Was eine Fondsauflösung bedeutet

Jedes Jahr werden mehrere hundert Investmentfonds in Deutschland geschlossen oder verschmolzen. Anleger stehen dann oft vor einer schwierigen Entscheidung.

Von Januar bis August sind heuer 264 von fast 5000 erhältlichen Investmentfonds in Deutschland aufgelöst worden. Bis Jahresende dürfte diese Zahl noch deutlich ansteigen. Für betroffene Anleger bedeutet das keinen Totalverlust ihres Geldes. Denn ihr Vermögen steckt – je nach Art des Fonds – in Immobilien, Anleihen oder Aktien, die deshalb nicht schlagartig an Wert verlieren. Der Hintergrund einer Auflösung ist aber oft, dass das Fondsvolumen – also die von Anlegern insgesamt investierte Summe – gering ist, wodurch die Verwaltungskosten besonders zu Buche schlagen. Das wiederum kann die Folge einer schwachen Wertentwicklung sein. In jedem Fall sollten Anleger, die von der Schließung oder Verschmelzung eines Fonds informiert werden, nicht untätig bleiben.

Schließung

Entscheidet sich eine Fondsgesellschaft für die Schließung eines Fonds, muss sie dies sechs Monate im Voraus im elektronischen Bundesanzeiger (www.ebundesanzeiger.de) sowie im Jahres- oder Halbjahresbericht bekannt geben, wie der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) erklärt. Eine Möglichkeit die Schließung zu verhindern, haben Anleger nicht. Sie können allerdings entscheiden, ob sie die Schließung abwarten oder ihre Fondsanteile vorher verkaufen. Anleger sollten dies zum Anlass nehmen, zu überprüfen, ob sie ihr Geld erneut in einen ähnlich funktionierenden Fonds investieren oder ihre Anlagestrategie ändern wollen.

Wird die Schließung des Fonds vollzogen, erhalten die Anleger den dann geltenden Wert ihrer Anteile ausgezahlt. Steuerlich wird dies so behandelt wie ein Verkauf der Papiere:

-Wurden die Fondsanteile vor 2009 erworben und länger als ein Jahr gehalten, ist ein möglicher Kursgewinn steuerfrei.

-Wurden die Fondsanteile vor 2009 erworben und weniger als ein Jahr gehalten, wird der Gewinn mit dem persönlichen Steuersatz belastet.

-Bei Fondsanteilen, die ab dem Jahr 2009 gekauft wurden, greift die Abgeltungssteuer. In diesem Fall wird der Gewinn mit 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag sowie gegebenenfalls Kirchensteuer belastet.

Verschmelzung

Oft wird ein Fonds nicht aufgelöst, sondern mit einem anderen Fonds verschmolzen. Dies muss die Fondsgesellschaft drei Monate im Voraus ankündigen. Der Anleger erhält dann Anteile an einem anderen Fonds im Tausch für seine alten Anteile. Für die Fondsgesellschaft bietet die Verschmelzung die Chance, ihre Kunden zu behalten. Für den Anleger hat sie den Vorteil, dass sie steuerlich nicht wie ein Verkauf gewertet wird, sondern in der Regel abgabenfrei ist. Dennoch kann es für Anleger sinnvoll sein, diesen Schritt nicht mitzugehen, sondern ihre Anteile zu verkaufen.

Zwar prüft die Bankenaufsicht Bafin Fondsfusionen grundsätzlich. Dennoch kann es passieren, dass der neue Fonds eine andere Strategie verfolgt als der alte. Die Stiftung Warentest verweist in der Zeitschrift „Finanztest“ (Ausgabe 10/2009) etwa auf einen Fall, in dem ein weltweit anlegender Biotech-Fonds mit einem Aktienfonds Europa verschmolzen wird. Die Verbraucherschützer raten deshalb: „Gefährdet eine Fusion die ursprüngliche Anlageidee, sollten sich Anleger von dem Fonds trennen, auch wenn der Steuervorteil damit entfällt.“

Das Prinzip Fonds

Investmentfonds sollen Privatanlegern beim Sparen helfen. Sie investieren in Aktien, Anleihen, Immobilien oder auch eine Mischung verschiedener Anlageklassen. Investiert ein Anleger zum Beispiel in einen Aktienfonds, ist er über diesen an vielen – teils Hunderten – Unternehmen beteiligt. Durch diese breite Streuung soll das Risiko des Anlegers sinken. Zudem soll das Fondsmanagement im Rahmen der grundsätzlichen Ausrichtung des Produktes eine möglichst gute Auswahl bei seinen Investitionen treffen. Angesichts der Vielzahl der Investmentfonds, von denen nur wenige langfristig überdurchschnittlich abschneiden, ist ein sorgfältiger Vergleich ratsam.

Dominik Müller

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