Ein-Euro-Jobs schön für die Statistik

- München - Der Winter hat den deutschen Arbeitsmarkt gepackt. Vor allem in den wetterabhängigen Branchen Landwirtschaft, Gastronomie und Bau gingen im November zahlreiche Jobs verloren. Aber nicht nur die niedrigen Temperaturen ließen die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen um 50 800 auf 4,257 Millionen (10,3 %) steigen: Da die Unternehmen immer noch mehr Stellen ab- als aufbauen, nahm auch der saisonbereinigte Wert um 7000 zu.

"Das Wachstum reicht noch nicht aus, um genügend Impulse zu geben", sagte der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise bei Bekanntgabe der Monatsstatistik.<BR><BR>Eine noch stärkere Zunahme der Arbeitslosigkeit verhinderte nach seinen Angaben der Einsatz arbeitsmarktpolitischer Instrumente. So nahmen über 20 000 Langzeitarbeitslose einen Ein-Euro-Job an, bei dem sie befristet geringe Einnahmen erzielen dürfen, ohne den Anspruch auf Arbeitslosenhilfe zu verlieren. Die meisten fielen aus der Statistik, da sie im Rahmen der Tätigkeit länger als 15 Stunden pro Woche beschäftigt sind und damit per Definition nicht als joblos gezählt werden - obwohl sie Zuschüsse erhalten. Dasselbe gilt für die 15 300 Menschen, die im vergangenen Monat eine Ich-AG gegründet haben.<BR><BR>Auch in Bayern ist die Zahl der Arbeitslosen im November wieder gewachsen. Sie nahm saisonbedingt um 13 900 auf 434 100 zu, was einer Quote von 6,7 Prozent entspricht. Der Bezirk Oberbayern verzeichnete mit einem Plus von 0,1 Prozent den geringsten Anstieg. Den höchsten stellte die Regionaldirektion Bayern mit 0,5 Prozent in Niederbayern fest, wo traditionell viele Saisonarbeiter beschäftigt werden.<BR><BR>Deren wiederkehrender Entlassung hat nun Wolfgang Clement bundesweit den Kampf angesagt. Jährlich würden 500 000 Arbeitnehmer kurzfristig entlassen, nur um wenig später vom selben Unternehmen wieder eingestellt zu werden, bemängelte der Bundeswirtschaftsminister. Dieses "Ritual", das vor allem im Hotel-, Gaststätten- und Baugewerbe zu beobachten sei, gehe zu Lasten der Versicherten und Steuerzahler und sei nicht länger hinnehmbar. Der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband wies diese Kritik zurück: "Das zeugt nicht gerade von Branchenkenntnis", sagte ein Sprecher unserer Zeitung. Man könne nur Menschen beschäftigen, wenn die Nachfrage da sei. Das sei im Winter nicht der Fall.<BR><BR>Über die künftige Entwicklung des Arbeitsmarkts in 2005 gehen die Ansichten auseinander. Während die bayerische Arbeitsministerin Christa Stewens (CSU) die Ausgangsposition für 2005 als "nicht leicht" bezeichnete, rechnet Wolfgang Clement damit, dass die anziehende Konjunktur und eine schnellere und bessere Vermittlung durch Hartz IV die Trendwende bringen wird.

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