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„Einfachste Lösung“: Schröder rät zu Inbetriebnahme von Nord Stream 2

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Gerhard Schröder
Gerhard Schröder © IMAGO / Jens Schicke

Vor dem Hintergrund des drohenden Gasmangels hat sich Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) für eine Inbetriebnahme der neuen Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 ausgesprochen.

Hamburg in Deutschland - Das wäre "die einfachste Lösung", sagte er in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit dem Magazin "Stern" und dem Sender RTL/ntv. Für derzeit ausbleibende Gaslieferungen aus Russland über die bestehende Nord-Stream-1-Leitung machte Schröder vor allem den Konzern Siemens verantwortlich.

Nord Stream 2 "ist fertig", sagte der Altkanzler, der als Verwaltungschef der Betreiberfirma der neuen Gasleitung fungiert. "Wenn es wirklich eng wird, gibt es diese Pipeline, und mit beiden Nord-Stream-Pipelines gäbe es kein Versorgungsproblem für die deutsche Industrie und die deutschen Haushalte."

Andernfalls "muss man die Folgen tragen. Und die werden auch in Deutschland riesig sein", warnte Schröder. Sollten die Gaspreise wie erwartet weiter steigen, würden die Menschen dann bald fragen, warum durch die neue Leitung kein Gas fließe. Nord Stream 2 war vor dem Hintergrund des russischen Angriffs auf die Ukraine nicht wie geplant in Betrieb genommen worden.

In den vergangenen Wochen hatte der russische Gaskonzern Gazprom außerdem die Lieferungen über die Nord-Stream-1-Pipeline stark gedrosselt. Russland verweist auf technische Probleme. Die Bundesregierung weist diese Argumentation jedoch zurück. Moskau setze vielmehr Gas als außenpolitisches Druckmittel ein.

Schröder widersprach der Darstellung Berlins und machte stattdessen dem Konzern Siemens Vorwürfe. Dass derzeit nur 20 Prozent der normalen Gasmenge durch Nord Stream 1 flössen, "liegt in der Verantwortung von Siemens, wenn ich das richtig sehe", sagte er. Siemens habe die in den vergangenen Wochen viel diskutierte Turbine für Nord Stream 1 aus der Wartung in Kanada nach Mülheim an der Ruhr gebracht. "Warum sie dort ist und nicht in Russland, verstehe ich nicht."

Schröder war vergangene Woche in Moskau und führte dort nach eigenen Angaben Gespräche mit dem Verantwortlichen für die Energiewirtschaft. Zudem habe er sich mit Präsident Wladimir Putin getroffen. Nun sagte er, es gebe "keine politische Ansage des Kreml, den Gasfluss zu drosseln". "Es handelt sich hier vorwiegend um ein technisches und bürokratisches Problem, so Schröder.

Siemens selbst gibt an, die Turbine jederzeit nach Russland liefern zu können. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) wollte am Mittwoch den Siemens-Standort in Mülheim an der Ruhr besuchen. "Er wird sich vor Ort gemeinsam mit unserem Vorstandsvorsitzenden Christian Bruch die in Kanada für die Erdgas-Pipeline Nordstream 1 gewartete Turbine anschauen, die für den Weitertransport nach Russland bereitsteht", erklärte das Unternehmen. pe/cha

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