"Eigeninitiative wird immer wichtiger"

- München - Der Tag der Ausbildung am kommenden Montag wird heuer kein guter Tag: Bundesweit herrscht Lehrstellenknappheit, die Ämter melden Rekordarbeitslosigkeit bei Berufsanfängern. Um Lösungsansätze zu finden, hat der "Bund der Selbständigen" (BDS) mittelständische Unternehmen zur Ausbildungssituation in Bayern befragt.

<P>Bei ihnen könne man am besten herauszufinden, wie sich die Lage entschärfen lässt, meint BDS-Präsident Fritz Wickenhäuser: "Schließlich stellen diese Firmen fast 83 Prozent der Ausbildungsplätze."</P><P>Von 16 000 Unternehmen nahmen 550 an der Umfrage teil, und die Ergebnisse sind zum Teil überraschend: "Besonders erstaunte uns, dass die Arbeitsämter bei der Vergabe der Lehrstellen offenbar nur eine untergeordnete Rolle spielen", betont der Münchner BDS-Geschäftsführer Thomas Schörg. Gerade mal 34 Prozent der Betriebe gaben an, über die Ämter ihre Lehrlinge zu suchen.<BR>"Dagegen sagten 61 Prozent der Firmen, die Eigeninitiative der Ausbildungs-willigen sei besonders wichtig", sagt Schörg. Im Klartext: Wer persönlich im Betrieb aufkreuzt und sich um eine Stelle bemüht, verbessert seine Chancen.</P><P>Auch in schlechten Zeiten wie diesen: 22 Prozent der befragten Betriebe hatten noch Lehrstellen offen, insgesamt 213. "Ob Optiker, Bäcker, Baukeramiker, Industriekaufmann, Maurer, Schreiner oder Steuerfachangestellter _ alles ist da noch dabei", zählt Schörg auf.</P><P>An den Ideen der Regierung, die Ausbildungsmisere in den Griff zu bekommen, übt der Verband zum Teil große Kritik: "Wenn man laut darüber nachdenkt, bei Betrieben, die nicht ausbilden, eine Ausbildungsabgabe zu erheben, ist das falsch und schafft nur teure Bürokratie", meint Wickenhäuser. "In der Baubranche führte man sie 1987 ein. Mit der Folge, dass bis 2002 allein bei Hoch-Tief-Bau 42 000 Lehrstellen verlorengingen."</P><P>Das Problem sei momentan nicht unbedingt, dass die Unternehmen nicht ausbilden wollen, ergänzt Schörg: "Vielen Betriebe ist das einfach nicht mehr möglich _ weil sie zusperren müssen."</P><P>Der BDS empfiehlt, die Vernetzung zwischen Schulen, Eltern und Wirtschaft auf lokaler Ebene zu fördern: "So lassen sich wertvolle Kontakte knüpfen und die jungen Leute werden besser auf den Beruf vorbereitet." </P><P>Außerdem sollten durch staatliche Förderung die Kosten gesenkt werden, fordert Wickenhäuser: "Momentan kostet eine Ausbildung den Betrieb im Jahr netto 8705 Euro. Das ist in der derzeitigen Lage oft zu viel."</P>

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