Martin Prem, Wirtschaftsredakteur des Münchner Merkur.

Vorwürfe aus den USA gegen Bosch

Kommentar: Eine Klage, kein Beweis

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München - Die Vorwürfe, die im Zeichen des VW-Abgas-Skandals jetzt gegen die Firma Bosch erhoben werden, kommentiert Martin Prem aus der Wirtschaftsredaktion des Münchner Merkur.

Nach Volkswagen nun also Bosch. Diesen einfachen Schluss könnte man ziehen, wenn man die jüngsten Nachrichten zum Diesel-Abgas-Skandal wahrnimmt. Gestützt auf eine 742 Seiten dicke Klageschrift werden Vorwürfe verbreitet, Bosch sei von Anfang an in den Skandal eingeweiht und auch verwickelt gewesen.

Viele der Vorwürfe klingen auf den ersten Blick erdrückend. Doch Bosch kann nichts anderes tun, als zu schweigen. Eine Klageschrift ist kein Beweis und erst recht kein Urteil. Es musste den Anwälten, die hier agierten, nur darum gehen, Stoff zu sammeln. Ihr Ziel: Schadenersatz zu erzwingen – und davon möglichst viel. Das sollte man im Auge behalten.

Klar ist bisher: Ohne die Entwicklungsleistung von Zulieferern wie Bosch würde kein moderner Motor laufen. Bosch lieferte auch die Software an VW, mit der zu Testzwecken die Abgasreinigung deaktiviert werden konnte. Natürlich wussten Verantwortliche bei Bosch, dass ein Einsatz dieser Software im Fahrbetrieb illegal wäre. Ob die Warnung vor solchem Missbrauch und die Forderung nach einer Haftungsfreistellung Mitwisserschaft oder gar Mittäterschaft belegen kann, bleibt vorerst offen. Wer jetzt den Stab bricht, kommt über ein Vorurteil nicht hinaus.

Martin Prem

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