Eine Frage des Vertrauens: Papier verhilft zum gewünschten Betreuer

- Für später vorsorgen - viele Menschen denken dabei zuerst an Geld sparen, um im Alter ein Zubrot zur wegschmelzenden Rente zu haben. Eine andere Art von Vorsorge vernachlässigen und verdrängen jedoch die meisten: Was passiert, wenn man sich eines Tages nicht mehr artikulieren kann? Wenn Krankheit, Unfall oder Alter das Bewusstsein rauben?

<P>Optionen</P><P>Für missliche Lebenslagen, in denen man wegen körperlicher oder geistiger Schwäche nicht mehr entscheidungsfähig ist, kann man sich mit einer Vorsorgevollmacht oder der Betreuungsverfügung absichern. Darin wird geregelt, wer für einen selbst die Verantwortung übernimmt und handelt, wenn man selber nicht mehr handeln kann. Das heißt, die Vertrauensperson organisiert beispielsweise einen Platz im Pflegeheim, löst die Wohnung auf, kündigt den Telefonanschluss und verwaltet das Vermögen.</P><P>Ohne Vorsorge</P><P>Existiert für den Ernstfall keine solche Bestimmung, erhalten nicht automatisch die Angehörigen das Sorgerecht, wie oft gedacht wird. Das Gesetz schreibt vor, dass ein Vormundschaftsgericht einen Betreuer bestimmt, der den oder die Betroffene(n) gesetzlich vertritt. In der Praxis sind es freilich meist Menschen aus dem Verwandtenkreis, oft aber auch familienfremde Personen.</P><P>Vorsorgevollmacht</P><P>In der Vorsorgevollmacht benennen Menschen eine oder mehrere Personen, die für sie im Bedarfsfall handeln. Dabei können die Vollmachtgeber den Rahmen abstecken, in dem die Bevollmächtigten die Angelegenheiten regeln sollen. Es ist deswegen sinnvoll, die gewünschten Bevollmächtigten beim Verfassen der Vollmacht mit einzubeziehen. Die Bundesnotarkammer empfiehlt, möglichst umfangreiche Befugnisse auszuteilen, damit auch alle vermögensrechtlichen und persönlichen Angelegenheiten erledigt werden können. Dazu zählen beispielsweise: <BR>- Vermögensrechtliche Angelegenheiten: Verfügen über Grundstücke und Konten, Schulden aufnehmen, gegenüber Gerichten und Behörden handeln<BR>- Persönliche Angelegenheiten: Aufenthaltsort bestimmen, über freiheitsentziehende Maßnahmen wie das Anbringen von Gittern oder Gurten entscheiden, Entscheidungen über medizinische Operationen</P><P>Betreuungsverfügung</P><P>Will jemand aus Misstrauen keinem Menschen eine Vollmacht anvertrauen, kann er eine Betreuungsverfügung verfassen. Darin kann er bestimmen, wer ihn einmal betreuen soll, beziehungsweise unter wessen Obhut er sich keinesfalls begeben will. Zudem können in der Verfügung ähnlich wie in der Vorsorgevollmacht persönliche und Vermögensangelegenheiten geregelt werden. Offiziell ernannt wird der Betreuer per Gerichtsentscheid. Zuvor wird er von den Richtern geprüft. Erweist sich die Person als ungeeignet, kann sie auch abgelehnt werden. Zudem kann das Gericht den Umfang der Befugnisse des Betreuers beschneiden.</P><P>Vertrauenspersonen</P><P>Als Bevollmächtigte oder "Betreuungsverfügte" sollte man nur Menschen ernennen, zu denen ein besonderes Vertrauensverhältnis besteht, wie etwa Verwandte oder langjährige und gute Freunde. Dies gilt besonders bei der Vorsorgevollmacht, denn der Bevollmächtigte wird in seinem Tun nur bedingt gerichtlich überwacht. Bevor man jemanden auswählt, sollte man außerdem um Erlaubnis fragen. Denn wer das Sorgerecht für einen Menschen übernimmt braucht nicht nur Zeit, sondern auch ausreichend Kraft.<BR>Formalien</P><P>Für das Aufsetzten von Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung ist kein Rechtsbeistand notwendig. Jeder kann selber eine solche Schrift verfassen, die dann auch rechtsgültig ist _ solange Unterschrift, Datum und Ort nicht fehlen. Es ist allerdings ratsam, einen Notar aufzusuchen, zumal die Kosten mit maximal rund 400 Euro für eine Vollmacht (ohne Mehrwertsteuer und Materialkosten) relativ gering sind. Der Notar kann auch professionell beraten. Zudem akzeptieren Banken mitunter privat verfasste Vollmachten nicht. Auch kann mit solchen Schriften nicht über Grundstücke verfügt werden.</P><P>Weitere Informationen</P><P>Das Bayerische Justizministerium hat eine 48-seitige Broschüre mit dem Titel "Vorsorge für Unfall, Krankheit und Alter" herausgebracht. Sie ist im Verlag C.H. Beck erschienen (ISBN 3-406-52440-0) und kostet 3,90 Euro.</P>

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