Eine Unternehmerin, die Mut macht

Grafing - Eine Sozialpädagogin, die sich mit einem Bewegungsstuhl selbstständig macht und in finanzieller Not ihre Firma mit kreativem Krisenmanagement vor der Insolvenz bewahrt. Gabriele Wander aus Grafing macht Mut und erhielt dafür eine Auszeichnung.

Stilvoll fürs Auge und kraftvoll für den Körper - diese Ansprüche soll der hölzerne Bewegungsstuhl namens "Mi Shu" von Gabriele Wander verbinden. Die Grundidee: Bewegliche Elemente sorgen für ein dynamischen Sitzen, so ist der Rücken ständig in Bewegung, Blockaden wird entgegengewirkt und die Energie kann fließen. "Der Rücken fühlt sich frischer an", beschreibt die 45-Jährige, "und das springt auf den Geist über."

Vier Jahre hat sie an dem Stuhl-Projekt getüftelt, immer neue Ideen eingearbeitet. So wurde aus einem Meditationsschemel "Mi Shu" und aus Gabriele Wander eine Unternehmerin. Im Frühjahr 2000 wagte sie den Schritt und gründete ihre eigene Firma in Grafing.

"Seitdem sind wir kontinuierlich gewachsen", erzählt Wander, die mittlerweile neun Mitarbeiter beschäftigt. Waren es anfangs 60 bis 70 Stühle im Jahr, sind es heute 600 bis 700. Dennoch: Es ging zu langsam. Als im Frühjahr 2004 die nächste Tilgungsrate über mehrere tausend Euro fällig war, musste sie passen. Es ging nicht mehr. "Darauf hat mir die Bank gekündigt", erzählt die Unternehmerin. Der nächste logische Schritt wäre die Insolvenz gewesen, doch Gabriele Wander ist einen anderen Weg gegangen, um ihre Firma zu retten.

Das Konzept des Stuhls war Basis der Firmenrettung - und zwar wortwörtlich. Schließlich bedeuten die japanischen Silben "Mi" und "Shu" "Körper" oder "Seele" bzw. "zusammenwirken", oder "zentrieren". Wie bei ihrem Stuhl wirkten auch in dieser Krisenzeit mehrere Dinge zusammen. Sie ergaben sich einfach. Der Ehemann einer Mitarbeiterin stellte sich als erfahrener und hilfsbereiter Wirtschaftsberater heraus, die Angestellten waren bereit, eine Zeit lang auf ihr Gehalt zu verzichten und an alle Kunden ging eine Rundmail mit dem Tenor "Bestellen Sie lieber jetzt noch schnell einen Stuhl, weil bald wird es uns nicht mehr geben". "Die Resonanz war riesig", erinnert sich die engagierte Unternehmerin und lächelt. Überall erntete sie Zuspruch und Ratschläge, das habe zusätzliche Motivation gegeben und ein außergerichtlicher Vergleich (siehe Kasten) den Bankrott abgewendet.

"Eine Kundin hat sich gemeldet, deren Mann Wirtschaftswissenschaftler ist", erzählt Wander weiter, "zu ihm bin ich mit all meinen Unterlagen gefahren." Zusammen gingen sie die Kalkulation durch - zweieinhalb Tage lang. Am Ende kam raus: "Ich habe den Stuhl zu billig verkauft."

Aber die Preise raufsetzen und damit unweigerlich an Umsatz einbüßen? "Das habe ich mich nicht getraut", gibt die 45-Jährige zu. Erst als sie einen neuen Holz-Lieferanten fand, konnte sie die Summe erhöhen. "Seitdem ist der Stuhl rentabel", sagt Wander, auch wenn "der dicke Mercedes" für sie als Firmeninhaberin noch lange nicht drin sei. "Vom Geld her hat sich der Schritt in die Selbstständigkeit bislang nicht gelohnt", erklärt sie, "aber ich habe so viel dazugelernt, dass es das Projekt für mich sehr lohnenswert macht."

Neben neuen Erkenntnissen und jeder Menge Selbstbewusstsein - gestärkt durch das erfolgreiche Krisenmanagement - hat Gabriele Wander noch etwas gewonnen: die Auszeichnung "Mutmacher der Nation". Die Jury der bundesweiten Mittelstandsinitiative von "DasÖrtliche", dem Verband Deutscher Bürgschaftsbanken und dem Magazin "impulse" ließen sich von dem Engagement Wanders überzeugen. Die 45-Jährige wurde bayerische Landessiegerin - nur im Endkampf um den Deutschland-Titel klappte es nicht mit dem Sieg.

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