Einbruch der Porsche-Aktie

- Stuttgart/Wolfsburg - Der geplante Einstieg bei Volkswagen hat die Aktie des erfolgsverwöhnten Sportwagenherstellers Porsche am Montag an der Börse auf eine rasante Talfahrt geschickt. Die Papiere sanken bis Börsenschluss um 10,4 Prozent auf 607,42 Euro. Führende Banken zweifelten an den von Porsche genannten strategischen Vorzügen einer Partnerschaft mit Europas größtem Autokonzern. Gelobt wurde dagegen die Perspektive für VW. Die Aktie von VW gab bis Börsenschluss dennoch leicht um 0,6 Prozent auf 51,55 Euro nach.

Auch Aktionärsschützer und Politiker begrüßten den Plan von Porsche, einen Anteil von 20 Prozent an VW zu übernehmen. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) sagte, dadurch seien keine Arbeitsplätze bei Volkswagen in Deutschland gefährdet. Niedersachsen ist bisher mit 18,2 Prozent der Stammaktien größter Anteilseigner von VW.

Porsche verlor im Laufe des Montags rund eine Milliarde Euro an Marktwert. Ein Unternehmenssprecher sagte dazu: "Wir waren von diesem Einbruch nicht überrascht." Der Börsenwert der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG hatte am vergangenen Freitag bei einem Kurs von 670 Euro für die Stamm- und Vorzugsaktien zusammen bei 11,7 Milliarden Euro gelegen. Am Montagmittag lag der Porsche-Kurs im Schnitt bei 610 Euro, der Börsenwert betrug 10,7 Milliarden Euro.

Mit dem Einstieg solle VW vor einer feindlichen Übernahme geschützt und fruchtbare Partnerschaft langfristig gesichert werden, hatte Porsche am Sonntag mitgeteilt. Derzeit schützt das so genannte VW-Gesetz den Wolfsburger Autobauer vor einer feindlichen Übernahme. Die EU-Kommission klagt jedoch gegen das Gesetz.

Niedersachsens Ministerpräsident Wulff, der auch Aufsichtsrat bei VW ist, sagte der dpa, der Einstieg von Porsche stütze den "notwendigen Reformkurs" bei Volkswagen. "Letztlich bedeutet der Einstieg, dass wir mit einen großen befreundeten Aktionär über strategische Ziele reden können, gegenüber anonymen ausländischen Finanzinvestoren, deren Absichten wir nicht kennen." Volkswagen fährt derzeit einen harten Sparkurs.

Porsche sei das Autounternehmen in Deutschland, das am stärksten darauf Wert legt, im Lande zu produzieren und auch den Betriebsrat stark in den unternehmerischen Erfolg mit einbeziehe, sagte Wulff. Niedersachsen stehe weiterhin in vollem Umfang zu seiner Beteiligung, versicherte er. Eine Kapitalerhöhung sei nicht beabsichtigt.

Porsche hält derzeit nach eigenen Angaben noch weniger als fünf Prozent an VW. 20 Prozent der stimmberechtigten VW-Stammaktien würden nach aktuellen Berechnungen mehr als drei Milliarden Euro kosten. Wie Porsche auf insgesamt 20 Prozent der VW-Aktien kommen will, war am Montag unklar. Analysten halten es jedoch für denkbar, dass Porsche über Partner indirekt doch bereits VW-Aktien aus dem Streubesitz erworben hat.

Aktionärsschützer bewerteten den geplanten Einstieg von Porsche bei Volkswagen positiv. "Die Anleger profitieren zum einen durch die günstige Kursentwicklung. Zum anderen ist nun ein Großaktionär im Boot, der dem angestoßenen Prozess der Veränderung bei VW noch mehr Dynamik verleiht", sagte der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertbesitz, Jürgen Kurz. Porsche werde starken Druck ausüben, damit VW wieder gute Gewinne erwirtschafte. Für Porsche sei der Einstieg auf Grund der bisherigen Zusammenarbeit strategisch eine richtige Entscheidung.

Analysten kritisierten vor allem, dass Porsche für den Einstieg fast alle Rücklagen auf einen Schlag aufbrauchen werde. Für die Aktionäre sei damit mittelfristig der Traum einer Sonderdividende oder eines Aktienrückkaufprogramms ausgeträumt.

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen sprach dagegen von einer sinnvollen Investition. Etwa ein Drittel des Porsche-Geschäfts hänge schon jetzt mit VW zusammen, sagte Dudenhöffer der Internet-Redaktion des "Handelsblattes". Der Einstieg bei VW bietet Porsche die Sicherheit, dass ein wichtiger Partner besser vor Übernahmen geschützt sei. Eine Investition von Porsche in andere Projekte, wie zum Beispiel eine fünfte Baureihe halte er für unsinnig.

Der Porsche-Coup beschäftigt auch die Börsenaufsicht BaFin. Der starke Kursanstieg der VW-Aktie in der vergangenen Woche werde zunächst routinemäßig untersucht, sagte eine Sprecherin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht in Bonn. Es werde auch geprüft, ob Porsche möglicherweise zu spät in einer Pflichtmitteilung über den Übernahmeplan informiert habe.

Bei VW stand unterdessen eine weitere wegweisende Entscheidung bevor. Am späten Montagnachmittag begann in Wolfsburg die entscheidende Verhandlungsrunde über den Produktionsstandort für den neuen Golf-Geländewagen. Die VW-Spitze hat damit gedroht, den Wagen nicht wie geplant im Stammwerk Wolfsburg, sondern in Portugal zu bauen, wenn Betriebsrat und Gewerkschaft nicht zu Zugeständnissen bei den Personalkosten bereit sind. Es wurde damit gerechnet, dass sich die Verhandlungen bis in die Nacht hineinziehen könnten. Sie gelten als wegweisend für die künftige VW-Produktion in Deutschland.

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