"Einen Plan B gibt es nicht"

- Berlin - Eigentlich können die Berliner Flughafenmanager ganz zufrieden sein. Die Passagierzahlen boomen, nach langer Pause starten wieder Direktflüge in die USA, und im deutschen Luftverkehr eroberte die Hauptstadt hinter den Drehkreuzen Frankfurt und München Platz drei. Doch ihr wichtigstes Zukunftsprojekt steht vorerst weiter in Warteposition. Vor genau einem Jahr bekam der lange geplante Bau eines neuen Großflughafens grünes Licht von den Behörden. Aber ins Rollen gekommen ist das Milliardenvorhaben seitdem nicht. Sein Schicksal liegt in der Hand der Justiz - wohl noch bis zum nächsten Sommer.

Als der Ausbau des Flughafens Schönefeld am 13. August 2004 die letzte Hürde im Genehmigungsverfahren nahm, waren die Erwartungen groß. Einen Meilenstein sah nicht nur Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD). Denn 16 Jahre nach dem Fall der Mauer läuft der hauptstädtische Luftverkehr noch immer über drei wenig effiziente Flughäfen aus den Tagen der Teilung: Tegel, Tempelhof und Schönefeld. Mit Eilanträgen vor dem Bundesverwaltungsgericht haben Anwohner die Bagger aber erst einmal aufgehalten: Bis zu einem endgültigen Urteil gilt ein weitgehender Baustopp. Über Musterfälle der insgesamt 4000 Klagen wollen die Richter im ersten Halbjahr 2006 verhandeln.

Das hat den Terminplan für den neuen Airport Berlin-Brandenburg International (BBI) im Südosten der Metropole kräftig durcheinander gebracht. Die Eröffnung des Flughafens, der vorerst für 22 Millionen Passagiere ausgelegt wird, peilen die Bauherren nun 2011 an, und damit noch ein Jahr später. Sie haben dennoch keine Zeit zu verlieren. Auf dem Gelände gehen die Vorbereitungen für den Tag X weiter, an dem der eigentliche Ausbau starten könnte - planerisches Zieldatum ist der 1. Juli 2006. "Selbstverständlich beachten wir den vom Gericht vorgegebenen Rahmen", sagt ein Sprecher der Flughafengesellschaft. "Aber wir schöpfen ihn auch aus."

Als erlaubte "bauvorbereitende Maßnahme" entstehen inzwischen für 2,5 Millionen Euro Ableitungsanlagen, um beim Bau des unterirdischen Flughafenbahnhofs das Grundwasser absenken zu können. Bodenproben werden untersucht, geschützte Amphibienarten sind umgesiedelt worden, und bei Ausgrabungen fanden Archäologen 5000 Jahre alte Siedlungsspuren. Das Planerteam ist auf 50 Experten gewachsen, die ersten Aufträge für die Komplett-Realisierung mehrerer Teilvorhaben sind vergeben. Insgesamt kalkulieren die Planer Kosten von zwei Milliarden Euro für das Großprojekt.

Bei Ausbaugegnern sorgen dagegen bereits die Vorbereitungen für Ärger. Damit würden vorzeitig Fakten geschaffen, sagt ein Sprecher des Bürgervereins Brandenburg-Berlin: "Die Politik ignoriert die Warnsignale des Bundesverwaltungsgerichts." Denn nach dem vorläufigen Baustopp sehen sich die Kritiker bestärkt, das Vorhaben juristisch verhindern zu können. Die Gegenseite der BBI-Gesellschafter Bund, Berlin und Brandenburg geben sich trotzdem zuversichtlich.

Selbst wenn die Leipziger Richter das Prestigevorhaben am Ende verbieten sollten, dürften die Bagger allerdings kaum in den Garagen bleiben. Denn der Boom der Billigflieger lässt den einstigen DDR-Zentralflughafen in Schönefeld schon jetzt wachsen. Auf dem Areal entsteht gerade ein viertes Terminal, das die Passagierkapazität von 4,5 Millionen auf 7,5 Millionen pro Jahr erhöht. Scheitert die Operation BBI, wäre innerhalb des bekannten Flughafenzauns wohl noch eine zweistellige Millionenzahl erreichbar. Dass stattdessen ein neues Verfahren für einen anderen Standort aufgerollt werden würde, halten Experten für unrealistisch. "Einen Plan B gibt es nicht."

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