen, dass das starke Engagement der Partner des Ausbildungspakts sich auszahlt", heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung von Bundesagentur, Handwerk, Arbeitgeberverbänden und Bundesregierung. Die bei Verlängerung des Paktes im März 2007 noch einmal erhöhten Ziele seien mit der "Einwerbung" von 68 300 neuen Ausbildungsplätzen und 42 700 neuen Ausbildungsbetrieben bereits jetzt erfüllt.

BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker betonte, Ursache für die Entspannung sei neben dem bislang guten konjunkturellen Umfeld auch die sinkende Zahl der Schulabgänger. Inzwischen könne - wenn man die rund 40 000 Plätze für berufliche Einstiegsqualifizierungen mitzähle - jedem Jugendlichen mindestens ein Angebot unterbreitet werden.

Nach BA-Angaben wurden von Oktober 2007 bis September 2008 den örtlichen Arbeitsagenturen 511 600 betriebliche und 78 900 außerbetriebliche Ausbildungsplätze gemeldet. Allein die Zahl der betrieblichen Lehrstellen sei damit um 10 400 gestiegen. Dem hätten 620 200 Bewerber gegenübergestanden; dies seien 113 800 weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Industrie, Handel und Handwerk sowie Freiberufler haben nach Verbandsangaben bis zum 30. September 539 560 Ausbildungsverträge abgeschlossen; dies seien 9 200 oder 1,7 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die meisten Lehrlinge stellten mit 343 259 Neuverträgen Industrie und Handel (plus 3,5 Prozent) ein, gefolgt vom Handwerk mit 153 081(minus 1,6 Prozent). Allerdings gebe es beträchtliche regionale Unterschiede.

Angesichts des Fachkräftemangels sprachen sich die Partner des Ausbildungspaktes dafür aus, die Durchlässigkeit zwischen Betrieben und Ausbildung an den Hochschulen zu verbessern. So müssten beruflich Qualifizierte einen leichteren Zugang zu Hochschulen erhalten. Ein Teil der Berufserfahrung solle auf ein Studium angerechnet werden. In den Schulen solle die Berufsorientierung verbessert werden.

dpa

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