Einfaches Handwerk frei für jedermann

- Berlin - Wer eine Marktnische gefunden hat und Fladenbrote backen, Raufasertapeten streichen oder gesprungene Fliesen im Bad auswechseln will, muss dazu kein eingetragener Handwerker mehr sein. Gegen die Stimmen der Opposition verabschiedete der Bundestag ein entsprechendes Gesetz zur Änderung der Handwerksordnung und zur Förderung von Kleinunternehmen. Gleichzeitig brachte die Koalition ihre große Handwerksnovelle auf den Weg, die es Gesellen in vielen Berufen ermöglichen soll, sich auch ohne Meisterbrief selbstständig zu machen.

Diese umfassende Regelung, die der Zustimmung des Bundesrates bedarf, wird von der Opposition energisch abgelehnt. Der CSU-Abgeordnete Ernst Hinsken kündigte einen eigenen Gesetzentwurf Bayerns an. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement verteidigte das Vorhaben, das das Handwerk zukunftssicher machen und einen Impuls für Firmengründungen geben soll. <BR><BR>Die beschlossene Gesetzesänderung erleichtert "Allroundtalenten", Kleinstunternehmern und Ich-AGs den Weg in die Selbstständigkeit. Es müsse endlich Schluss sein damit, dass für einfachste Tätigkeiten in Deutschland die Meisterprüfung notwendig sei, erklärte Clement. Derartige Arbeiten, die normalerweise in drei Monaten zu erlernen sind, müssten von jedermann ausgeübt werden dürfen und nicht nur von eingetragenen Handwerksbetrieben. <BR><BR>Clement widersprach Vorwürfen, die in erster Lesung beratene große Novelle werde dem Handwerk "den Garaus machen". Sie werde im Gegenteil für Wachstum und Beschäftigung sorgen. Auch mit den Neuerungen bleibe der Meisterbrief als Qualitätsbeweis bestehen, betonte er. Dennoch sei eine Modernisierung der Regelungen aus den 50er Jahren nötig. Die Meisterpflicht soll danach nur noch für so genannte gefahrgeneigte Tätigkeiten gelten, das sind etwa ein Drittel der Gewerke. Auch bei den anderen bleibe der Meisterbrief als Qualitätssiegel erhalten, allerdings auf freiwilliger Basis. Damit würden Existenzgründungen und Betriebsübernahmen erleichtert. <BR><BR>Für die Union wies Hinsken die "mit heißer Nadel gestrickte" große Novelle als "Kahlschlag" für das Handwerk zurück. Die Meisterprüfung werde praktisch wertlos.

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