Das Eigenheim wird wieder teurer

München - Die goldenen Zeiten am Baufinanzierungsmarkt sind erst einmal vorbei. Mit dem stetigen Aufwärtstrend bei den langfristigen Kapitalmarktzinsen ist Baugeld spürbar teurer geworden. Für Darlehen auf 10 Jahre müssen derzeit statt um die 4 wieder gut 5 Prozent Zinsen bezahlt werden - im Schnitt.

Die Zinsen steigen

Die Traumkonstellation bei Hypothekenkrediten, die mit unter 4 Prozent so billig wie nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik waren, "kommt wahrscheinlich so schnell nicht wieder zurück", ist Jörg Sahr überzeugt, Finanzierungsexperte von "Finanztest". Fachleute rechnen mit weiteren Leitzinsanhebungen der Europäischen Zentralbank. Wer sich Geld für Hausbau oder Immobilienkauf leihen will, sollte sich daher mittelfristig auf zunehmend kostspielige Hypothekenzinsen einstellen, sagt auch Josephine Holzhäuser von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

Beispiel-Rechnung

Beispiel: Erhöhen sich bei einem Kredit über 200 000 Euro die Zinsen um 0,5 Prozent, muss eine jährliche Mehrbelastung von etwa 1000 Euro geschultert werden. Über lange Laufzeiten von 10 bis 15 Jahren verteuert sich da ein Darlehen schnell um fünfstellige Beträge.

Auch Preise steigen

Zugleich ziehen momentan die Preise für Immobilien wieder an. Nach Jahren der Flaute sind selbst genutzte Wohnungen und Eigenheime vor allem in Ballungsräumen um 2 bis 3 Prozent teurer geworden, sagt Jürgen Michael Schick, Sprecher des Immobilienverbands Deutschland. "Der Sprung ins Eigenheim macht zurzeit Sinn für den, der sich's leisten kann." Deutliche Preissteigerungen müssten zudem Kapitalanleger hinnehmen, betont Schick. "Das Risiko, dass Zinsen und Preise davongaloppieren, ist momentan nicht von der Hand zu weisen", meint Verbraucherschützer Sahr.

Nicht spekulieren

Wer jetzt noch günstig ins Eigenheim will, sollte nicht auf bessere Zeiten spekulieren. Obwohl die Zinskurve wieder deutlich nach oben geht, haben Häuslebauer oder Wohnungskäufer nach wie vor gute Chancen auf einen vergleichsweise günstigen Kredit. Der Hypothekenzins liegt trotz Verteuerung immer noch unter dem langjährigen Durchschnitt, betont Kerstin Altendorf vom Bundesverband deutscher Banken (BdB). "Im historischen Vergleich kann man die heutigen Zinsen weiterhin günstig nennen."

Konditionen sichern

Wer jetzt zugreifen und Immobilienbesitzer werden will, sollte den Verbraucherschützern zufolge den momentan noch günstigen Zins recht lange festzurren - mindestens auf 10, möglichst auf 15 Jahre. "Die 5-jährigen Laufzeiten meiden, auch wenn Zinssatz sowie monatliche Belastung auf den ersten Blick günstiger ausfallen", empfiehlt Sahr.

Auch BdB-Sprecherin Altendorf hält die Risiken bei einem Festzins von 15 Jahren für grundsätzlich besser kalkulierbar. Denn trotz so langer Festschreibung kann der Schuldner den Kredit nach 10 Jahren immer ohne Folgekosten kündigen, sollten die Zinsen dann gesunken sein. Ist die Baufinanzierung dagegen teurer als im Moment, kann sich der Häuslebauer über weitere fünf Jahre zu günstigen Konditionen freuen. Für den vorzeitigen Ausstieg nach 10 Jahren muss keine Vorfälligkeitsentschädigung gezahlt werden.

Die Bank hingegen kann aus einem 15-Jahres-Vertrag nicht heraus und in der nächsten Hochzinsphase plötzlich mehr verlangen.

Kein Grund zur Hektik

Josephine Holzhäuser rät davon ab, nur wegen steigender Zinsen jetzt unüberlegt ein Haus zu kaufen. "Nicht in Hektik verfallen", sagt die Verbraucherschützerin. Das Objekt müsse stimmen, genug Eigenkapital und eine tragfähige Finanzierung vorhanden sein.

Häuslebauer, bei denen in zwei bis drei Jahren die Zinsbindung eines teuren Altkredits ausläuft, können sich die derzeit noch günstigen Zinsen von heute für später sichern. Und zwar mit einem sogenannten Forward-Darlehen, für das monatliche Zinsaufschläge von etwa 0,01 bis 0,02 Prozentpunkte bezahlt werden müssen.

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