Eine Branche kommt auf den Hund

München - Tierarztrechnungen können richtig ins Geld gehen: Impfungen, Wurmkuren, Pillen, Verbände schlagen schnell mit einigen hundert Euro zu Buche. Spezielle Versicherungen versprechen neuerdings Abhilfe. Doch sind sie wirklich sinnvoll?

Muss die Hornhautverletzung bei Kater "Maunzerle" genäht werden, sind um die 400 Euro fällig. Die Operation nach dem schlimmen Bandscheibenvorfall bei Hundedame "Ella" kann um die 1500 Euro kosten. Je moderner die künstlichen Gelenke, Tumormedikamente oder die Computertomografie für die vierbeinigen Lieblinge, desto mehr geht es an den Geldbeutel von Frauchen und Herrchen.

Spezielle Tierkrankenpolicen offerieren Schutz vor hohen finanziellen Risiken. Was in den USA, England oder Schweden längst boomt, steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Jetzt ist die Versicherungsbranche auch hierzulande auf den Hund gekommen. Die Zahl der Anbieter wächst. Ab Mitte Juli will Deutschlands größter Versicherer, die Allianz, den Markt aufrollen. Das Potenzial scheint enorm zu sein. Von den schätzungsweise 14 Millionen Hunden und Katzen in deutschen Haushalten sind offenbar gerade einmal eine Viertelmillion krankenversichert.

Schutz für Tiere "weniger wichtig"

Wer sich für die Absicherung seines Haustiers interessiert, sollte allerdings erst einmal selbst optimal versichert sein, rät Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten (BdV). Die Tierkrankenversicherung sei eine "weniger wichtige Police". Auch Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale betont: "Eine private Haftpflicht oder Sparen fürs Alter hat Priorität." Nur, wenn Geld im Monat übrig sei, sei an eine Police für den Vierbeiner zu denken.

Rundum-Police ab 15 Euro

Krankenversicherungen für Tiere sind ab 15 Euro im Monat zu haben. Je nach Tier, Alter und Deckungsumfang, mit oder ohne Selbstbehalt, inklusive oder exklusive Kostendeckelung kann der Preis erheblich höher sein. Für einen dreijährigen Rauhaardackel muss der Besitzer beispielsweise etwa 40 Euro monatlich einkalkulieren. Ein Berner Sennenhund, der als besonders anfällig für Gelenkerkrankungen gilt, kommt teurer zu stehen. Versicherungen für Pferde sind noch kostspieliger.

Eine abgespeckte, reine Operationskostenpolice für Hund und Katz' ist immer deutlich günstiger zu bekommen, etwa ab 5 Euro.

Aber aufgepasst: Je billiger der Vertrag, desto eingeschränkter die Leistung. Wer nicht genau aufs Kleingedruckte achte, bleibe im Endeffekt doch wieder auf einem Teil der Rechnung sitzen, warnt Versicherungsexperte Rudnik. Junge Vierbeiner sind günstiger zu versichern als betagte. Einige Versicherer nehmen Hunde ab acht Jahren nicht mehr. Anfällige, bereits erkrankte Tiere werden so gut wie nie akzeptiert.

Damit die Police nicht für die Katz' ist, sollte Folgendes beachtet werden: Die OP-Versicherung deckt bei den meisten Anbietern in der Regel Eingriffe unter Narkose nach Unfall oder Krankheit ab. Inbegriffen sind auch noch die Ausgaben für den letzten Untersuchungstag vor der Operation, für stationäre Unterbringung und Nachbehandlung. Eine Sterilisation oder Kastration muss der Tierhalter dagegen selbst bezahlen, genauso wie Impfungen. Verbraucherschützerin Weidenbach rät, darauf zu achten, bis zu welchem Betrag die OP-Kosten übernommen werden. Viele Verträge sind gedeckelt. Kostet das Behandeln des gebrochenen Oberschenkels beim Haustier beispielsweise mehr als 1400 Euro, muss Herrchen den Rest aus eigener Tasche drauflegen.

Begleitung im Trauerfall

Die umfassendere Krankenversicherung deckt meist ambulante und stationäre Behandlungen ab. Auch Vorsorgemaßnahmen wie Parasitenbehandlung sind häufig drin. Neue Offerten bieten sogar Ernährungstipps, eine 24-Stunden-Hotline sowie Beratung im Trauerfall. Dennoch muss auch hier auf finanzielle Obergrenzen geachtet werden, so Rudnik vom BdV. So dürfen die Kosten für Arznei, Röntgen, Labor und Eingriffe bei einem Anbieter beispielsweise nicht mehr als 600 Euro im Jahr übersteigen. Außerdem: Die meisten Versicherer zahlen nur bis zum zweifachen Satz der Gebührenordnung, während viele Tierärzte zum dreifachen Satz abrechnen. Den Rest muss der Halter drauflegen.

Alternative privat sparen

"Abwägen, ob man in der Lage ist, monatlich viel Geld für einen keinesfalls lückenlosen Schutz hinzublättern", empfiehlt Verbraucherschützerin Weidenbach. Ihr Tipp: Privat sparen. Bleibt der Liebling gesund, ist das Geld nicht weg.

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