Peter Heinrich,Chef der Münchner Bank, lässt Mitarbeitern bei Sozialleistungen die Wahl.

Eine kleine Bank – und das Cafeteria-System

München - Auch in der Finanzbranche tobt der Kampf um gute Mitarbeiter. Die vergleichsweise kleine Münchner Bank will da mithalten.

Techniker, Ingenieure, Facharbeiter – die Industrie sucht dringend Fachkräfte. Dabei geht leicht unter, dass auch andere im Wettbewerb um die besten Mitarbeiter stehen. Denn auch die Finanzbranche stößt bei der Suche nach geeignetem Personal immer mehr an ihre Grenzen. Die Münchner Bank ist zwar eine der größten Genossenschaftsbanken, aber im Vergleich mit Großbanken oder der Münchner Stadtsparkasse eher klein. Dennoch hat sie den Ehrgeiz, den Großen beim Kampf um Talente Paroli zu bieten. Es gehe nicht mehr nur um die Besetzung einer vakanten Stelle, sagt der Vorstandsvorsitzende Peter Heinrich, „sondern um die Vermarktung der Münchner Bank als attraktiven Arbeitgeber“. So betont die Bank sogar, dass sie mit einer Personalkostenquote von 1,33 Prozent deutlich über den durchschnittlichen 1,2 Prozent der Genossenschaftsbanken liegt, was zu Lasten des möglichen Gewinns geht. „Personalkosten sind in München einfach höher“, sagt Heinrich. „Wir wollen Gewinne nicht um jeden Preis, sondern mit Rücksicht auf die Menschen, mit denen wir zu tun haben.“

Deshalb hat die 151 Jahre alte Bank ihre Sozialleistungen auf das Cafeteria-System umgestellt. „Da wird nicht allen das Gleiche übergestülpt“, sagt Heinrich. Jeder Mitarbeiter bekommt nach einem festen System Punkte, die er für betriebliche Sozialleistungen einsetzen darf. Das kann ein Zuschuss zum Essen sein, einer für Fahrtkosten – oder auch zusätzliche freie Tage zu bestimmten Anlässen. Nur die betriebliche Altersvorsorge und eine zusätzliche Krankenversicherung sind verpflichtend. Den Rest kann, so Heinrich, „jeder ausgeben, wie er will“. Es geht je nach Gehaltsgruppe und Betriebszugehörigkeit pro Mitarbeiter um 600 bis 1000 Euro jährlich.

Wo es möglich ist, versucht die Bank gar nicht erst Führungskräfte von Konkurrenten abzuwerben. „Jemanden der von außen kommt, kennen wir noch nicht, und er ist meist teurer“, sagt Heinrich gegenüber unserer Zeitung. Deshalb sucht er lieber unter den Mitarbeitern, die er kennt.

Da kann auch die Lehre Karriere-Sprungbrett sein. 2012 hat die Bank ihre Ausbildungsquote von 7,9 Prozent auf 8,9 Prozent gesteigert. Das heißt, fast jeder zehnte der 634 Mitarbeiter ist noch in der Ausbildung.

Doch auch hier werden Grenzen sichtbar. Nur scheinbar ist es für die Bank leicht, Jugendliche zu rekrutieren. Aus der Fülle von 250 Bewerbungen blieben 2012 schon nach der ersten Sichtungsrunde keine 100 übrig. Zum Schluss kamen 30 Bewerber ernsthaft infrage – 24 davon bekamen eine Lehrstelle.

Das Abi ist kein Muss. Zu rund 30 Prozent kommen Bewerber mit mittlerer Reife zum Zug – und immer wieder auch Hauptschulabsolventen. Es kommt nicht auf Spitzennoten an. „Das Zeugnis muss ordentlich sein“, sagt Heinrich, „aber vor allem die Persönlichkeit soll überzeugen.“

Auch 2012 hat die Münchner Bank ihren Wachstumskurs fortgesetzt. Die Bilanzsumme stieg um sechs Prozent auf 3,3 Milliarden Euro – schneller als im Durchschnitt der Genossenschaftsbanken (3,5 Prozent). Das Kreditvolumen in der Bilanz stieg um 14 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro – stärker als das Einlagevolumen (plus 13,6 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro).

Nach der Fusion mit der viel kleineren Raiffeisenbank Oberschleißheim würde Heinrich gern auch auf diesem Weg weiter wachsen. Doch ist die Partnersuche unter den Genossenschaftsbanken im Münchner Umland schwierig, wie er einräumt. „Unser Angebot ist bekannt“, sagt er. Aber derzeit gebe es keine Verhandlungen.

Martin Prem

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