Eine Festwoche für Börsianer

Aktionäre in Feierlaune: Angetrieben von überraschend guten Unternehmenszahlen hat Deutschlands wichtigster Börsenindex Dax die bisher beste Woche des Jahres hinter sich. Doch Experten warnen vor Euphorie.

München – Der wichtige Börsenindex Dax ließ wahrlich kaum zu wünschen übrig: Montag: Plus. Dienstag: Plus. Mittwoch, Donnerstag ebenso. Und am Freitag stand schließlich ein Anstieg von rund zehn Prozent binnen fünf Tagen zu Buche. So glatt lief heuer noch keine Woche für den Deutschen Aktienindex. Und nicht nur hierzulande hatten die Börsianer Grund zur Freude.

Auch in den USA ging es Tag für Tag weiter bergauf. Der Dow Jones legte im Wochenverlauf etwa sechs Prozent zu. Vor allem von dort waren die guten Nachrichten gekommen, die den Börsianern wieder Mut machten. In den Vereinigten Staaten hatte die neue Runde der vierteljährlichen Unternehmensberichte über die Geschäftsentwicklung begonnen. Viele Firmen überraschten dabei mit positiven Geschäftszahlen und hoffnungsfrohen Prognosen für den Jahresverlauf (siehe unten).

„Die relativ gute Berichterstattungssaison kam für viele Marktteilnehmer sehr überraschend. Die meisten hatten mit enttäuschenden Nachrichten gerechnet“, erklärt Matthias Jörss von der Privatbank Sal. Oppenheim. Zudem zeige sich mehr und mehr, dass die USA im dritten Quartal nicht mehr in der Rezession seien. Und die Märkte würden dank entsprechender Maßnahmen der Zentralbanken im Übermaß mit Liquidität versorgt. All dies habe die deutlichen Kursgewinne begünstigt. Doch auf Dauer kann es nicht so reibungslos weitergehen an der Börse.

„Wir befinden uns jetzt an einem Punkt, an dem ein großer Teil der Hoffnungen bereits in den Kursen eingepreist ist“, urteilt Christian Stocker von der Unicredit in München. „Wir erwarten jetzt eine holprige Wegstrecke, die den Dax auch wieder auf 4500 Punkte zurückführen kann.“ Zum Jahresende rechne die Bank mit einem Stand von 5100 Punkten – also kaum mehr als zurzeit.

Jörss rechnet damit, dass der Dax in den kommenden Wochen bis auf ein Niveau von 5300 bis 5500 Punkten klettern wird. „Aber wir glauben nicht, dass der Weg dauerhaft frei ist für weiter steigende Kurse“, warnt er. Zum Jahresende werde das Deflationsrisiko – also sinkende Preise, die zu einem Erlahmen der Wirtschaftsentwicklung führen – wieder aufleben. „Wir erwarten, dass es dann wieder ein Stück runtergeht.“

Jürgen Pfister, Chefvolkswirt der Bayerischen Landesbank, rechnet mit einer „Fortsetzung der Schaukelbörse, wenn auch mit geringeren Ausschlägen“. Dies sei wahrscheinlicher als ein klarer Aufwärtstrend. Zum einen werde die Erwartung eines Aufschwungs bis weit in das Jahr 2010 hinein unerfüllt bleiben und steigende Arbeitslosigkeit den privaten Konsum einschränken. Zum anderen könne für die Finanzwirtschaft keine Entwarnung gegeben werden. „Nachdem die Banken die erste Schockwelle – die Wertberichtigungen auf die sogenannten toxischen Wertpapiere – mit umfangreicher staatlicher Hilfe überstanden haben, zeichnet sich eine zweite Welle ab, nämlich hohe Wertberichtigungen auf Unternehmenskredite“, befürchtet er. Die Ertragslage der Banken werde daher mindestens heuer sehr angespannt bleiben.

„Ein Wechsel von guten und schlechten Nachrichten wird somit einer nachhaltigen Erholung der Börse entgegenstehen“, glaubt Pfister. Immerhin seien schlechte Nachrichten aber in den Kursen weitgehend berücksichtigt. Und die Bereitschaft zur Geldanlage in Aktien werde tendenziell zunehmen. Folglich sollte die Börse, von kurzfristigen Ausschlägen abgesehen, zumindest nach unten gut abgesichert sein. Für den Privatanleger sei das aber noch ein zu unsicheres Terrain.

Von Dominik Müller

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