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Ulrike Scharf, bayerische Umweltministerin, verspricht Mitgliedern Vorteile

 Freiwilligkeit statt Zwang durch "kooperativen Umweltschutz"

Bayerischer Umweltpakt : „Ein Handschlag der Verantwortung“

München - Dem auslaufenden Pakt gehörten mehr als 4200 Unternehmen an. Für den neuen Pakt haben sich bisher 100 Betriebe gemeldet. Neben dem Einsatz für den Umweltschutz winken teilnehmenden Unternehmen handfeste Vorteile.

Die Wiesn ist eigentlich nicht der Ort, an dem man den sparsamen Umgang mit Ressourcen pflegt. Aber auch dort macht man sich Gedanken um die Umwelt. Im Rahmen des Umweltpakts Bayern haben sich viele Wiesnwirte selbst verpflichtet, bestimmte Standards einzuhalten: Kein Plastikgeschirr, effiziente Heiztechnik, wassersparende Spühlmaschinen. Kontrolleure prüften heuer während der Festzeit – und am Ende bekamen alle großen Wirte ein Gütesiegel.

Wer sich selbst verpflichtet, wird belohnt: Seit 20 Jahren ist das das Prinzip des Umweltpakts. Heute geht die freiwillige Vereinbarung zwischen Staatsregierung und Wirtschaft, die alle fünf Jahre erneuert wird, in die fünfte Runde. Im Kaisersaal der Münchner Residenz wird sie neu besiegelt. Neben Ministerpräsident Horst Seehofer, Wirtschaftsministerin Ilse Aigner und Umweltministerin Ulrike Scharf (alle CSU) unterschreiben Spitzenvertreter der Wirtschaft. Scharf spricht von einem einem „Handschlag der Verantwortung.“

Dem auslaufenden Pakt gehörten mehr als 4200 Unternehmen mit insgesamt 650 000 Mitarbeitern an. Darunter waren Konzerne wie Audi und BMW, aber auch Mittelständler und Kleinbetriebe. „Es gibt viele Unternehmen, die von sich aus mehr tun wollen, als nur die strengen gesetzlichen Vorgaben einzuhalten“, sagt Aigner.

Für den neuen Pakt haben sich bisher 100 Betriebe zur Erstunterzeichnung gemeldet. Jeder muss Vorschläge machen, wie er seinen Bereich umweltfreundlicher gestalten möchte. Darunter sind oft kleine Vorhaben – Fassadensanierungen, effizientere Abwasseranlagen, neue Fenster. Der Bayerische Industrie- und Handelskammertag will in Ballungsräumen Lastenfahrräder zur Verfügung stellen, mit dem kleine Unternehmen Transporte erledigen können. Eines der größten Projekte: Der Lkw-Bauer MAN hat sich verpflichtet, an seinen Produktionsstandorten in München und Nürnberg 25 Prozent CO2 einzusparen. In der Staatsregierung sieht man sich bestätigt. Freiwilligkeit sei oft besser als gesetzlicher Zwang, meint Scharf. Sie spricht von „kooperativem Umweltschutz“.

Doch der Idealismus ist nur die eine Seite. Den Unternehmen winkten auch handfeste Vorteile, wenn sie den Pakt unterzeichnen. Zum einen der Imagefaktor. „Für die Unternehmen ist das auch im Wettbewerb ein Vorteil, wenn sie mit dem Umweltsiegel werben können“, sagt Aigner. Das Motto: Tue Gutes und rede darüber. Zum anderen räumen die Behörden ihnen auch Vorteile ein. In Genehmigungsverfahren können sie Gebühren sparen. Sie werden auch nicht mehr so streng kontrolliert. „Wir sagen: Sei umweltbewusster, sei naturschonender, dann bekommst du auch handfeste Vorteile“, verspricht Scharf.

Diese Praxis hat der Staatsregierung allerdings auch Kritik eingebracht. Umweltverbände kritisieren Vereinbarungen wie den Umweltpakt als „Greenwashing“. Unternehmen dürften sich ein Siegel anheften, ohne dass wirklich klar sei, was die Maßnahmen tatsächlich bringen. Zudem bestehe die Gefahr, dass Unternehmen die laxeren Kontrollen missbrauchten.

Vor Jahren hatte tatsächlich mal ein krimineller Recycling-Unternehmer aus Krailling im Landkreis Starnberg Schlagzeilen gemacht, der sich im Umweltpakt engagiert hatte. Seine Firma sei aber nie formell Mitglied im Pakt gewesen, heißt es im Umweltministerium. Es habe in all den Jahren nur einen einzigen Fall gegeben, in dem ein Unternehmen die Mitgliedschaft abgeben musste. Scharf betont die Erfolge. Noch vor 25 Jahren seien wichtige Rohstoffe in Bayern nur zu 30 Prozent wiederverwertet worden. Heute würden 70 Prozent recycelt. Das sei auch ein Verdienst des Umweltpaktes.

Die Fakten zum Umweltpakt

Der Umweltpakt ist eine Vereinbarung zwischen Staatsregierung und Wirtschaft und wurde 1995 unter dem damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber gegründet. Mitglied können Einzelunternehmen, Verbände und sonstige Einrichtungen der Wirtschaft werden. Voraussetzung ist, dass sie bereit sind, Umweltleistungen zu erbringen, die über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinausgehen. Sie müssen zudem über ein zertifiziertes oder validiertes Umweltmanagementsystem nach EMAS oder ISO 14001 verfügen. Dafür können sie mit dem Logo des Paktes werben, bekommen bestimmte Gebühren erlassen und werden weniger streng kontrolliert. Weitere Informationen gibt es unter www.umweltpakt.bayern.de.

Til Huber

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