"Ehren-Betriebsrat" Pierer unter Druck

- München - Bei der Halbjahres-Pressekonferenz in Erfurt vor zwei Jahren hatte die Arbeitnehmervertretung des dortigen Werks Siemens-Chef Heinrich von Pierer zum "Betriebsrat ehrenhalber" ernannt. "Ich bin jetzt unkündbar für die nächsten drei Jahre", sagte er belustigt. Inzwischen schlägt ihm ein rauer Wind entgegen.

<P>Auf einer Betriebsversammlung in eben diesem Erfurter Werk musste Pierer zuletzt Überlegungen verteidigen, Stellen ins Ausland zu verlagern. "Ich verstehe, dass die Leute besorgt sind", sagte er. Auf der heutigen Halbjahres-Pressekonferenz in München ist neben dem Streit um die Arbeitsplätze zudem das Desaster um die Niederflur-Straßenbahnen "Combino" Thema.<BR><BR>Vor allem die IG Metall läuft Sturm gegen die Unternehmensführung. Pierer hatte mit der Verlagerung oder Streichung von bis zu 5000 Arbeitsplätzen gedroht, falls die Kosten in einigen deutschen Werken zum Beispiel über unbezahlte Mehrarbeit nicht massiv gedrückt werden. Die IG Metall sieht sogar noch weit mehr Stellen bedroht. Bei Arbeitnehmervertretern war von Erpressung und Profitgier die Rede. Derzeit laufen Verhandlungen zwischen Konzernführung und Arbeitnehmervertretern.<BR><BR>Insgesamt sind die Experten zuversichtlich. Analysten rechnen mit einem steigenden operativen Ergebnis der Bereiche von etwa 1,2 Milliarden Euro. Der Umsatz könnte bei gut 18 Milliarden Euro stagnieren. "Wir glauben, dass Siemens sehr gut positioniert ist, um von einer breiten Konjunkturerholung zu profitieren", heißt es in einer Studie der DZ Bank. </P><P>Gedrückt wird der Gewinn in jedem Fall von dem "Combino"-Ärger. Siemens hatte nach Problemen mit Wagenkästen ältere Straßenbahnen dieses Typs aus dem Verkehr gezogen. Siemens hat bisher Rückstellungen von knapp 200 Millionen Euro angekündigt. Es sei aber vom Unternehmen zu hören, dass keine verlässliche Schätzung über den Gesamtschaden möglich sei, da noch keine Lösung gefunden ist, erklärten die Analysten von Dresdner Kleinwort Wasserstein.</P>

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